LAVES klar

Pflanzenschutzmittel

  • Was sind Pflanzenschutzmittel und warum werden Pflanzenschutzmittel eingesetzt?
  • Wann darf ein Pflanzenschutzmittel verwendet werden?
  • Was sind Pflanzenschutzmittelrückstände in/auf Lebensmitteln?
  • Was ist ein Rückstandshöchstgehalt?
  • Welche Anforderungen gelten für Säuglings- und Kleínkindernahrung?
  • Was sind die besonderen Anforderungen für Bio-Lebensmittel?
  • Wer überwacht die Einhaltung der Rückstandshöchstgehalte?
  • Was bedeutet eine Überschreitung des Rückstandshöchstgehaltes für den Verbraucher?
  • Was sind Mehrfachrückstände?
  • Erhöht sich das Gesundheitsrisiko durch Mehrfachrückstände?
  • Kann der Verbraucher mögliche Pflanzenschutzmittelrückstände feststellen?
  • Wie kann man seine Pestizidaufnahme reduzieren; lassen sich Rückstände auf Obst und Gemüse abwaschen?
  • Enthalten verarbeitete und zusammmengesetzte Lebensmittel mehr oder weniger Rückstände?
  • Welche Methoden werden zur Untersuchung von Lebensmitteln eingesetzt?
  • Ergebnisse des LAVES zu Untersuchungen von Lebensmitteln auf Pflanzenschutzmittelrückstände

Was sind Pflanzenschutzmittel und warum werden Pflanzenschutzmittel eingesetzt?

Als Pflanzenschutzmittel werden Zubereitungen bezeichnet, die zum Schutz von Kulturpflanzen und Erntegütern eingesetzt werden. Da die Anwendung der Mittel meistens das Abtöten unerwünschter Organismen zum Ziel hat, wird als Synonym auch der Begriff "Pestizide" verwendet.

Hierbei lassen sich folgende Wirkungsbereiche unterscheiden:


Herbizide

Unkräuter

Fungizide

Pilze

Insektizide

Insekten

Akarizide

Milben

Nematizide

Nematoden, Äalchen

Molluskizide

Schnecken

Rodentizide

Nagetiere

Wachstumsregulatoren

Wachstumsregulierung, Fruchtreifung

Keimhemmungsmittel

Keimungsverhinderung

Safener, Synergisten

Wirkungsverstärkung


Folgende Ziele können dadurch erreicht werden:

  • Schutz der Erntegüter vor Schädlingen und Krankheiten
  • Ertrags- und Qualitätssicherung
  • Erhöhung der Ernteerträge durch z.B. Unterdrückung oder Vernichtung konkurrierender "Unkräuter"
  • Produktionserleichterung durch z.B. gleichmäßiges Abreifen von Getreide, Kartoffeln, etc.
  • Produktionskostenreduzierung durch z.B. Ersatz mechanischer oder personalintensiver Unkrautbekämpfung per Hand

Nach Angaben des BVL waren 2016 in Deutschland 270 Wirkstoffe in 753 zugelassenen Mitteln enthalten:

Diese wurden unter 1465 Handelsnamen vertrieben. Unter den zugelassenen Mitteln befanden sich u.a. 287 Herbizide, 221 Fungizide und 103 Insektizide. Insgesamt wurden 2016 in Deutschland 99625 Tonnen Pflanzenschutzmittelzubereitungen (ohne inerte Gase) abgegeben, darunter 5625 Tonnen (ohne inerte Gase) im ökologischen Anbau. Davon waren ca. 40% Herbizide, ca. 29% Fungizide/Bakterizide/Viruzide, ca. 8%Wachstumsregler/Keimhemmungsmittel, ca. 6% Molluskizide und ca. 3% Insektizide/Akarizide/Pheromone.

Weitere Information finden Sie unter: Pflanzenschutzmittel (BVL) (BfR) (BMEL) (EFSA) Glyphosat (Glyphosat)

Wann darf ein Pflanzenschutzmittel verwendet werden?

Pflanzenschutzmittel dürfen nur verwendet werden, wenn sie gemäß Pflanzenschutzgesetz zugelassen sind. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist als nationale Behörde in Deutschland für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zuständig. Es bearbeitet die Anträge der Hersteller auf Zulassung und Höchstgehaltsfestsetzung.

Vor der Zulassung eines Pflanzenschutzmittels prüft das Umweltbundesamt (UBA) die Umweltauswirkungen, das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) die Gesundheitsrisiken und das Julius-Kühn-Institut (JKI) Anwendung und Nutzen. Schließlich überprüft die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die vom BVL vorgeschlagenen Rückstandshöchstgehalte.

Im Rahmen der Zulassung wird u.a. festgelegt, für welche Kulturpflanzen das Mittel eingesetzt werden soll, wie häufig und in welchen Mengen es eingesetzt wird, und welche Wartezeiten von der letzten Anwendung bis zur Ernte einzuhalten sind.

Die Anwendung darf keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier sowie auf das Grundwasser haben.

In Form von Anwendungsbestimmungen werden bei der Zulassung auch Maßnahmen zur Risikominimierung festgesetzt. Die Zulassung ist höchstens für zehn Jahre gültig und kann auf Antrag verlängert werden. Die anschließende Neubeurteilung ermöglicht so eine regelmäßige Kontrolle, ob der Wirkstoff noch den aktuellen Anforderungen entspricht.

Weitere Information hierzu finden Sie unter:

Zugelassene Pflanzenschutzmittel in Deutschland

Roggenfeld  
Das Roggenfeld darf nur mit hierfür zugelassenen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden.
Was sind Pflanzenschutzmittelrückstände in/auf Lebensmitteln?

Pflanzenschutzmittelrückstände sind messbare Mengen von Wirkstoffen und deren Abbauprodukten (Metaboliten), welche auf bzw. in Lebensmittelerzeugnissen pflanzlichen und tierischen Ursprungs nachgewiesen werden können. Rückstände auf Ernteprodukten lassen sich selbst bei guter landwirtschaftlicher Praxis und sachgerechtem, bestimmungsgemäßen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht völlig vermeiden.


Was ist ein Rückstandshöchstgehalt?

Zum Schutz des Verbrauchers vor überhöhten Pflanzenschutzmittelrückständen in oder auf den Lebensmitteln werden Höchstgehalte in verschiedenen Rechtsvorschriften festgelegt. Bei einer Höchstgehaltsüberschreitung darf das jeweilige Produkt nicht in den Verkehr gebracht werden.

Seit einigen Jahren werden vermehrt als Rückstände relevante Abbauprodukte von Pestiziden bei der Höchstgehaltsfestsetzung berücksichtigt, wodurch die Rückstandsdefinitionen zunehmend Summenhöchstgehalte aufweisen.

Spezifische Höchstgehalte für die jeweiligen Produkte sind in den Anlagen der nachfolgend genannten Verordnungen aufgelistet:

Am 1. September 2008 trat die EG-Verordnung Nr. 396/2005 in Kraft, wodurch die Höchstgehalte von Pflanzenschutzmittel-Rückständen auf Lebensmitteln und Futtermitteln in der EU weitgehend harmonisiert wurden. Damit gelten größtenteils europaweite Rückstandshöchstgehalte für Lebensmittel und Futtermittel. Die Höchstgehalte werden neben weiteren Informationen von der EU-Kommission im Internet zur Verfügung gestellt.

Seit dem vollständigen Inkrafttreten der o.g. EG-Verordnung findet die in Deutschland seit 1994 gültige Rückstands-Höchstmengenverordnung (RHmV) nur noch eingeschränkt Anwendung. Die RHmV hat noch Gültigkeit für Safener und Synergisten (nach RL 91/414/EWG: Beistoffe), Fische, Fischereierzeugnisse, Schalentiere, Muscheln und sonstige von Meeres- oder Süßwasserfischen gewonnene Erzeugnisse.

Darüber hinaus regelt die RHmV die Kenntlichmachung einer Behandlung von Zitrusfrüchten mit Thiabendazol sowie von Kartoffeln mit Chlorpropham, Imazalil und Thiabendazol nach der Ernte zum Zwecke der Haltbarmachung.

Für nicht speziell geregelte Pflanzenschutzmittelrückstände wird jeweils ein allgemeiner Höchstgehalt von 0,01 mg/kg berücksichtigt.



Kürbisse  
Auch für Kürbisse gelten Höchstgehalte für Pflanzenschutzmittelrückstände.

Welche Anforderungen gelten für Säuglings- und Kleinkindernahrung?

Für Pflanzenschutzmittelrückstände in Erzeugnissen für Säuglinge oder Kleinkinder gilt national die Verordnung für diätetische Lebensmittel (DiätV). Danach dürfen allgemein nicht mehr als jeweils 0,01 mg/kg an Pflanzenschutz-, Schädlingsbekämpfungs- und Vorratsschutzmitteln in diesen Erzeugnissen enthalten sein. Für besonders toxische Stoffe werden spezifisch niedrigere Rückstandshöchstgehalte in den Anlagen der DiätV genannt, so z.B. 0,004 mg/kg für das Insektizid Fipronil oder 0,003 mg/kg für das Herbizid Nitrofen.

Was sind die besonderen Anforderungen für Bio-Lebensmittel?

Erzeugnisse aus dem biologischen Landbau unterliegen den besonderen Anforderungen der Verordnung des Rates (EG) über die ökologische/biologische Produktion und der Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen (Verordnung (EG) Nr. 834/2007) in Verbindung mit der Durchführungsverordnung (Verordnung (EG) Nr. 889/2008).

Fälschlicherweise wird häufig behauptet, dass Bioprodukte vollkommen ohne Pflanzenschutzmittel erzeugt werden. Richtig ist, dass in der Ökoproduktion eine geringe Anzahl Pflanzenschutzmittel gemäß Anhang II der VO (EG) Nr. 889/2008 eingesetzt werden darf.

In der Regel sind in Erzeugnissen aus ökologischem Anbau auch unter Berücksichtigung von Abdrift und Umweltkontamination keine bestimmbaren Rückstände von Pestiziden mit einem Gehalt über 0,01 mg/kg zu erwarten.

Beim Nachweis erhöhter Rückstandsgehalte oder unerlaubter Wirkstoffe in Bio-Lebensmitteln besteht der Verdacht, dass die Anforderungen der Öko-Verordnung hinsichtlich Erzeugung und Behandlung derartiger Lebensmittel nicht eingehalten wurden. In diesem Fall wird die zuständige Ökokontrollstelle informiert.

In den o.g. EG-Verordnungen sind europaweit gültige Mindeststandards für Ökoerzeugnisse aufgeführt. Einige Bioverbände haben für ihre Produkte strengere Anforderungen festgelegt.

Pfirsiche  
Biologisch erzeugte Pfirsiche werden ebenfalls auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht.

Wer überwacht die Einhaltung der Rückstandshöchstgehalte?

Die Bundesländer überwachen die Einhaltung der Höchstgehalte durch stichprobenhafte Kontrollen und spezifische Untersuchungsprogramme. In Niedersachsen werden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES jährlich etwa 2500 amtliche Lebensmittelproben hauptsächlich pflanzlichen Ursprungs auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln untersucht. Das Institut ist außerdem an den repräsentativen Pestiziduntersuchungen im bundesweiten Monitoring, im Bundesweiten Überwachungsplan (BÜp) sowie im Mehrjährigen Koordinierten Kontrollprogramm der Gemeinschaft (KKP) beteiligt.

Im Rahmen ihrer Sorgfaltspflicht führt die Privatwirtschaft umfangreiche Eigenkontrollen durch.

Was bedeutet eine Überschreitung des Rückstandshöchstgehaltes für den Verbraucher?

Rückstandshöchstgehalte sind in erster Linie juristische Grenzwerte; d.h. eine Höchstgehaltsüberschreitung stellt einen Verstoß gegen geltendes Recht dar. Das Lebensmittel ist nicht verkehrsfähig. Da es sich nicht primär um toxikologische Grenzwerte handelt, führen Höchstgehaltsüberschreitungen i.d.R. nicht zu gesundheitlichen Risiken für Verbraucher.

Bei allen Überschreitungen von Höchstgehalten wird eine toxikologische Risikoabschätzung durchgeführt:

Zur Bewertung akuter toxikologischer Wirkungen wird die so genannte Akute Referenzdosis (ARfD) herangezogen. Mit Hilfe des PRIMo-Rechenmodells (Pesticide Risk Assessment Model) der EFSA lässt sich das Risiko von Pflanzenschutzmittelrückständen in der Nahrung berechnen. Auf Basis von Verzehrsdaten an Kindern im Alter von 2 bis 5 Jahren (mittleres Körpergewicht 16,15 kg) aus Deutschland bzw. auf Basis weiterer Verzehrsdaten an Kindern und Erwachsenen aus anderen europäischen Mitgliedsstaaten werden durchschnittliche und maximale Portionsgrößen für Lebensmittel gemessen. Das Modell sucht die jeweils höchste Verzehrsmenge eines Erzeugnisses heraus und auf Basis der Rückstandshöchstgehalte wird die über die Nahrung aufgenommene maximale Rückstandskonzentration pro kg Körpergewicht der am höchsten gefährdeten Bevölkerungsgruppe berechnet. Diese Gehalte werden anschließend mit den toxikologischen ARfD-Grenzwerten verglichen und die Ausschöpfung der ARfD berechnet. Die ARfD ist definiert als die Substanzmenge pro kg Körpergewicht, die über die Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages aufgenommen werden kann, ohne dass daraus ein erkennbares Gesundheitsrisiko für Verbraucher resultiert. Nicht für alle Pflanzenschutzmittel sind ARfD-Werte festgelegt, sondern nur für solche Wirkstoffe, die in ausreichender Menge geeignet sind, die Gesundheit schon bei einmaliger Exposition zu schädigen.

Mit der Berechnung des prozentualen Ausschöpfungsgrades der akuten Referenzdosis (ARfD) lässt sich ein potentielles gesundheitliches Risiko bei hohem Verzehr des Lebensmittels während einer Mahlzeit bzw. an einem Tag erfassen. Jedoch bedeutet auch ein Ausschöpfungsgrad zu mehr als 100% nicht zwangsläufig eine Gesundheitsgefährdung, sondern zeigt an, dass ein mögliches Risiko nicht mehr ausgeschlossen werden kann.

Im Einzelfall kann das BfR um eine detaillierte Risikobewertung des Befundes gebeten werden.

Bei einem Ausschöpfungsgrad über 100% erfolgt zusätzlich eine Meldung an das Europäische Schnellwarnsystem (Rapid Alert System Food and Feed, RASFF) für Lebens- und Futtermittel. Über das RASFF-System können die Kontrollbehörden für Lebens- und Futtermittel in den Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission zeitnah und wirksam Informationen austauschen, nachdem ein Risiko für die menschliche Gesundheit festgestellt wurde. Befinden sich diese Lebensmittel in einem am Schnellwarnsystem beteiligten Staat im Verkehr, wird eine Warnmeldung von dem Land herausgegeben, in dem das vom Produkt ausgehende Risiko festgestellt wurde. Auf diese Weise können die Mitgliedstaaten sofort handeln und dafür sorgen, dass möglicherweise gesundheitsschädliche Produkte nicht in Verkehr gebracht werden oder gezielt vom Markt genommen werden können.

  • Weitere Informationen zur Risikobewertung finden Sie unter: Pflanzenschutzmittel (BfR)
Weintrauben mit sichtbarem Rückstand (weißer Belag) nach Pestizidanwendung.  
Weintrauben mit sichtbarem Rückstand (weißer Belag) nach Pestizidanwendung
Bildrechte: © LAVES, Dr. Kombal

Was sind Mehrfachrückstände?

Um Mehrfachrückstände handelt es sich, wenn auf einem Lebensmittel mehr als ein Pflanzenschutzmittelrückstand nachgewiesen wird. Mehrfachrückstände entstehen u.a. durch den Einsatz von Kombinationspräparaten (mit mehreren Wirkstoffen) und durch die Verwendung von mehreren Präparaten gegen verschiedene Pflanzenkrankheiten, Schädlinge und Unkräuter (Fungizide, Insektizide, Herbizide) sowie auch durch die zeitlich aufeinander folgende Anwendung verschiedener Mittel während des Wachstums (z.B. zur Vorbeugung von Resistenzen). Dadurch, dass viele Pflanzenschutzmittel sehr spezifisch wirken, müssen häufig ähnliche Wirkstoffe, z.B. Fungizide gegen unterschiedliche Pilzarten, verwendet werden oder es werden unterschiedliche Präparate gegen den gleichen Schadorganismus eingesetzt. Auch aus der Vermischung unterschiedlich behandelter Erntegüter, z.B. bei den Erzeugergenossenschaften, können Mehrfachrückstände resultieren.


Erhöht sich das Gesundheitsrisiko durch Mehrfachrückstände?

Ob und welche Gesundheitsrisiken tatsächlich mit Mehrfachrückständen verbunden sein können, ist wissenschaftlich bis heute nicht eindeutig geklärt. Die ungenügenden Kenntnisse darüber, wie sich die Mischungen verschiedener chemischer Stoffe verhalten, ob es möglicherweise zu additiven Wirkungen (bei Stoffen mit gleichem toxikologischen Wirkmechanismus) kommt und wie sich diese Wirkstoffkombinationen im menschlichen Organismus verhalten, ist weiterhin Gegenstand der Forschung.

Kann der Verbraucher mögliche Pflanzenschutzmittelrückstände feststellen?

In der Regel sind Rückstände im Konzentrationsbereich der Höchstgehalte sensorisch nicht wahrnehmbar. Nur selten kommen Obst und Gemüse in den Handel, die auf den Oberflächen sichtbare Flecken der Spritzbrühen tragen.

Weiße Beläge werden gerne mit der pflanzeneigenen natürlichen Wachsschicht verwechselt, wie sie z.B. auf Pflaumen/Zwetschgen, Tafeltrauben, Äpfeln oder Kohlblättern zu beobachten ist und als sogenannte "Beduftung" ein sortentypisches Qualitäts- und Frischemerkmal darstellt.

Auch Geruch und Geschmack "nach Chemie" kann andere Ursachen haben, wie z.B. Überreife oder falsche Lagerung in der Nähe geruchsintensiver Produkte, wie z.B. Heizöl, Reinigungsmitteln oder anderen Lebensmitteln im Kühlschrank.

Bitterer Geschmack oder adstringierende (zusammenziehende) Wirkung im Mund und Rachen wird von Verbrauchern ebenfalls häufig auf Pestizide zurückgeführt. Diese sensorischen Abweichungen können jedoch von pflanzeneigenen Inhaltsstoffen, meistens Gerbstoffen hervorgerufen werden, wie sie z.B. in noch unreifen Kakis vorliegen.

Gesundheitliche Beschwerden nach Verzehr von Obst und Gemüse können auch auf Überempfindlichkeiten oder Allergien zurückgehen und sogar sortenabhängig ausfallen, d.h. eine Erdbeer- oder Apfelsorte verträgt man, eine andere löst hingegen Beschwerden aus.

Bei berechtigtem Verdacht sollte die zuständige Lebensmittelüberwachungsbehörde der Stadt oder des Landkreises informiert werden. Diese protokolliert die Beschwerde und zieht nach Möglichkeit eine zusätzliche Verfolgsprobe.

Wie kann man seine Pestizidaufnahme reduzieren; lassen sich Rückstände auf Obst und Gemüse abwaschen?

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass sich die Pestizidanwendung bei Kulturpflanzen grob nach zwei Prinzipen unterteilen lässt:

1.) Die Wirkstoffe systemisch wirkender Pflanzenschutzmittel werden von den Pflanzenwurzeln mit dem Wasser aufgenommen und über die gesamte Pflanze verteilt. Somit können Rückstände der Wirkstoffe oder die von den Pflanzen daraus gebildeten Abbauprodukte (Metabolite) in allen Pflanzenteilen auftreten.

Hieraus folgt, dass sich systemisch vorliegende Rückstände haushaltstechnisch kaum beeeinflussen lassen.

2.) Durch "Spritzen" oder auch Tauchbadbehandlung von Obst dringen äußerlich aufgebrachte Pflanzenschutzmittel mehr oder weniger in das Pflanzengewebe ein. Die höchsten Konzentrationen von Rückständen sind auf Oberflächen (z.B. Fruchtschalen, Kartoffelschalen, etc.) und äußeren Pflanzenteilen (z.B. Gemüsehüllblätter) zu erwarten.

Die auf den Oberflächen vorhandenen Rückstände lassen sich somit durch Waschen, Abreiben und Schälen von Obst und Gemüse reduzieren. Hierbei haben jüngste Untersuchungen (Obstspülstudie) aus den USA gezeigt, dass zum Beispiel das Abwaschen von Äpfeln mit Natron (Backpulver) recht effektiv ist.

Andererseits wird das Eindringen von äußerlich aufgebrachten Pestiziden in das Fruchtfleisch von Zitrusfrüchten durch die dicken Zitrusfruchtschalen verringert, wie bundesweite Untersuchungen im Monitoring 2011 zeigten.

Weitgehend sicher ist der Verzehr von biologisch erzeugten Produkten, wie auch die hiesigen Untersuchungen (siehe Fachkapitel) zeigen. Dieses Resultat sollte insbesondere dann beachtet werden, wenn z.B. die Schalen von Zitrusfrüchten zum Verzehr oder zur Verwendung in Getränken (z.B. Cocktails) vorgesehen sind.

Häufig wird geraten, möglichst einheimische oder regionale Produkte zur Saison zu kaufen, da diese weniger "gespritzt" würden als Importware. Wie die Untersuchungen (siehe Fachkapitel) zeigen, muss diese Empfehlung hinsichtlich der Pestizidrückstände jedoch differenziert betrachtet werden. Die Pestizidanwendung hängt mit den jeweiligen geografischen und klimatischen Bedingungen und dem daraus resultierenden Schädlingsbefall vor Ort zusammmen. Beispielsweise enthalten Tafeltrauben aus den nahen Mittelmeerländern häufig mehr Rückstände als jene aus dem fernen Südamerika oder Südafrika.

Nicht zuletzt kann auch eine abwechslungsreiche Ernährung zweckdienlich sein.

Enthalten verarbeitete und zusammengesetzte Lebensmittel mehr oder weniger Rückstände?

Während der Verarbeitung können sich Pflanzenschutzmittelrückstände prozessbedingt und abhängig von ihren chemisch-physikalischen Eigenschaften anreichern oder verringern. In der Regel erhöht Wasserentzug durch Aufkonzentrierung die Pestizidgehalte gegenüber den Rohprodukten, so z.B. während der Herstellung von Trockenobst, Gewürzen oder getrockneten Kräutern.

Für die Beurteilung von Pestizidrückständen und Einhaltung von Höchstgehalten in verarbeiteten und zusammengesetzten Lebensmittel sind Verarbeitungsfaktoren, (z.B. Trockungsfaktoren) oder Vermischungsfaktoren zu berücksichtigen.

Welche Methoden werden zur Untersuchung von Lebensmitteln eingesetzt?

Die hohe Anzahl zu untersuchender Proben und die umfangreichen Stoffspektren erfordern für die Erfassung von Pestizidrückständen in Lebensmitteln zeit- und arbeitseffiziente Verfahren zur Probenaufarbeitung. Um einen hohen Probendurchsatz zu erzielen, werden neben verschiedenen Einzelmethoden sogenannte Multimethoden, wie z.B. Quechers und QuPPe eingesetzt. Damit lässt sich in einem Aufarbeitungsschritt eine sehr große Anzahl von Verbindungen erfassen.

Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES werden hierfür gas- und flüssigkeitschromatographische Methoden eingesetzt, mit denen routinemäßig etwa 420 verschiedene Wirkstoffe inklusive deren Metabolite geprüft werden. Dem Personal stehen hierfür hochmoderne Analysengeräte wie GC-TOF, GC-MSD, LC-MS/MS, LC-MS/MS-QTrap und LC-TOF zur Verfügung. Das Untersuchungsspektrum wird kontinuierlich um neu zugelassene Wirkstoffe und Metabolite erweitert.


Ergebnisse des LAVES zu Untersuchungen von Lebensmitteln auf Pflanzenschutzmittelrückstände

Die umfangreichen Untersuchungsergebnisse eines Jahres finden Sie in den Tätigkeitsberichten und Verbraucherschutzberichten des LAVES.

Ausgewählte aktuelle Ergebnisse werden fortlaufend als Fachkapitel hier veröfffentlicht.


GC-MS/MS-Messplatz  
GC-MS/MS-Messplatz
LC-MS/MS-Messplatz  
LC-MS/MS-Messplatz
Obst und Gemüse  

Ergebnisse des LAVES aus dem Jahr 2018 finden Sie hier:

Ergebnisse des LAVES aus dem Jahr 2015 finden Sie hier:

Ältere Ergebnisse des LAVES finden Sie hier:

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