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EU-Schnellwarnsysteme für Lebensmittel, Futtermittel und Bedarfsgegenstände

Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz sind längst nicht mehr allein nationale Themen. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) sind zu einem gemeinsamen Markt zusammengewachsen, in dem Waren frei gehandelt werden.

Aufgrund der sehr starken Agrar- und Ernährungswirtschaft - mit vielen Herstellerbetrieben - ist dies insbesondere auch für das Land Niedersachsen von großer Bedeutung. Beanstandungen von Produkten in den Bereichen Lebensmittel, Futtermittel und Bedarfsgegenstände werden von den zuständigen kommunalen Lebensmittelüberwachungsbehörden beziehungsweise der Futtermittelüberwachung bearbeitet.

Bei einem Vertrieb von gesundheitsschädlichen Produkten über die Grenzen einzelner EU-Mitgliedstaaten hinaus werden für die Kommunikation dieser Vorgänge zwischen den Behörden zwei Schnellwarnsysteme genutzt: das RASFF (Rapid Alert System Food and Feed) für Lebensmittel, Futtermittel und Lebensmittelbedarfsgegenstände und das RAPEX (Rapid Exchange of Information System) für gefährliche Konsumgüter.

Einen guten Überblick über den Aufbau und die Meldeverfahren des europäischen Schnellwarnsystems RASFF gibt es auf der Internetseite des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Neben dem Schnellwarnsystem für Lebensmittel, Lebensmittelbedarfsgegenstände und Futtermittel RASFF besteht ein weiteres System: das Europäische Schnellwarnsystem für gefährliche Konsumgüter - RAPEX. Zum Aufbau und Funktion des RAPEX finden sich ebenfalls detailliertere Informationen beim BVL.

Die Lebensmittelüberwachungsbehörden sind nicht nur für die Überwachung von Lebensmitteln zuständig, sondern auch für die Lebensmittelbedarfsgegenstände und alle übrigen Bedarfsgegenstände, sowie kosmetische Mittel und deren Verpackungen. So wird die Lebensmittelüberwachung zum Beispiel bei gesundheitsschädlichen Farbstoffen in Textilien, bei Bakterien in Cremes oder Seifen oder allergieauslösenden Substanzen aus Schmuck und bei Bleigehalten oder Weichmachern in Spielzeug tätig. Aber auch Tätowiermittel unterliegen regelmäßig amtlichen Maßnahmen.

Bedarfsgegenstände:

Bedarfsgegenstände werden unterschieden in Lebensmittelbedarfsgegenstände („Lebensmittelkontaktmaterialien“) und „sonstige Bedarfsgegenstände“.

Lebensmittelbedarfsgegenstände („Lebensmittelkontaktmaterialien“):

Diese Kategorie beinhaltet Produkte, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Dazu gehören Besteck und Geschirr, aber auch Verpackungen oder Küchenutensilien wie Pfannenwender oder Backpapier.

„Sonstige Bedarfsgegenstände“:

Darunter fallen Waren, die dafür vorgesehen sind, mit dem Menschen in Berührung zu kommen. Dazu zählen Bekleidung und Schmuck, aber auch Spielwaren, Reinigungsmittel sowie deren Verpackungen.

Niedersächsische Kontaktstelle für das EU-Schnellwarnsystem

Für die Koordination der Tätigkeiten im Rahmen der EU-Schnellwarnsysteme RASFF und RAPEX für das Land Niedersachsen wurde das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) als Kontaktstelle benannt. Diese ist für den Bereich Lebensmittel, Lebensmittelbedarfsgegenstände und Bedarfsgegenstände im Dezernat 22 (Task Force Verbraucherschutz) eingerichtet worden. Das LAVES und die kommunalen Behörden stellen durch eine Rufbereitschaft sicher, dass Warnmeldungen auch nach Dienstschluss und am Wochenende weitergegeben und bearbeitet werden, so dass möglicherweise gesundheitsschädliche Produkte nicht in den Verkehr gebracht werden oder gezielt vom Markt genommen werden. Im Krisenfall muss alles schnell gehen. Lebensmittelunternehmen müssen nicht nur intern reagieren, sondern auch alle angeforderten Daten zur Rückverfolgbarkeit der betroffenen, als nicht sicher beurteilten Lebensmittel der zuständigen Behörde zur Verfügung stellen.

Weitere Informationen dazu gibt es im Artikel Rückverfolgbarkeit in Krisensituationen.

Risikoeingruppierung der RASFF- und RAPEX-Notifizierungen

Europaweit wurden im Jahr 2020 nach Angaben der RASFF-Kontaktstelle der Europäischen Kommission mehr als 14.998 Meldungen über das RASFF kommuniziert - darunter 3936 Erstmeldungen (Originalmeldungen) und 11.062 Folgemeldungen. Im Jahr 2019 waren es europaweit 14.506 Meldungen (4.118 Original- und 10.388 Folgemeldungen).

In der Zuständigkeit der Lebensmittelüberwachungsbehörden waren niedersächsische Betriebe im Jahr 2020 von 417 Notifizierungen betroffen. Eine Notifizierung ist eine von der Europäischen Kontaktstelle bestätigte Originalmeldung inklusive der Folgemeldungen, die einen Bezug zu Niedersachsen haben. Zu den 417 Notifizierungen zählten 366 RASFF-Notifizierungen und 51 RAPEX-Notifizierungen.

Abbildung 1 zeigt die Aufteilung der 417 Notifizierungen in Risikogruppen.

Kreisdiagramm mit der Aufteilung der Risikogruppen der 417 RASFF- und RAPEX-Notifizierungen, die Niedersächsische Betriebe betroffen haben (Pflanzenschutzmittel und Tierarzneimittel = 89, Mikrobiologische Kontamination in Lebensmitteln = 81)   Bildrechte: LAVES
Abbildung 1: Aufteilung der Risikogruppen der 417 RASFF- und RAPEX-Notifizierungen, die Niedersächsische Betriebe betroffen haben (PSM = Pflanzenschutzmittel, TAM = Tierarzneimittel, LM = Lebensmittel)

Tabelle 1 zeigt die Aufschlüsselung der Risikogruppen:


Risikogruppe Anzahl Notifizierungen
biologische Kontaminanten, Biotoxine und Mykotoxine in Lebensmitteln 36
Giftige Pflanzeninhaltsstoffe in nicht-tierischen Lebensmitteln 19
Mykotoxine in nicht-tierischen Lebensmitteln 17
Chrom VI und Nickellässigkeit in Lederwaren und Schmuck 21
Chrom VI in Lederwaren 13
Nickellässigkeit in Schmuck aus Metall 8
Mikrobiologische Kontamination in Lebensmitteln 81
Mikrobiologische Kontamination in tierischen Lebensmitteln 64
Mikrobiologische Kontamination in nicht-tierischen Lebensmitteln 17
Pflanzenschutzmittel und Tierarzneimittel in Lebensmitteln 89
Pflanzenschutzmittel in Lebensmitteln 19
Ethylenoxid in Sesamsaaten und Verarbeitungsprodukten 67
Tierarzneimittel in Schalentieren und Eiern 3

Tabelle 1: Aufschlüsselung der Risikogruppen

Mikrobiologische Kontaminationen, wie der Nachweis von Salmonellen oder Listerien in überwiegend tierischen Lebensmitteln, werden regelmäßig als RASFF-Meldung kommuniziert. Dagegen führen bei Lebensmitteln pflanzlicher Herkunft neben Pflanzenschutzmitteln vor allem Verunreinigungen mit gesundheitsschädlichen giftigen „Beikräutern“ wie zum Beispiel Pyrrolizidinalkaloiden zu verschiedenen Warnmeldungen. Diese Pflanzen werden versehentlich mit geerntet und dann unbeabsichtigt - beispielsweise in Kräutertees - beigemischt und anschließend mit verzehrt. Auch die Kontamination mit Schimmelpilzgiften ist häufiger Bestandteil bei Meldungen zu pflanzlichen Lebensmitteln.

Besonderheiten:

Seit Herbst 2020 führen bestimmte Chargen von kontaminierten Sesamsaaten insbesondere aus Indien zu einer Vielzahl von RASFF-Meldungen. Die untersuchten Sesamsaaten waren mit Rückständen des Begasungsmittels Ethylenoxid belastet. Aufgrund der vielfältigen Verwendung von Sesamsaaten in weiterverarbeiteten Produkten ergab sich eine große Anzahl von Meldungen.

Weiterhin wurde im Bereich Bedarfsgegenstände Chrom VI in Lederwaren nachgewiesen und über das RAPEX-System kommuniziert. Daneben stand auch die Verträglichkeit von Modeschmuck im Fokus der Überwachung, diesbezügliche Auffälligkeiten finden sich in den Meldungen zu Nickellässigkeit in Schmuckaccessoires aus Metall wieder.

Weitere Informationen zu den europäischen Schnellwarnsystemen

Nähere Details zu Meldungen aus dem Schnellwarnsystem finden sich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Eine weitere gute Informationsquelle ist die Webseite der Europäischen Kommission zum RASFF - unter anderem mit dem „RASFF-Verbraucherportal“, einem Informationsvideo und weiteren Informationen

Weiterführende Informationen zu Meldungen aus dem europäischen Schnellwarnsystem für gefährliche Verbraucherprodukte (RAPEX: System for the RAPid EXchange of Information) sind auf der Webseite der Europäischen Kommission zu finden.

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