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Pflanzenschutzmittelrückstände in Reis?

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Verschiedene Reissorten

Insgesamt wurden 48 Proben Reis - darunter Langkornreis, Rundkornreis, Mittelkornreis, Basmatireis - im Jahr 2020 auf Pflanzenschutzmittel untersucht. Zehn Proben stammten aus Bioanbau. In 28 Proben waren Rückstände von Pestiziden nachweisbar. Höchstgehaltsüberschreitungen wurden in vier Proben Langkornreis aus Pakistan festgestellt.

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Lang, rund, klebrig - Welcher Reis eignet sich wofür?

Reis ist nicht gleich Reis. Weltweit existieren mehr als 100.000 verschiedene Sorten. Nicht nur die Länge und Form der Körner unterscheidet sich, auch hinsichtlich der Aromen und Konsistenz gibt es viele Variationen. Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) hat viele Informationen über Reis als Nahrungsmittel zusammengestellt. Das sind demnach die zentralen Unterschiede:

Langkornreis ist gekocht trocken, locker und körnig. Das Reiskorn ist hart und glasig. Besonders gut eignet er sich für Suppen, Aufläufe sowie als Beilage für Fleisch-, Fisch-, Eier- und Gemüsegerichte.

Rundkornreis
wird auch Milrchreis genannt und ist gekocht klebrig und weich. Laut BZfE gibt er bis zu 15 Prozent Reisstärke an das Kochwasser ab. Er eignet sich daher für Süßspeisen, Brei und Risottogerichte.

Klebreis
ist ein Mittelkorn- oder Langkornreis, der sehr viel Stärke enthält und beim Kochen sehr klebrig wird. Deshalb lässt er sich gut mit Stäbchen und mit der Hand essen. Er eignet sich auch für Bratreis-Gerichte. Vor der Zubereitung sollte er gut abkühlen, ehe er mit anderen Zutaten angebraten wird.

Risottoreis
ist cremig und bissfest. Ein Teil seiner Stärke, die Amylose, löst sich beim Kochen auf. Dadurch entsteht eine sämige Konsistenz. Dabei bleibt der Reis im Kern jedoch bissfest. Durch regelmäßiges Umrühren bindet die Reisstärke die Flüssigkeit zwischen den Körnern und den weiteren Zutaten. In Brühe, Fond oder Wein gekocht, eignet sich der Reis besonders für Risotto- und Paellagerichte.

Duftreis-Sorten
wie Basmati-Reis oder Jasminsreis zeichnen sich durch ihren aromatischen Geschmack aus. Basmati-Reis hat ein besonders feines, gleichmäßig langes Korn und entfaltet beim Kochen ein nussig-milchiges, typisches Aroma. Er eignet sich insbesondere als Beilage zu Fisch, Meeresfrüchten und Geflügel. Jasmin-Reis entwickelt beim Kochen einen blumigen Duft und passt als Beilage besonders gut zu Fischgerichten.


Untersuchungsergebnisse des LAVES

Im Jahr 2020 wurden vom Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg (LVI) des LAVES insgesamt 48 Proben Reis - darunter Langkornreis, Rundkornreis, Mittelkornreis und Basmatireis - auf Pestizidrückstände untersucht. Davon stammten zehn Proben aus Bioanbau.

Als Anbauländer der Reisproben waren neunmal Pakistan, siebenmal Italien, viermal Indien, dreimal Thailand, zweimal Spanien und je einmal Frankreich und die Türkei angegeben. Bei 20 Proben blieb der Ursprung aufgrund einer fehlenden Angabe unbekannt. Bei einer Reisprobe wurde auf Asien als Anbauregion verwiesen. Die Nennung des Herkunftslandes ist bei diesem Produkt rechtlich nicht erforderlich.

Drei Bioproben stammten aus Italien, drei aus Pakistan, zwei aus Spanien und jeweils eine aus Frankreich und Indien.

In insgesamt 28 Reisproben (entspricht 58 Prozent) wurden Pestizidrückstände festgestellt - darunter 17 Reisproben ohne angegebene Anbauländer, fünf Proben aus Pakistan und jeweils drei Proben aus Indien sowie Italien.

Eine Probe Bio-Langkornnaturreis aus Italien enthielt den Synergisten Piperonylbutoxid und das Insektizid Pirimiphos-methyl an der Bestimmungsgrenze. In einer weiteren Probe des entsprechenden Produkts aus Indien war das Insektizid Chlorpyrifos in Spuren nachweisbar.

Unter den Proben aus Pakistan waren drei Verfolgsproben pakistanischer Langkornreis, welche im Nachgang zu einer Verbraucherbeschwerde untersucht wurden. In diesen Proben waren zweimal acht, einmal neun und einmal zehn verschiedene Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachweisbar. In der Beschwerdeprobe und in zwei Verfolgsproben überschritt der Gehalt des Fungizids Carbendazim, in einer Verfolgsprobe der Gehalt des Insektizids Acetamiprid gesichert den jeweiligen Höchstgehalt, das heißt unter Berücksichtigung der analytischen Messunsicherheit.

In Abbildung 1 ist die Rückstandsverteilung, bezogen auf die Anbauländer der Proben, zusammengefasst.

Ergebniszusammenfassung der Reisproben; berücksichtigt sind Proben mit Gehalten über 0,005 mg/kg für den jeweiligen Rückstand.   Bildrechte: LVI OL FB 41 (Dr. Ralph Kombal) 2021
Abbildung 1: Ergebniszusammenfassung der Reisproben; berücksichtigt sind Proben mit Gehalten über 0,005 mg/kg für den jeweiligen Rückstand.

Von den 48 untersuchten Reisproben enthielten 18 Proben Mehrfachrückstände, das entspricht 37,5 Prozent der untersuchten Proben.

Besonders auffällig sind die Beschwerdeprobe aus Pakistan mit acht verschiedenen Rückständen sowie die zugehörigen drei Verfolgsproben mit acht, neun und zehn verschiedenen Pestizidwirkstoffen. Damit heben sich diese vier Proben deutlich von den übrigen Proben mit maximal vier verschiedenen Pestizidrückständen ab.

In den Reisproben wurden 18 verschiedene Pflanzenschutzmittelrückstände nachgewiesen -davon am häufigsten Piperonylbutoxid, das 17-mal festgestellt wurde.

Piperonylbutoxid wird in Pestizidformulierungen eingesetzt, um als Synergist die Wirkung verschiedener Insektizide zu unterstützen und stabilisierend zu wirken. Es hat jedoch selbst keine insektizide Wirkung.


Abbildung mit der Häufigkeit nachgewiesener Pflanzenschutzmittelrückstände in den Reisproben; berücksichtigt sind Proben mit Gehalten über 0,005 mg/kg für den jeweiligen Rückstand. In 17 Proben wurde Piperonylbutoxid festgestellt   Bildrechte: LVI OL FB 41 (Dr. Ralph Kombal) 2021
Abbildung 2: Häufigkeit nachgewiesener Pflanzenschutzmittelrückstände in den Reisproben; berücksichtigt sind Proben mit Gehalten über 0,005 mg/kg für den jeweiligen Rückstand.

Fazit:

Das Untersuchungsergebnis von 2020 zeigt, dass Reis in den meisten Fällen nur wenige Pestizidrückstände enthält, aber auch Höchstgehaltsüberschreitungen in in Einzelfällen vorkommen. Ein sehr ähnliches Ergebnis wurde bei der Untersuchung 2017 festgestellt, wie Tabelle 1 zeigt.

Tabelle 1: Tabellarischer Vergleich der Untersuchungsergebnisse für Reis der Jahre 2020 und 2017

Jahr

Proben ohne Rückstände

Proben mit Rückständen

Proben mit Mehrfachrückständen

Anzahl Mehrfachrückstände

Proben mit Überschreitungen von Höchstgehalten

2020

20 (= 42%)

28 (= 58%)

18 (= 37,5%)

2 bis 10

4 (= 8%)

2017

13 (= 42%)

18 (= 58%)

10 (= 32%)

2 bis 11

3 (= 10%)

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