LAVES Niedersachen klar Logo

Pflanzenschutzmittelrückstände in Kirschen

Bildrechte: ©Tatiana - stock.adobe.com

Insgesamt 33 Proben Süßkirschen aus konventionellem Anbau wurden im Jahr 2020 auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln untersucht. Alle Proben enthielten Pestizidrückstände. Eine Probe deutscher Kirschen wies eine Höchstgehaltsüberschreitung und eine unzulässige Anwendung auf.

Direkt zu den Untersuchungsergebnissen

Kirschen – erfrischend, saftig und lecker!

Die roten Früchte gibt es in den unterschiedlichsten Geschmacks- und Farbvariationen. Bei den 400 bekannten Kirschsorten wird zwischen Süß- und Sauerkirschen unterschieden.Sie sind reich an Vitaminen (zum Beispiel ß-Carotin, B1, B2, B6, C) und wertvollen Mineralstoffen (zum Beispiel Magnesium, Kalium, Eisen). Zudem enthalten die Früchtchen viele bioaktive Pflanzeninhaltsstoffe.

Kirschen sind sehr druckempfindlich an der Oberfläche, daher vorsichtig transportieren und nach dem Kauf oder Pflücken möglichst schnell verzehren. Im Kühlschrank halten sich die Früchte zwei bis drei Tage. Tiefgekühlt – mit oder ohne Stein – sogar bis zu mehreren Monaten.

Vor dem Verzehr die Kirschen gut waschen und tupfen Sie sie trocken, um Rückstände möglichst weitgehend zu entfernen. Bei Verdacht auf Maden (Früchte wirken stumpf), Kirschen circa 15 Minuten in lauwarmes Wasser legen, dann kommen die Maden heraus.

Vorsicht: Kirschkerne nicht essen oder zerbeißen – sie enthalten giftige Blausäure!

Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES wurden im Jahr 2020 insgesamt 33 Proben Süßkirschen auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht. 17 Proben stammten aus der Türkei elf Proben aus Deutschland, zwei Proben aus Spanien und jeweils eine Probe kam aus Italien und aus Griechenland. Eine Probe Süßkirschen war ohne Angabe der Herkunft. In Abbildung eins sind die Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen zusammengefasst dargestellt.

In allen 33 Proben konnten Pflanzenschutzmittelrückstände nachgewiesen werden. In einer Probe Süßkirschen aus Deutschland wurde Tebufenpyrad gesichert oberhalb des zulässigen Höchstgehalts nachgewiesen, das heißt auch unter Berücksichtigung der analytischen Messunsicherheit. Tebufenpyrad wird unter anderem als Insektizid gegen saugende und fressende Schädlinge eingesetzt, besitzt jedoch in Deutschland generell keine Zulassung. Eine mögliche gesundheitliche Beeinträchtigung von Verbrauchern nach Verzehr dieser Kirschen war nicht zu erwarten. Zusätzlich wurde in der Probe das Insektizid Cypermethrin nachgewiesen, für das in Deutschland im Jahr 2020 keine Zulassung für Kirschen bestand. Das zuständige Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurde gebeten zu prüfen, ob hier eine unzulässige Anwendung erfolgte.

Abbildung 1: Ergebniszusammenfassung der Kirschen; berücksichtigt sind Proben mit Rückstandsgehalten über 0,005 mg/kg für den jeweiligen Wirkstoff.   Bildrechte: LVI OL FB 41 (Dr. Ralph Kombal) 2021
Abbildung 1: Ergebniszusammenfassung der Kirschen; berücksichtigt sind Proben mit Rückstandsgehalten über 0,005 mg/kg für den jeweiligen Wirkstoff.

Wie Abbildung zwei zeigt, lagen in allen 33 Proben (= 100 Prozent) die Pestizidrückstände als Mehrfachrückstände vor. Die meisten Proben enthielten Rückstände mit vier bis sechs verschiedener Wirkstoffe. Das Maximum stellte eine Probe aus der Türkei mit zehn verschiedenen Rückständen dar. Die Untersuchungsergebnisse zeigen jedoch keinen signifikanten Unterschied zwischen ausländischer und deutscher Ware in der Verteilung der Mehrfachrückstände.

Abbildung 2: Mehrfachrückstände in Kirschen; berücksichtigt sind Proben mit Rückstandsgehalten über 0,005 mg/kg für den jeweiligen Wirkstoff.   Bildrechte: LVI OL FB 41 (Dr. Ralph Kombal) 2021
Abbildung 2: Mehrfachrückstände in Kirschen; berücksichtigt sind Proben mit Rückstandsgehalten über 0,005 mg/kg für den jeweiligen Wirkstoff.

Insgesamt wurden in den Proben aus dem In- und Ausland 27 verschiedene Wirkstoffe nachgewiesen (Abbildung drei). Am häufigsten waren das Insektizid Acetamiprid (24-mal) sowie die Fungizide Fluopyram (24-mal) und Tebuconazol (23-mal) in den Kirschen enthalten.

Abbildung 3: Nachgewiesene Pflanzenschutzmittelrückstände in Kirschen; berücksichtigt sind Proben mit Rückstandsgehalten über 0,005 mg/kg für den jeweiligen Wirkstoff.   Bildrechte: LVI OL FB 41 (Dr. Ralph Kombal) 2021
Abbildung 3: Nachgewiesene Pflanzenschutzmittelrückstände in Kirschen; berücksichtigt sind Proben mit Rückstandsgehalten über 0,005 mg/kg für den jeweiligen Wirkstoff.

Ein Vergleich der Untersuchungsergebnisse von 2020 bis 2017 in Tabelle eins zeigt, dass überwiegend Proben konventionell erzeugter Kirschen zur Untersuchung gelangten. Die Rückstandsituation hat sich in dem Zeitraum insgesamt kaum verändert. Proben konventionell erzeugter Kirschen enthielten meistens Mehrfachrückstände. Auch kam es in den letzten vier Jahren immer wieder zu vereinzelten Höchstgehaltsüberschreitungen.


Jahr 2020

Jahr 2019

Jahr 2018

Jahr 2017

Anzahl Proben

33

52

44

51

-davon Bioproben

0 (= 0 %)

2 (= 4 %)

0 (= 0 %)

0 (= 0 %)

Proben mit Rückständen

33 (= 100 %)

46 (= 88 %)

40 (= 91 %)

48 (= 94 %)

Proben mit

Mehrfachrückständen

33 (= 100 %)

46 (= 88 %)

35 (= 80 %)

47 (= 92 %)

Mehrfachrückstände

2-10

2-10

2-10

2-13

Häufigste Anzahl Rückstände pro Probe

5

3

4

4

Anzahl verschiedener

Rückstände

27

36

35

38

Proben mit Höchstgehaltsüberschreitungen

1 (= 3 %)

2 (= 4 %)

3 (= 7 %)

1 (= 2 %)

Tabelle 1: Vergleich der Untersuchungsergebnisse in den Jahren 2020 bis 2017

Fazit:

Konventionell erzeugte Kirschen zählen zu den Früchten, die sehr häufig Rückstände von Pflanzenschutzmitteln enthalten.

Weitere Untersuchungsergebnisse und Informationen zu Pflanzenschutzmitteln finden Sie in folgendem Artikel:

Feldspritze Bildrechte: © Kara - Fotolia.com

Pflanzenschutzmittel

Pflanzenschutzmittel werden als Schutz vor Pilzen, Insekten, Milben, Unkräutern, Schnecken, Wildfraß etc verwendet. In Deutschland sind rund 250 Wirkstoffe in zugelassenen Pflanzenschutzmitteln registriert, die wiederum in etwa 1050 verschiedenen Handelsprodukten enthalten sind. mehr

Weitere Untersuchungsergebnisse und Informationen zu Pflanzenschutzmitteln finden Sie in folgendem Artikel:

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln