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Speiseeis aus Niedersachsen - Kalt, süß und intensiv kontrolliert

Niedersachsens Verbraucher können beruhigt ihren Eisbecher genießen. Das Speiseeis in den Eisdielen des Landes wird intensiv kontrolliert. Bei den mikrobiologischen Untersuchungen wird besonderes Augenmerk auf Krankheitserreger wie Salmonellen, Listeria monocytogenes und Bacillus cereus gelegt.

Belastung mit Keimen ist grundsätzlich unbedenklich
Inhaltsstoffe oft unzureichend gekennzeichnet
Kleine Warenkunde


Belastung mit Keimen ist grundsätzlich unbedenklich

Wie in jedem Jahr wird Speiseeis in Niedersachsen in den Sommermonaten intensiv mikrobiologisch kontrolliert. Das Speiseeis wird dabei auf Krankheitserreger und Schmutzkeime untersucht. Neu im Jahr 2014 ist die zusätzliche Untersuchung auf Bacillus cereus. Dieser Keim wurde von der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) in das Untersuchungsspektrum aufgenommen. Es handelt sich um einen potentiellen Krankheitserreger, der unter bestimmten Umständen zu Durchfall und Erbrechen beim Menschen führen kann.

Bisher wurden im Jahr 2014 in den beiden Lebensmittel- und Veterinärinstituten des LAVES insgesamt 803 Speiseeisproben mikrobiologisch untersucht. Erfreulicherweise wurden in keiner der Proben, die überwiegend aus kleineren handwerklichen Betrieben stammten, krankmachende Keime wie Salmonellen oder Listeria monocytogenes nachgewiesen.

Die Speiseeisproben wurden insbesondere aus dem Thekenbereich, aber auch direkt nach der Herstellung entnommen. Von den bisher insgesamt 803 Proben waren 198 Proben (25%) mikrobiologisch auffällig, da Grenzwerte für Hygieneparameter überschritten waren. Dabei lagen bei 101 Proben (13%) die Gehalte an Hygienekeimen über den festgelegten Warnwerten bzw. Grenzwerten. In solchen Fällen besteht der Verdacht, dass der Speiseeishersteller die im Verkehr mit Lebensmitteln erforderliche Sorgfalt nicht eingehalten hat.

In den weiteren 97 Proben (12%) wurden lediglich Richtwerte überschritten. Eine Überschreitung des Richtwertes zeigt bei betrieblichen Kontrollen Schwachstellen im Herstellungsprozess an. Im Betrieb müssen die Wirksamkeit der vorbeugenden Maßnahmen überprüft und Maßnahmen zur Verbesserung der Hygienesituation eingeleitet werden. Auch der neu in das Untersuchungsspektrum aufgenommene Bacillus cereus wurde im Rahmen der Untersuchungen nachgewiesen. In 16 Proben wurde der Richtwert, in sieben Proben der Warnwert der DGHM überschritten. Die Keimgehalte waren insgesamt jedoch so gering, dass keine gesundheitliche Gefahr für den Verbraucher besteht.

Die festgestellte Belastung mit Keimen ist ein Indikator für mangelnde Hygiene in dem jeweiligen handwerklichen Betrieb. Die Keime können etwa von schlecht gereinigten Geräten stammen, wie von einem Eisportionierer, der in verschmutztes Wasser getaucht oder an einem kontaminierten Lappen bzw. Schwamm abgetrocknet wird. Auch Zutaten wie Schokoladenstücke, die nicht erhitzt werden, bevor sie in das Eis gelangen, können zu einem Eintrag von Mikroorganismen führen. Eine Rolle spielt ebenfalls die Personalhygiene. Wäscht sich beispielsweise das Personal nicht gründlich die Hände, kann das Eis mit Keimen belastet werden.

Die niedersächsischen Verbraucher müssen sich aber beim Genuss ihres Eisbechers keine Sorgen machen. Zwar ist der Anteil mikrobiologisch auffälliger Speiseeisproben wie auch in den vorangegangenen Jahren relativ hoch, doch eine gesundheitliche Gefährdung der Verbraucher ist nahezu ausgeschlossen. Speiseeis unterliegt in Niedersachsen intensiven Kontrollen. Die mikrobiologischen Anforderungen sind sehr streng. Sind im Rahmen der mikrobiologischen Untersuchungen Auffälligkeiten vorhanden, so werden durch die Lebensmittelüberwachungsbehörden vor Ort entsprechende Maßnahmen ergriffen, um die Hygiene in dem Betrieb zu verbessern. Grundsätzlich können die Verbraucher in Niedersachen also aus hygienischer Sicht getrost ihr Eis genießen.

Während der nächsten Wochen werden im LAVES weitere Proben Speiseeis mikrobiologisch untersucht. In den Sommermonaten senden die Lebensmittelüberwachungsbehörden jährlich weit mehr als 1.000 Eisproben zur Untersuchung in die Lebensmittel- und Veterinärinstitute des LAVES in Braunschweig und Oldenburg.

Inhaltsstoffe oft unzureichend gekennzeichnet

Der Verbraucher hat aber nicht nur ein Recht auf hygienisch einwandfrei hergestelltes Eis, sondern er muss vom Anbieter auch über verschiedene Inhaltsstoffe, die in seiner Eiskugel stecken, informiert werden. Es lohnt sich für ihn, Hinweisschilder in Eisdielen genau zu studieren, denn der Anbieter ist verpflichtet, den Kunden auf einige Inhaltsstoffe des Speiseeises hinzuweisen. Wenn der Anbieter Werbeversprechungen macht, aber minderwertiges Eis verkauft, ist das Irreführung und wird von den kontrollierenden Behörden beanstandet.

  • Nusseis

Im Jahr 2014 hat das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES bei 22 Proben lose angebotenem Nusseis aus Eisdielen die Art der Nusskomponente überprüft.

Walnusseis wurde auf den Gehalt an Haselnussprotein untersucht. Bei als Milchspeiseeis bezeichneten Proben wurde zusätzlich der Gehalt an Buttersäure und die Fettsäureverteilung ermittelt.

11 Proben wurden als irreführend bezeichnet beurteilt. Davon 8 x Walnusseis, das zu hohe Anteile an Haselnuss aufwies. Bei diesen Proben waren hohe Gehalte an Haselnuss nachweisbar (bei 6 Proben Gehalte > 4000 mg/kg, bei 2 Proben 2200 bzw. 2500 mg/kg). Außerdem deuteten auch hohe Gehalte an Ölsäure auf einen hohen Haselnussanteil hin. Haselnussöl enthält viel Ölsäure, während bei Walnussöl Linolsäure dominiert. Die Bezeichnung „Walnusseis" für ein Eis mit hohen Haselnussanteilen ist nach hiesiger Ansicht nicht sachgerecht und damit als irreführend anzusehen. Das Eis könnte als „Nusseis" oder „Eis mit Walnussgeschmack" bezeichnet werden. Drei Walnusseisproben aus industrieller Produktion enthielten nur Spuren an Haselnuss im Bereich um 10 mg/kg.

In 6 als „Milchspeiseeis" bezeichneten Proben waren neben Nussfett andere pflanzliche Fette enthalten, erkennbar vor allem an einem zu hohen Gehalt an Laurinsäure, eine Fettsäure, die für Kokosfett typisch ist.

Bei vier Proben war der Milchanteil, ermittelt über die Buttersäure, zu gering. Milcheis muss nach den Leitsätzen für Speiseeis mindestens 70 % Milch (Vollmilch mit 3,5% Fett) enthalten.

Bei einer weiteren Probe Haselnusseis wurde unter Hinweis auf einen etwas zu niedrigen Milchanteil eine Nachprobe angeregt. Ebenso bei einer Probe Walnusseis mit einem erhöhten Haselnussanteil.


  • Eis mit Schokoladestückchen (Straciatella/Minz)

Im Jahr 2014 hat das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES 18 Eisproben mit schokolade(ähnlichen) Stückchen aus loser Abgabe untersucht. Davon waren 16 Proben Stracciatella-Eis und zwei Proben Minzeis.

Die schokoladeähnlichen Stückchen wurden untersucht, um zu klären, ob es sich dabei um Schokolade oder kakaohaltige Fettglasur handelt. Die Verwendung von kakaohaltiger Fettglasur anstatt Schokolade stellt eine nicht unerhebliche Wertminderung dar und muss ausreichend kenntlich gemacht werden.

Bei 10 Proben war die Verwendung von kakaohaltiger Fettglasur bereits deklariert. Von den restlichen 8 Proben wurde bei vier Proben die Verwendung von kakaohaltiger Fettglasur anstelle von Schokolade nachgewiesen. Die Kenntlichmachung der kakaohaltigen Fettglasur fehlte bei diesen Proben. Bei vier Proben wurde echte Schokolade verwendet.

Die beiden Minzeise (grün gefärbt) wurden zusätzlich auf die Verwendung von Farbstoffen untersucht. In beiden wurden Farbstoffe nachgewiesen. Bei einem Eis fehlte die nach § 9 Abs. 1 Nr. 1 ZZulV erforderliche Kenntlichmachung „mit Farbstoff". Bei dem anderen war diese Kenntlichmachung zwar erfolgt, jedoch wurde zusätzlich ein Azofarbstoff des Anhangs V der VO (EG) 1333/2008 verwendet, hier fehlte der zusätzliche Warnhinweis „Bezeichnung oder E-Nummer des Farbstoffs/der Farbstoffe: Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen".

Bei einem als „Milcheis" deklarierten Minzeis wurde die Verwendung anderer als der Milch entstammender Fette nachgewiesen. Der Zusatz der Fremdfette zu einem Milcheis ist nach der allgemeinen Verkehrsauffassung nicht üblich. Die Verkehrsbezeichnung „Milcheis" wurde in diesem Fall als irreführend beurteilt.

Link:

  • Die Ergebnisse der chemischen Speiseeisuntersuchung des LAVES aus dem Jahr 2013 finden Sie hier.


Kleine Warenkunde

Der Gesetzgeber hat im Deutschen Lebensmittelbuch verbindliche Leitsätze für Speiseeis formuliert. Aus den Anforderungen an die Inhaltstoffe ergeben sich Eissorten auf Basis von Fruchtbestandteilen oder Milcherzeugnissen, die zum Teil verschiedene Qualitätsstufen haben. Anhand der folgenden Tabelle kann der Verbraucher sich ein gutes Bild von dem Produkt machen, das er in Händen hält.

Sorte

Anteil von Milch oder Milchfett

Anteil von Ei

Anteil von Frucht

Cremeeis/ Eiercremeeis

Mindestens 50% Milch; Kein zusätzliches Wasser

Auf einen Liter Milch mindestens 270 Gramm Vollei oder 90 Gramm Eigelb

Rahmeis / Sahneeis / Fürst Pückler Eis

Mindestens 18% Milchfett aus der bei der Herstellung verwendeten Sahne (Rahm)

Milcheis /

Joghurteis u.a.

Mindestens 70% Milch; Bei überwiegender Verwendung von fermentierten Milchsorten (z.B. Joghurt, Sauermilch, Kefir) kann im Namen der Eissorte darauf hingewiesen werden

Eiscreme

Mindestens 10% der Milch entstammendes Fett

Fruchteiscreme

Mindestens 8% der Milch entstammendes Fett

Deutlich wahrnehmbarer Fruchtgeschmack

(Frucht-) Sorbet

Keine Milch oder Milchbestandteile

Mindestens 25% Frucht;

Mindestens 15% Frucht bei Eis aus Zitrusfrüchten oder anderen sauren Früchten (Säuregehalt im Saft mindestens 2,5%)

Fruchteis

Mindestens 20% Frucht;

Mindestens 10% Frucht bei Eis aus Zitrusfrüchten oder anderen sauren Früchten, z.B. Maracujas (Säuregehalt im Saft mindestens 2,5%)

Wassereis

Speiseeis, das nicht die Anforderungen für Milcheis, Fruchteis oder (Frucht-)Sorbet erfüllt;

Fettgehalt weniger als 3%; Trockenmassegehalt von mindestens 12%, der von süßenden und/oder weiteren geschmackgebenden Zutaten stammt

[1] European Commission - DG SANCO - REV of 5 October 2012

[2] http://www.bfr.bund.de/cm/343/gesundheitliche-bewertung-der-rueckstaende-von-didecyldimethylammoniumchlorid-ddac-in-lebensmitteln.pdf

Eis

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