Echte Vanille im Vanilleeis?
LAVES untersucht Proben aus loser Abgabe und in Fertigpackungen
Die Vanillepflanze, ein in den Tropen beheimatetes Orchideengewächs, liefert eines der beliebtesten, wichtigsten und auch teuersten Gewürze der Welt: Echte Vanille! Sie wird aus den noch unreif geernteten, fermentierten und getrockneten Vanilleschoten gewonnen. Während des Fermentationsprozesses bildet sich sowohl das charakteristische Vanillearoma als auch die bekannte dunkle Farbe der Schoten.
Die für das Vanillearoma wichtigste Komponente ist das Vanillin. Es kommt in Mengen von etwa ein bis zwei Prozent in den Vanilleschoten vor.
Neben Vanillin tragen noch eine Vielzahl von Substanzen zum Vanillearoma bei, die oftmals nur in sehr geringen Mengen vorhanden sind.
Wie muss Speiseeis beschaffen sein?
Die Anforderungen an die Beschaffenheit von Speiseeis sind in den Leitsätzen für Speiseeis festgelegt. Diese Leitsätze sind keine Rechtsvorschriften, ergänzen diese jedoch, in dem sie die allgemeine Verkehrsauffassung wiedergeben. Sie werden von der deutschen Lebensmittelbuchkommission beschlossen und vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat veröffentlicht.
Nach den Leitsätzen für Speiseeis, enthält Vanilleeis den Vanillegeschmack ausschließlich durch gemahlene Vanilleschoten, Vanilleextrakt und/oder natürliches Vanillearoma. Ist dies nicht der Fall, muss das Eis als „Eis mit Vanillegeschmack“ bezeichnet werden.
Der hohe Preis der Vanille und die steigende Nachfrage machen es zu einem lukrativen Ziel, nicht ausschließlich natürliches Vanillearoma zu verwenden.
In den Lebensmittel- und Veterinärinstituten Braunschweig/Hannover und Oldenburg des LAVES wird regelmäßig geprüft, ob echte Vanille für Vanilleeis verwendet wurde.
Untersuchungsergebnisse des LAVES
Im Jahr 2025 wurden vom LAVES insgesamt 34 Proben Vanilleeis untersucht. Bei 14 Proben wurde neben dem Eis auch die verwendete Vanillepaste beziehungsweise in zwei Fällen die Vanilleschote mit eingereicht. Von den 34 Proben waren 18 Eis als Milcheis bezeichnet. Alle Proben wurden in Eisdielen oder Eiscafés entnommen, in den meisten Fällen handelte es sich um Eisdielen mit eigener Herstellung.
Die als „Vanilleeis“ bezeichneten Eis wurden unter anderem auf die Authentizität des Vanillearomas untersucht. Zusätzlich wurde bei den als Milcheis bezeichneten Eis der Milchfettgehalt bestimmt.
24 der 34 Proben (71 Prozent) wurden beanstandet, davon wurde in 20 Fällen die Bezeichnung „Vanille“ als irreführend beurteilt, weil das Eis nicht oder nicht ausschließlich mit echter Vanille hergestellt wurde.
Bei einer weiteren Probe war das Ergebnis nicht eindeutig. Es muss durch die Untersuchung der Ausgangsstoffe noch abgeklärt werden.
Die untersuchten Vanillepasten bestätigten größtenteils die Ergebnisse der Eisproben. Vier Pasten enthielten ausschließlich natürliches Vanillearoma, die übrigen wurden überwiegend richtig als „Aromapaste zur Herstellung von Eis mit Vanillegeschmack“ bezeichnet und enthielten kein oder nicht ausschließlich natürliches Vanillearoma. Wird das Eis bei Verwendung einer solchen Pasten als „Vanilleeis“ bezeichnet, wird die Bezeichnung als zur Irreführung geeignet beurteilt. Die richtige Bezeichnung wäre „Eis mit Vanillegeschmack.
Bei einer der untersuchten Vanilleschoten war auffällig, dass diese einen weißlichen, kristallinen Belag aufwies.
Weiterhin wurde bei den 18 als „Milcheis“ bezeichneten Eisen geprüft, ob die Anforderung der Leitsätze für ein Milcheis erfüllt waren (nach den Leitsätzen für Speiseeis enthält ein Milcheis mindesten 70 Prozent Milch, sowie ausschließlich aus der Milch entstammendes Fett).
Die Bezeichnung „Milcheis“ wurde bei sieben Proben als irreführend beanstandet, davon dreimal, weil für ein Milcheis nicht genug Milch verwendet wurde und zusätzlich Pflanzenfett (zum Beispiel Kokosfett) zugesetzt wurde. Viermal war zwar genug Milchfett vorhanden, es wurde jedoch zusätzlich Fett nachgewiesen, das nicht der Milch entstammte.
Weiterhin wiesen einige Proben Kennzeichnungsmängel auf: In drei Fällen fehlte die Angabe, dass bei der Herstellung ein Farbstoff verwendet wurde und in einem Fall die Angabe der Allergene.
Fazit:
Frühere Untersuchungen des LAVES ergaben eine ähnlich hohe Beanstandungsquote beim Vanilleeis aus Eisdielen. Loses Vanilleeis wird daher weiterhin kontinuierlich untersucht.
