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Ratten, Mäuse und Marder im Wohnumfeld des Menschen


Im Wohnumfeld des Menschen tummeln sich verschiedene Ratten- und Mäusearten sowie auch Marder, die zum Teil auch in die Gebäude eindringen. Hier möchten wir die wichtigsten vorstellen:

  • Kommensale Nager (Langschwanzmäuse (Echte Mäuse), Muridae) wie z.B. Ratten oder Hausmäuse
  • Sonstige Mäuse Echte Mäuse, Muridae (Apodemus spec.); Wühlmäuse, Arvicolidae (Clethrionomys glareolus) wie z.B die Rötelmaus
  • Insektivoren (Insektenfresser) wie z.B. Spitzmäuse
  • Carnivoren (Fleischfresser) wie z.B. der Marder

Die im Wohnumfeld des Menschen lebenden kommensalen Nager wie Wanderratte, Hausratte und Hausmaus finden im Herbst und Winter in Gebäuden nicht nur Schutz vor Kälte und Frost, sondern profitieren auch vom reichlich vorhandenen Nahrungsangebot, welches sie in Getreidelägern, Vorratskammern und Küchenbereichen vorfinden. Geeignete Hohlräume in Zwischendecken und -wänden sowie schwer zugängliche Keller- und Dachbodenareale bieten ihnen zahlreiche Unterschlupf- und Versteckmöglichkeiten. Hausmäuse legen ihre Nester gerne unmittelbar an oder in Nahrungs- und Futtermitteln an.


Wanderratte
Wanderratte, Rattus norvegicus

Während die Wanderratte (Rattus norvegicus) in der Regel im Herbst aus ihrem natürlichen Biotop im Freiland in die Gebäude eindringt, ist die seltenere Hausratte (Dachratte, Rattus rattus) in Mitteleuropa ganzjährig an Gebäude gebunden. Ist der Lebensraum für die Wanderratte optimal, können sich in Gebäuden auch freilandunabhängige Populationen aufbauen. Bei der Hausmaus (Mus musculus) gibt es zwei unterschiedliche Rassen. Eine lebt dauerhaft kommensal innerhalb von Gebäuden (Mus musculus domesticus) die zweite wandert im Winter aus an Gebäuden angrenzenden Arealen ein (Mus musculus musculus).

Hausratte
Hausratte, Rattus rattus
Biologie der kommensalen Nager  
Überblick über die Biologie der kommensalen Nager (klicken für Zoom)

Die Anwesenheit der genannten Nager in Gebäuden ist durch verschiedenartige Spuren ersichtlich:

  • Fraß- und Nagespuren
  • Kotpartikel bzw. -plätze
  • Trittsiegel
  • Aktivitätsgeräusche
Trittsiegel der Wanderratte  
Trittsiegel der Wanderratte
Eintrittsprorte (Rattenloch) Schuppen  
Eintrittsprorte (Rattenloch) Schuppen
Rattenfraß an Gummiabschluss  
Rattenfraß an Gummiabschluss (Tür)
Trittsiegel der Hausratte  
Trittsiegel der Hausratte
Rattenwechsel am Gebäuderand  
Rattenwechsel am Gebäuderand
Kotplatz einer Wanderratte  
Kotplatz einer Wanderratte
Fraßschäden an Backwaren  
Fraßschäden an Backwaren (Hausmaus)
Küchenabfälle von Ratten angefressen  
Küchenabfälle von Ratten angefressen (Kot)
Rattenfraß an Plastikeimer  
Rattenfraß an Plastikeimer
Rattenbaue an Grundstücksgrenze  
Rattenbaue an Grundstücksgrenze
Rattenfraß an Schokolade  
Rattenfraß an Schokolade
Rattenloch im Schnee  
Rattenloch im Schnee
Kabelbiss Wanderratte  
Kabelbiss (Wanderratte)
Rattennagespuren an Holzbalken  
Rattennagespuren an Holzbalken
Kotplatz und Kabelbiss (Hausratte)  
Kotplatz und Kabelbiss (Hausratte)

Wanderratte und Hausmaus sind Allesfresser (omnivor) und daher sowohl an Vorräten pflanzlicher und tierischer Herkunft als auch an verarbeitenden Lebensmitteln schädlich. Durch das unvermeidbare Nagen (Nachschärfen der Nagezähne) an Baumaterial und Bedarfsgegenständen entsteht innerhalb von Gebäuden teilweise erheblicher Schaden. Die in Kunststoffummantelungen von Elektrokabeln verwendeten Weichmacher veranlassen die Nager auch hier tätig zu werden - mit der Gefahr von Kurzschlüssen im gesamten Gebäudeareal. Die Hausratte ernährt sich fast ausschließlich von Früchten, Sämereien und pflanzlichen Vorräten und stellt daher u.a. eher in der Lagerhaltung ein Problem dar.


Hausmaus
Hausmaus, Mus musculus domesticus

Grundsätzlich können alle in der Nähe des Menschen lebenden (synanthropen) Nager passiv und aktiv Krankheitskeime übertragen, entweder durch direkten Kontakt (taktil) oder durch Ausscheidungen, wie Speichel, Blut, Urin und Kot (exkretorisch). Auch eine direkte Übertragung durch Biß ist möglich. Kommensale Nager können Reservoirtiere für viele übertragbare Krankheiten sein, z.B. Tularämie, Salmonellose, Leptospirose, Hantavirose, Murines Fleckfieber, Pest, Leishmaniose, Tollwut, Rattenbißfieber usw. (Näheres im Artikel "Ratten als Krankheitsüberträger").


Bekämpfungsmöglichkeiten (kommensale Nager)

In Niedersachsen existiert eine einschlägige Rattenbekämpfungsverordnung, die sogenannte Verordnung zur Rattenbekämpfung. Zusätzlich hat das LAVES einen "Leitfaden zur großräumigen Rattenbekämpfung in Niedersachsen" veröffentlicht.

Die Bekämpfung der in Gebäude eingedrungenen kommensalen Nager ist in der Regel mit antikoagulanten Ködern durchzuführen, die in festen Köderstationen (keine offene Auslegung) im gesamten Befallsareal ausgelegt werden. Die Anzahl der Köderstellen ist von der Befallsstärke abhängig, sodass zuerst einmal eine Befallsermittlung stattfinden sollte. Diese wird in der Regel mit unbegifteten Kontrollködern (Haferflocken, Weizen oder Apfelstückchen) durchgeführt: In der Regel ist eine Ködermenge von 200 g pro Köderstation bei Wanderratte und Hausratte ausreichend. Bei Hausmausbefall reicht eine Ködermenge von 5-20 g pro Station aus, wobei aber deutlich mehr Köderstellen (alle 2m) notwendig sind, als bei Rattenbefall. Wichtig ist die regelmäßige Köderkontrolle. Grundsätzlich empfiehlt sich der Einsatz eines ständigen Monitoringsystems sowie ggf. eine strategische Beköderung in potentiell gefährdeten Bereichen. Es sind wie bei allen Bekämpfungsmaßnahmen mit chemischen Bekämpfungsmitteln (Bioziden) die produktspezifischen Gebrauchsanweisungen zu befolgen.


Sonstige Mäuse: Echte Mäuse, Muridae (Apodemus spec.); Wühlmäuse, Arvicolidae (Clethrionomys glareolus)

Junge Rötelmaus
Junge Rötelmaus, Clethrionomys glareolus
Bildrechte: © LAVES
Unter den Echten Mäusen, Muridae, sind weiterhin eine Reihe von Arten der Gattung Apodemus im Umfeld des Menschen anzutreffen, welche im Herbst und Winter auch dauerhaft in Gebäuden auftreten können. Hierzu zählen die Waldmaus (Apodemus sylvaticus), die Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) und die Brandmaus (Apodemus agrarius).

Auch sie suchen Schutz vor Kälte und Nässe, finden innerhalb von Gebäuden aber auch Nahrung in Form von Obst, Sämereien, Nüssen, Insekten etc. Die Waldmaus und die Gelbhalsmaus legen Vorratslager auf Dachböden, in Zwischenwänden und unter Dielenböden an.

Die Rötelmaus (Clethrionomys glareolus), welche zu den Wühlmäusen zählt, ist auch gelegentlich innerhalb von Gebäuden anzutreffen. Hier sucht sie im Winter Schutz vor kalter Witterung und insbesondere vor Nässe. Schädigungen an im Keller eingelagertem Obst, Blumenzwiebeln und Pflanzwurzeln können vorkommen.

Verschiedene Losungen von Nagern  
Verschiedene Losungen von Nagern (klicken für Zoom)
Im Gegensatz zu den kommensalen Nagern ernähren sich die Arten der Gattung Apodemus sowie die Rötelmaus pflanzlich und gelegentlich von Insekten. Insbesondere in Gewächshäusern, Gemüsekellern oder Obstlägern kann es daher auch durch diese Nagerarten zu erheblichen Schäden kommen. Schädigungen an der Bausubstanz sind eher unwahrscheinlich, allerdings können durch das Anlegen von Vorratskammern in Hohlräumen diese als Brutherd für Schadinsekten (Kornkäfer, Reiskäfer, Brotkäfer, Lebensmittelmotten etc.) dienen.

Die genannten Mäusearten sind ebenfalls dazu in der Lage, taktil und exkretorisch Krankheitskeime zu übertragen, wobei insbesondere das Hanta-Virus eine größere Rolle spielt und bei allen vier genannten Arten nachgewiesen worden ist. Ferner wurden bei allen Arten Salmonellen und Leptospiren nachgewiesen.


Biologie der Mäuse  
Überblick über die Biologie der Mäuse (Apodemus-Arten und Clethrionomys glareolus) (klicken für Zoom)


Bekämpfungsmöglichkeiten (Apodemus und Clethrionomys)

Die Bekämpfungsmöglichkeiten der Wald-, Gelbhals- und Brandmaus ist in der Regel stark eingeschränkt, da die genannten Arten unter besonderem Schutz (Weiße Liste) stehen. Eine Fangaktion mit geeigneten Lebendfallen ist aber in gewissen sensiblen Bereichen zu empfehlen. Die Bekämpfung der Rötelmaus sollte sich auf den Freilandeinsatz von Giftweizen auf Antikoagulantienbasis beschränken, welcher in geeigneten Köderstationen oder direkt in die Baueingänge der Rötelmaus ausgebracht wird. In das Gebäude eingedrungene Mäuse können natürlich auch durch Fallenfang reduziert werden, wobei geeignete Schlupflöcher, welche als Ein- und Ausgangspforte dienen, geschlossen werden sollten. Natürliche Feinde wie Marder, Hauskatze und Schleiereule tragen dazu bei, dass sich der Befall in Grenzen hält.


Insektivoren (Insektenfresser)

Neben den kommensalen Nagern oder anderen Mäusen kommen auch noch weitere Wirbeltiere in Betracht, welche sich in Gebäudebereichen einnisten und für Belästigungen, Schäden und gesundheitliche Gefahren sorgen. Insbesondere Kleinsäuger, welche sich von Insekten und anderen Arthropoden ernähren, spielen hier eine Rolle.


Spitzmäuse, Soricidae

Spitzmaus  
Spitzmaus, Crocidura spec.
Bildrechte: © LAVES

Verschiedene Spitzmausarten können regelmäßig innerhalb von Gebäuden vorkommen. Spitzmäuse sind, neben einigen Fledermausarten, die kleinsten Wirbeltiere, welche bei uns vorkommen. Die Hausspitzmaus (Crocidura russula), die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) sowie die Gartenspitzmaus (Crocidura suaveolens) dringen oft auf der Suche nach geeigneter Nahrung (Insekten, Spinnentiere, Asseln, Tausendfüßer) in Gebäude ein und verbleiben hier auch längere Zeit, wenn sie hier ein ausreichendes Nahrungsangebot vorfinden.

Die Beeinträchtigungen, die von in Gebäude eingedrungenen Spitzmäusen ausgehen, reduzieren sich auf Geruchsbelästigungen, welche von der übermäßigen Stoffwechseltätigkeit dieser Tiere ausgehen. Spitzmäuse koten und urinieren sehr stark, sodass in kurzer Zeit große Mengen an Losung anfallen. Verrichten sie ihre Hinterlassenschaften in Gebäudehohlräumen, welche schwer zu erreichen und zu säubern sind, entsteht oft eine erhebliche Geruchsbelästigung. Es sind zwar immer nur Einzeltiere oder Pärchen, welche in Gebäude eindringen, durch die hohe Stoffwechseltätigkeit wird aber oft ein stärkerer Befall vorgetäuscht.


Biologie der Spitzmäuse  
Überblick über die Biologie der Spitzmäuse (klicken für Zoom)

Da Spitzmäuse Insektenfresser (Insektivoren) sind, entstehen keine Schäden an Vorräten oder Lebensmitteln. Auch Beeinträchtigungen der Bausubstanz sind nicht zu erwarten.

Spitzmäuse spielen als Überträger von Krankheiten, bedingt durch ihre entomophage Lebensweise, nur eine untergeordnete Rolle. Eine gewisse Gefährdung besteht als Reservoirtier von Ekto- und Endoparasiten (Milben, Zecken, Nematoden).


Bekämpfungsmöglichkeiten (Spitzmäuse)

Alle heimischen Spitzmäuse stehen unter besonderem Schutz und dürfen nicht bekämpft werden. Bei starker Belästigung (Geräuschaktivitäten, Geruchsbelästgung) ist es aber oft erforderlich, die Tiere mit Lebendfallen einzufangen. Da Spitzmäuse als Insectivoren und Karnivoren sich durch normalen Mäuseköder auf Cerealienbasis nicht anlocken lassen, erfordert eine Fangaktion (Köderung z.B. mit Hack) viel Zeit und Geduld. Die gefangenen Spitzmäuse können in einem geeigneten Biotop wieder frei gelassen werden. Ferner gilt es, Eintrittspforten in Gebäude für die Spitzmäuse unpassierbar zu machen, indem man z.B. Mauerfugen sowie Tür- und Fensterspalten abdichtet.


Carnivoren (Fleischfresser)

Unter den Raubtieren, bzw. vorwiegend fleischfressenden (carnivoren) Säugetieren, gibt es die Gruppe der Marderartigen (Mustelidae), welche im Umfeld des Menschen gelegentlich (Iltis, Mauswiesel) oder mehr oder weniger häufig (Steinmarder) anzutreffen sind.


Steinmarder (Hausmarder), Martes foina

Steinmarder, Martes foina
Steinmarder, Martes foina © svehlik - Fotolia.com
Bildrechte: © svehlik - Fotolia.com

Durch die in Gebäude eingedrungenen dämmerungs- und nachtaktiven Steinmarder (dieser Rhythmus ist während der Jungenaufzucht gestört), können Schäden durch die Zerstörung von Isolierungen, durch das Zerbeißen von Elektrokabeln an Fahrzeugen und durch das Töten von Hausgeflügel und das Fressen von Obst entstehen. Der Steinmarder vertilgt aber auch Mäuse, Ratten, Sperlinge und Tauben. Außerdem spielt als störender Faktor die Lärmbelästigung in der Nacht eine sehr große Rolle.

Durch seine omnivore (Omnivor=Allesfresser) Lebensweise kann auch der Steinmarder passiv und aktiv Krankheitskeime übertragen, wenn auch nicht in dem Maße wie die kommensalen Nager. Auch eine direkte Übertragung durch Biss (Tollwut) ist möglich. Als Reservoirtier für Hunde- und Katzenfloh, welche als Vektor für verschiedene Krankheitserreger gelten, spielt der Steinmarder eine nicht zu unterschätzende Rolle.


Biologie des Steinmarders  
Überblick über die Biologie des Steinmarders

Bekämpfungsmöglichkeiten (Marder)

Der Steinmarder gilt als jagdbares Wild und fällt unter das Bundesjagdgesetz, bzw. unter das zuständige Landesgesetz. In das Gebäude eingedrungene Tiere lassen sich oftmals dadurch vertreiben, dass die Gebäude für den Marder so unattraktiv gestaltet werden, dass er es vorzieht, den Tag in einem anderen Versteck zu verbringen. Dieses gelingt durch Veränderung seines bekannten Reviers, durch kleine Umbauten oder Umgestaltungen und Licht- oder Lärmeffekte. Eine dauerhafte, aber aufwendige Lösung ist erreicht, wenn es gelingt, alle Mardereingänge zu finden und fest zu verschließen. Da die Arbeiten tagsüber ausgeführt werden, ist es möglich, dass der Marder eingeschlossen wird. Daher muss eventuell ein Ausgang offen bleiben, bzw. wieder geöffnet werden, bis der Marder vertrieben oder gefangen ist.


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