LAVES klar

Schmetterlinge im Küchenschrank

Lebensmittelmotten erkennen, bekämpfen und vermeiden


Ein Befall mit Lebensmittelmotten ist unappetitlich und schwer zu bekämpfen. Wer nicht schnell etwas gegen einen Befall unternimmt, läuft Gefahr, Raupen und Gespinste von Lebensmittelmotten nicht nur im Mehl oder Müsli, sondern in seinem gesamten Vorratsschrank zu finden. Auch Verpackungen sind kein Hindernis. Die jüngsten Larvenstadien sind so klein, dass die kleinste Öffnung oder Beschädigung der Verpackung zur Eintrittspforte für den Schädling wird. Wir haben für Sie ein paar Tipps zum richtigen Umgang mit Lebensmittelmotten zusammengestellt.


„Aus meinem Küchenschrank kommen kleine Schmetterlinge“ oder: „Die Haferflockentüte ist voll mit ekligen Würmern.“ Mit solchen oder ähnlichen Hilferufen wenden sich Verbraucher und Lebensmittelunternehmen etwa 800 Mal im Jahr direkt oder über die kommunalen Behörden an den Fachbereich Schädlingsbekämpfung im LAVES. In den meisten dieser Fälle ist für die LAVES Mitarbeiter schnell klar, dass es sich um Vertreter der sogenannten Lebensmittelmotten handelt, die in den Verkaufsräumen, Küchen, Vorratskammern und Schränken ihr Unwesen treiben. Falls notwendig, werden die Anrufer gebeten, Tiere zur Artbestimmung einzusenden.


Was sich hinter dem Begriff „Lebensmittelmotte“ verbirgt

Bei den „Lebensmittelmotten“ handelt es sich hauptsächlich um Kleinschmetterlinge verschiedener Arten aus der Familie der Zünsler, Pyralidae. Hier sind es die Dörrobstmotte, Plodia interpunctella, die Speichermotte, Ephestia elutella, und die Mehlmotte, Ephestia kuehniella, die aufgrund ihrer Lebensweise sowie der Nahrungspräferenzen ihrer Raupen für den Befall unterschiedlicher Lebens- und Futtermittel verantwortlich zu machen sind.

Die Raupen dieser Arten haben ein außergewöhnlich umfangreiches Nahrungsspektrum, das von Trockenobst, Nüssen und Schokolade über Getreideprodukte, Getreidemehle und Bruchgetreide bis hin zu Tee, Tabak und getrockneten Gewürzpflanzen reicht.

Vereinzelt können auch noch weitere Arten aus der Verwandtschaft der Mehl- und Speichermotten (Gattung Ephestia und Pyralis) sowie Vertreter aus der Familie der Faulholzmotten (z.B. Samenmotte), der Echten Motten (z.B. Kornmotte), der Palpenmotten (z.B. Kleistermotte) und der Spanner (z.B. Heuspanner) vorkommen.

Dies sind einige Vertreter der "Lebensmittelmotten":

  1. Dörrobstmotte, Plodia interpunctella
  2. Speichermotte, Ephestia elutella
  3. Tropische Speichermotte (Dattelmotte), Ephestia cautella
  4. Samenmotte, Hofmannophila pseudospretella
  5. Mehlmotte, Ephestia kuehniella

Tabelle: Biologie von Dörrobstmotte, Mehl- und Speichermotte
Dörrobstmotte, Plodia interpunctella (HÜBNER, 1813) Mehlmotte, Ephestia kuehniella (ZELLER. 1879)
Speichermotte, Ephestia elutella (HÜBNER, 1796)
Taxonomie ORDNUNG: Lepidoptera

FAMILIE: Pyralidae (Zünsler)

UNTERFAMILIE: Phyticinae

GATTUNG: Plodia

ORDNUNG: Lepidoptera

FAMILIE: Pyralidae (Zünsler)

UNTERFAMILIE: Phyticinae

GATTUNG: Ephestia

ORDNUNG: Lepidoptera

FAMILIE: Pyralidae (Zünsler)

UNTERFAMILIE: Phyticinae

GATTUNG: Ephestia

Herkunft/Vorkommen warm-gemäßigte oder subtropische Klimagebiete, durch den Handel weltweit verschleppt Mittel- und Südeuropa (Mittelmeerländer), Indien, durch den Handel weltweit verschleppt Mitteleuropa, durch den Handel weltweit verschleppt
Entwicklung holometabol, Eiablage unmittelbar nach der Kopulation (200-400 Eier), Entwicklungsdauer 30-330 Tage mit 5-7 Larvenstadien, Lebensdauer der Falter 2 bis 3 Wochen holometabol, Eiablage unmittelbar nach der Kopulation (200-400 Eier), Entwicklungsdauer 74-375 Tage mit 3-5 Larvenstadien, Lebensdauer der Falter 1 Woche holometabol, Eiablage unmittelbar nach der Kopulation (50-150 Eier), Entwicklungsdauer 42-380 Tage mit 5-6 Larvenstadien, Lebensdauer der Falter 2 bis 4 Wochen
Nahrungspräferenzen Getreide, Getreideprodukte und Sämereien aller Art über Trockenfrüchte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Schokolade, Kakao, Kaffee, Tee, Gewürze usw., in Ausnahmefällen auch frische Äpfel und Pfirsiche Getreidemehle, Bruchgetreide und Getreideprodukte, seltener Sämereien, Nüssen und Trockenobst. Die Nahrung muss für eine optimale Entwicklung einen hohen Cholesterinanteil enthalten. trockene pflanzliche Vorräte wie Heu, Stroh, Getreide, Schokolade, Tabak, Gewürze, Drogen, Sämereien, Kräutertees, Nüsse, seltener Kakaobohnen










Wie sich ein Befall erkennen lässt

Charakteristisch für einen Befall mit Lebensmittelmotten ist das mit einem zähen Gespinst durchwobene Nahrungssubstrat, das von der starken Spinntätigkeit der Raupen herrührt. Das Substrat ist außerdem durch Raupenkot verunreinigt.

Die Raupen selbst, die zwischen 10 und 20 mm lang werden können, sind in den befallenen Lebensmitteln oft nur schwer zu erkennen. Sie befinden sich im Gespinst oder bohren sich in festere Substanzen wie Schokolade oder Nüsse ein.

Sind die Raupen reif zur Verpuppung, verlassen sie das Fraßsubstrat und legen auf der Suche nach einem dunklen und trockenen Verpuppungsplatz extrem weite Wege zurück. Sie spinnen sich dann in Ritzen und Ecken der Lager- und Vorratsschränke oder zwischen Schränken und Zimmerwänden ein. Auch dort, wo Zimmerwände und -decken zusammenstoßen, finden sich die Puppenkokons. Die Falter, die je nach Art zwischen 11 und 25 mm groß werden, sind überwiegend tagaktiv und fliegen bei Dunkelheit zum Licht.

Speichermotte an Backwaren
Dörrobstmottenraupen in Pralinenschachtel

Einem Befall vorbeugen und Schädlinge bekämpfen

Lebensmittelmotten sind Schädlinge, die sich Verbraucher leicht mit eingekauften Waren in die Wohnung holen. Produkte, die den Geschmack der gefräßigen Raupen treffen, wie Nüsse oder Mehl, sollten vor der Einlagerung zu Hause oder im Verkaufs- bzw. Lagerraum stets noch einmal überprüft werden.

Vorhandene Lebens- und Futtermittel sollten in luftdichten Glas-, Keramik- oder Metallbehältern gelagert werden, wie z.B. Einmachgläsern. Die gängigen Plastikdosen sind normalerweise nicht luftdicht und schützen somit nicht vor Befall.

Fallen für Lebensmittelmotten auf Pheromonbasis ziehen die männlichen Tiere an, weil sie einen Sexuallockstoff (Pheromon) enthalten. Einmal angelockt, bleiben die Schädlinge an einem Klebestreifen hängen. Diese Fallen sind jedoch nur für die Ermittlung oder Überwachung eines Befalls einzusetzen. Eine gezielte Bekämpfung ist mit diesem Verfahren nicht möglich. Die Bekämpfung mittels geeigneter Schlupfwespen ist in privaten Haushalten möglich und kann, insbesondere bei versteckten Befallsherden, zu einer Tilgung ohne Einsatz von Insektiziden führen.

Pheromonfalle für Lebensmittelmotten
Schlupfwespe (Erzwespe) zur biologischen Bekämpfung

Im Bereich der lebensmittelverarbeitenden Betriebe ist der Einsatz von Schlupfwespen aufgrund der hieraus resultierende Kontamination von Lebensmitteln in der Regel nicht erwünscht. Hier hilft nur eine chemische Schädlingsbekämpfung, die sich sowohl gegen die ausgewachsenen Falter als auch gegen die Raupen richtet.

Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen erfordern spezielle Sachkunden und dürfen daher ausschließlich von Fachfirmen durchgeführt werden.

Was passiert mit den Vorräten?

Die Entwicklungsstadien in den befallenen Vorräten sollten vor der gründlichen Entsorgung abgetötet werden.

In privaten Haushalten kann dies durch Erwärmung auf 60 - 80°C für 90 bis 120 Minuten im Backofen oder durch Einfrieren bei –12 bis –15 °C für drei beziehungsweise bei –7 bis –9 °C für acht Tage geschehen.

Unter einer gründlichen Entsorgung versteht man, das Befallssubstrat ordnungsgemäß dem Hausmüll zuzuführen. Werden die Lebensmittelmotten und ihre Entwicklungsstadien nicht abgetötet, droht Wiederbefall bzw. eine Verschleppung.

Dörrobstmotte  

Raupe der Dörrobstmotte

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