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Primäre und Sekundäre Vorratsschädlinge in Futtermitteln

Unter besonderer Berücksichtigung des Getreidekapuziners, Rhizopertha dominica (Fabricius)


Bei der Untersuchung von Futtermittelproben (zum Beispiel Triticale/Weizen) auf vorhandene tierische Schädlinge ergibt sich manchmal ein zum Teil massiver Befall mit Organismen verschiedener Insektenordnungen sowie mit Milben unterschiedlicher Familien. Innerhalb der Insektenordnungen machen die Käfer (Coleoptera) oft den Großteil der gefundenen Organismen aus. Unter den vorratsschädlichen Käfern kommt häufig ein hoher Anteil an Getreidekapuzinern (Rhizopertha dominica) vor. Dieser primäre Vorratsschädling befällt, ähnlich wie die Sitophilus-Arten (Kornkäfer, Reis- und Maiskäfer), intakte oder leicht mechanisch beschädigte Getreidekörner, wobei sich die Larve innerhalb des Kornes entwickelt und den stärkehaltigen Keim komplett auffrisst. Auch die Verpuppung erfolgt im Inneren des Getreidekornes. Bemerkt wird der Befall erst dann, wenn die adulten Käfer aus der leergefressenen Kornhülle schlüpfen.

Der Getreidekapuziner (Rhizopertha dominica) nimmt innerhalb der Familie der Bohrkäfer (Bostricidae) eine Ausnahmestellung ein. Während die Larven der meisten Bohrkäferarten Hartholz befallen und als Holzschädlinge insbesondere an importierten hölzernen kunstgewerblichen Gegenständen, Holzpaletten und antiken Möbeln auftreten, sind die Getreidekapuziner als Vorratsschädlinge auch in Mitteleuropa gefürchtet. Die Larven benötigen für ihre optimale Entwicklung allerdings eine höhere Temperatur als andere Vorratsschädlinge und kommen an stärke- und proteinhaltigen, trockenen pflanzlichen Produkten vor, wie zum Beispiel an allen Getreidearten, Reis, Hirse, Getreideprodukten, Hülsenfrüchten, Trockenkartoffeln, Trockenbananen, Maniok, Hartgebäck und samenhaltigen Vogelfutter. Die Weibchen legen täglich durchschnittlich zehn Eier, pro Weibchen insgesamt bis 500 Stück, in das Brutsubstrat, in dem die holometabole Entwicklung durchlaufen wird. Die Gesamtentwicklung ist bei 18 bis 39 Grad Celsius und mindestens neun Prozent Substratfeuchte möglich und dauert vom Ei bis zum Käfer bei 28 Grad Celsius etwa 40 Tage; bei 18 bis 20 Grad Celsius wird eine Generation pro Jahr durchlaufen. Die flugfähigen, lichtscheuen Käfer haben eine Lebensdauer von bis zu einem Jahr. Eine Überwinterung in Getreide ist nur oberhalb von zehn Grad Celsius möglich. Außerhalb des Lagers ist eine Überwinterung nicht möglich.

Bildrechte: © LAVES/Stelling
Fraßschaden von Rhizopertha dominica
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Getreidekapuziner, Rhizopertha dominica

Sekundäre Vorratsschädlinge, welche erst nach Vorschädigung durch primäre Vorratsschädlinge oder starke mechanische Beschädigung das Getreide/Futtermittel befallen, wurden ebenfalls, teils in erhöhter Anzahl, in den Proben gefunden. Hierzu zählten Getreide- und Leistenkopfplattkäfer sowie verschiedene Reismehlkäferarten. Zur dritten Käfergruppe, welche in den Proben gefunden wurden, zählen Schimmelfresser und Feuchtigkeitsanzeiger. Hier sind neben dem Glänzendschwarzen Getreideschimmelkäfer die beiden Arten Ahasverus advena (Schimmelplattkäfer) und Typhaea stercorea (Behaarter Baumschwammkäfer) sowie der Vierfleckige Pilzschwarzkäfer gefunden worden, allerdings in nicht so großer Anzahl wie die übrigen Käferarten. Einzelfunde vom Schwarzen Getreidenager (einzelne Käfer und Larven!) und Käferreste vom Rotbeinigen Schinkenkäfer, sowie einzelne Schwammkugelkäfer, Stutzkäfer, Kurzdeckenkäfer sowie ein Binden-Baumschwammkäfer vervollständigten die Käferfundliste.

Von den anderen Insektenordnungen konnten Staubläuse, Psocoptera und räuberisch lebende Wanzen, Reduviidae sowie parasitische Erzwespen aus den Proben isoliert werden. Ferner wurden einzelne sich in Faulstoffen entwickelnde Mückenlarven gefunden.

Aus der Klasse der Spinnentiere waren es vorherrschend Getreideraubmilben (Cheyletidae) sowie Modermilben, Tyrophagus spec. und räuberisch lebende Milben (Parasitiformes, Gamasina). In einer Probe fiel uns ein Massenbefall von Schildkrötenmilben, Uropodina auf, welches vermutlich auf die starke Verunreinigung der Probe mit Nagetierkot zurückzuführen gewesen ist.

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Getreideraubmilbe, Cheyletidae

Gefundene Organismen in mehreren Futtermittelproben (Triticale/Weizen):

Name

Name (Latein)

Stadien

Maiskäfer

Sitophilus zeamais

Käfer

Reiskäfer

Sitophilus oryzae

Käfer

Kornkäfer

Sitophilus granarius

Käfer

Rotbrauner Reismehlkäfer

Tribolium castaneum

Käfer+Larven

Rundköpfiger Reismehlkäfer

Palorus depressus

Käfer+Larven

Kleinäugiger Reismehlkäfer

Latheticus oryzae

Käfer

Getreidekapuziner

Rhizopertha dominica

Käfer

Schwarzer Getreidenager

Tenebroides mauritanicus

Larven+Käfer

Glänzender Getreideschimmelkäfer

Alphitobius diaperinus

Käfer+Larven

Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer

Cryptolestes ferrugineus

Käfer+Larven

Kleiner Leistenkopfplattkäfer

Cryptolestes pusillus

Käfer+Larven

Türkischer Leistenkopfplattkäfer

Cryptolestes turcicus

Käfer+Larven

Behaarter Baumschwammkäfer

Typhaea stercorea

Käfer

Binden-Baumschwammkäfer

Litargus connexus

Käfer

Schimmelplattkäfer

Ahasverus advena

Käfer

Kurzdeckenkäfer

Staphylinidae

Käfer (versch. Arten)

Schwammkugelkäfer

Liodidae

Käfer

Staublaus (Bücherlaus)

Liposcelis divinatorius

versch. Stadien

Staublaus

Lepinotus reticulatus

versch. Stadien

Raubwanzen

Reduviidae

Adulte+Larven

Raubmilben

Gamasina

versch. Arten und Stadien

Modermilben

Tyrophagus spec.

versch. Stadien

Getreideraubmilben

Cheyletus spec.

Versch. Stadien

Erzwespen

Chalcidoidea

adulte Wespen

Dungmücken

Scatopsidae

Larven

Trauermücken

Sciaridae

adulte Mücken

Stutzkäfer

Histeridae

Käfer

Rotbeiniger Schinkenkäfer

Necrobia rufipes

Käferreste

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Kornfraß vom Getreidekapuziner

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