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Knuspriger Knabberspaß: Chips & Co. unter die Lupe genommen

Ob bei einer ausgelassenen Party oder beim gemütlichen Fernsehabend, bei knusprigen Kartoffelchips greifen fast alle gerne zu. Und das Angebot im Supermarkt ist groß: Es gibt immer ausgefallenere Geschmacksrichtungen wie den Geschmack von mariniertem Fleisch, Chili-Limetten-Geschmack, Meersalz- und Essiggeschmack, Oliven- oder Salz- und Butterwürzung sowie fettreduzierte Chips oder Chips mit dem Hinweis „glutenfrei“. Immer häufiger finden sich in den Supermarkt­regalen neben den klassischen Kartoffelchips auch .


Untersuchungen des LAVES

Im Jahr 2019 hat das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover 58 Kartoffelknabberartikel, darunter 23-mal Kartoffelchips, 19-mal Kartoffelsticks, 14-mal Kesselchips und 2-mal Stapelchips untersucht. Im Fokus stand einerseits die Überprüfung der Nährwertgehalte, zum Beispiel des Salz-, Eiweiß- und Fettgehalts, andererseits wurden Prozesskontaminanten bestimmt. Das sind Stoffe, die bei der Zubereitung oder Herstellung von Lebensmitteln als unerwünschtes Nebenprodukt entstehen: beispielsweise Acrylamid sowie MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester. Zusätzlich untersuchte das Institut Proben auf nicht deklarierte allergene Zutaten wie Ei, Milcheiweiß, Gluten, Sellerie, Soja und Senf.


Acrylamid

Kartoffelchips Bildrechte: stockphoto-graf - Fotolia.com

Die Richtwerte für Acrylamidgehalte in Lebensmitteln sind 2018 deutlich gesenkt worden. Für Kartoffelchips aus frischen Kartoffeln und aus Kartoffelteig sowie für Cracker auf Kartoffelbasis gilt ein Richtwert von 750 Mikrogramm pro Kilogramm (vorher 1000 Mikrogramm pro Kilogramm).

Insgesamt 57 Proben wurden 2019 auf ihren Gehalt an Acrylamid untersucht. Bei den untersuchten Kartoffelchips, Stapelchips und Kesselchips wurden keine Richtwertüberschreitungen festgestellt. Bei drei der untersuchten 19 Proben Kartoffelsticks wurde der zulässige Richtwert überschritten. Die Gehalte lagen zwischen 883 Mikrogramm pro Kilogramm und 1279 Mikrogramm pro Kilogramm.

Damit lagen 54 der 57 untersuchten Proben erfreulicherweise unter dem geltenden Richtwert.

Die betroffenen Hersteller wurden auf Richtwertüberschreitung des zulässigen Acrylamidgehaltes ihrer Knabbererzeugnisse aufmerksam gemacht.

Weitere Informationen: Acrylamiduntersuchung in Lebensmitteln – ein Überblick

Glycidyl-Fettsäureester und MCPD-Fettsäureester

Für Glycidyl-Fettsäureester in pflanzlichen Ölen und Fetten (die für den Endverbraucher oder zur Verwendung als Zutat in Lebensmitteln in Verkehr gebracht werden) und in Säuglingsnahrung wurden 2018 auf europäischer Ebene Höchstgehalte festgelegt.

Für Glycidyl- und 3-MCPD-Fettsäureester in marinen Ölen sowie für 3-MCPD-Fettsäureester in pflanzlichen Ölen und Fetten sind auf europäischer Ebene noch keine Höchstgehalte festgelegt. Für diese Stoffe gibt es jedoch ein europäisches Monitoring, um die Gehalte zu überwachen.

Auf die Prozesskontaminanten Glycidyl- und MCPD-Fettsäureester wurden 18 Proben Kartoffelchips, zwei Proben Stapelchips und eine Probe Kartoffelsticks untersucht. In 7 der 21 untersuchten Proben wurden Glycidyl-Fettsäureester unterhalb der geltenden Höchstgehalte für das eingesetzte pflanzliche Öl oder Fett bestimmt. Bei 4 Proben waren geringe Gehalte an 2- beziehungsweise 3- MCPD-Fettsäureestern nachweisbar.

Die ermittelten Messdaten dienen dem Monitoring zum Vorkommen von 2- und 3-MCPD-Fettsäureestern und Glycidyl-Fettsäureestern in Lebensmitteln gemäß europäischer Empfehlung. Dabei sollen vor allem die Glycidyl- und MCPD-Fettsäureester in Pflanzenölen und -fetten, daraus gewonnenen (zum Beispiel Margarine) oder damit zubereiteten/hergestellten Lebensmitteln, sowie in Säuglingsanfangs- und Folgenahrung und in frittierten Kartoffelerzeugnissen überwacht werden.

Weitere Informationen: MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester in Lebensmitteln

Allergene Zutaten

16 Proben hat das Institut mittels ELISA-Test auf ihren Glutengehalt überprüft. Der zulässige Höchstgehalt an Gluten für als „glutenfrei“ ausgelobte Produkte von maximal 20 Milligramm pro Kilogramm wurde von keiner Probe überschritten.

Auch die Prüfungen auf nicht deklarierte weitere allergene Bestandteile wie Ei, Milcheiweiß, Soja, Sellerie oder Senf verliefen negativ.


Nährwertüberprüfung  

Zutatenverzeichnis Bildrechte: © fovito - Fotolia.com

Die Nährwertüberprüfung dient dazu, die Nährwertgehalte in den Proben zu messen und mit den auf der Verpackung deklarierten Angaben zu vergleichen. Enthält ein Produkt zum Beispiel mehr oder weniger Fett als angegeben, kann eine Irreführung der Verbraucher/-innen vorliegen. Bei 4 von 57 untersuchten Proben (7 Prozent) wurde eine irreführende Nährwertdeklaration des Fett-, Eiweiß- beziehungsweise Salzgehaltes festgestellt.

Auch wenn man gerne in die Tüte greift – Kartoffelchips sind kein leichter Knabberspaß. Sie enthalten rund 30 Gramm Fett pro 100 Gramm. Fettreduzierte Kartoffelchips enthalten ca. ein Drittel weniger Fett als herkömmliche Produkte.

Kennzeichnung

Europaweit einheitlich regelt die Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) welche Angaben bei allen verpackten Lebensmitteln mindestens gemacht werden müssen:

  • Bezeichnung des Lebensmittels
  • Zutatenverzeichnis
  • Allergene Zutaten
  • Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum
  • Mengenangabe
  • Hersteller

Bei allen 58 Proben wurde die Kennzeichnung beurteilt. Bei insgesamt fünf Proben (8,6 Prozent) wurden Kennzeichnungsmängel nach der LMIV festgestellt: zum Beispiel unvollständige Angaben von Zutaten in Zutatenlisten sowie fehlendes oder nicht lesbares Mindesthaltbarkeitsdatum.

Fazit

Die Beanstandungsrate der untersuchten Kartoffel-Knabbererzeugnisse lag insgesamt bei 19 Prozent. Der Schwerpunkt der Beanstandungen lag im Bereich der Deklaration von Nährwerten (irreführende Angaben), Mindesthaltbarkeitsdatum und Zutatenlisten.

Nur bei drei Proben gab es eine Richtwertüberschreitung des zulässigen Acrylamidgehaltes.


Es bestehen Bestrebungen seitens des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, die Zucker-, Fett- und Salzgehalte in Lebensmitteln auf freiwilliger Basis noch weiter zu reduzieren. Weiterführende Informationen sind unter folgendem Link zu finden: Die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie: Weniger Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten.

Kartoffelchips Bildrechte: ©ExQuisine - stock.adobe.com

Im Jahr 2018 wurden neben Kartoffelchips noch andere Knabberartikel untersucht. Die Ergebnisse finden Sie in folgendem Downloadobjekt.

 Knuspriger Knabberspaß - Untersuchungen 2018
(PDF)

Wie viel Acrylamid nehmen Sie täglich zu sich?

Das Acrylamidrechenprogramm des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ermöglicht es Ihnen, Ihre Acrylamidaufnahme pro Tag und Kilogramm Körpergewicht zu ermitteln.

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