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Mikrobielle und chemische Beschaffenheit von Miesmuscheln im niedersächsischen Wattenmeer

Angesichts der seit Jahrzehnten etablierten und immer den aktuellen Erfordernissen angepassten intensiven Überwachung der Miesmuscheln aus den niedersächsischen Erzeugungsgebieten wird die gute Qualität und Sicherheit dieser hochwertigen Lebensmittel bestätigt. Die Miesmuscheln aus niedersächsischen Erzeugungsgebieten waren im Jahr 2019 mit wenigen Ausnahmen mikrobiologisch unauffällig und sehr gering mit Kontaminanten belastet. Es gingen nur in wenigen Fällen gesundheitliche Gefahren durch pathogene Erreger von ihnen aus. Zur Vermeidung einer Lebensmittelinfektion durch Noroviren sind die Zubereitungshinweise zu beachten und Miesmuscheln nicht roh, sondern nur gut durchgegart zu verzehren.

Im Jahr 2019 umfassten die mikrobiologischen Untersuchungen im Institut für Fische und Fischereierzeugnisse Cuxhaven des LAVES der niedersächsischen Erzeugungsgebiete gemäß Erlass zur Muschelhygieneüberwachung 106 Proben Miesmuscheln.

Die Mittelwerte der aeroben Keimzahl (1,4 x 105 KBE/g) und von E. coli (93 MPN/100g) belegen deren sehr gute Beschaffenheit. Über dem Grenzwert der A-Klassifizierung liegende Werte für E. coli wurden in zwei Proben nachgewiesen. Entgegen der für Wintermonate beschriebenen Häufung höherer E.-coli-Werte wurde diese auch in 2018 im Frühsommer beobachtet. Salmonellen wurden nicht nachgewiesen.

In Ergänzung zum Monitoring wurden 49 Proben auf Viren und Vibrionen untersucht. Bei 47 der 49 Proben wurden Vibrionen nachgewiesen (96 Prozent), wobei in 28 Proben zwei oder mehrere Vibrionenspezies ermittelt wurden. Bezüglich pathogener Spezies wurde in 28 Proben V.parahaemolyticus, allerdings ohne Toxingene nachgewiesen. Aus einer Probe wurde V.cholerae non O1/nonO136 und aus keiner Probe V.vulnificus isoliert.

Insgesamt 96 Proben Miesmuscheln wurden auf marine Biotoxine (DSP, PSP, ASP) untersucht. In keiner der Proben gab es Grenzwertüberschreitungen. Es wurden keine toxinproduzierenden Algen in 43 Meerwasser-Proben nachgewiesen.

Je Erzeugungsgebiet werden einmal jährlich Untersuchungen auf Quecksilber (Hg), Cadmium (Cd) und Blei (Pb) durchgeführt. Im Mittel wurden 0,028 mg/kg Hg, 0,14 mg/kg Cd und 0,21 mg/kg Pb gemessen. Die Belastung von Miesmuscheln mit Pb und Cd ist zwar höher als die von Seefischen, die Höchstwerte wurden jedoch nicht überschritten. Die ermittelten Quecksilbergehalte sind vergleichbar mit denen von Seefischen wie Seelachs oder Hering und liegen weit unter dem zulässigen Höchstwert.

Als organische Kontaminanten wurden DDT und seine Metaboliten sowie nicht-dioxinähnliche PCB 101, PCB 138 und PCB 153 nachgewiesen. Die Konzentrationen dieser Verbindungen lagen deutlich unterhalb der Höchstmengen.

Die Gehalte der Radionuklide Cäsium-137, Cäsium-134, Jod-131 sowie Strontium-90 lagen unterhalb der jeweiligen Bestimmungsgrenze und damit weit unterhalb der Höchstwerte.

Fazit:

Die Miesmuscheln aus niedersächsischen Erzeugungsgebieten waren mit wenigen Ausnahmen mikrobiologisch unauffällig und sehr gering mit Kontaminanten belastet. Es gingen nur in wenigen Fällen gesundheitliche Gefahren durch pathogene Erreger von ihnen aus.

Miesmuschelernte Bildrechte: © LAVES, U. Ballin
Miesmuschelernte

Viren in Miesmuscheln aus den niedersächsischen Erzeugungsgebieten

2019 wurden 49 Proben Miesmuscheln gemäß Erlass zur Muschelhygieneüberwachung auf das Vorkommen von Viren untersucht.

Miesmuscheln ernähren sich durch die Filtration von Meerwasser. Kommen in der direkten Umgebung der Tiere Viren vor, können diese in der Muschel akkumulieren. Die Muscheln können daher – im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln – bereits vor der Ernte ohne eine direkte Übertragung durch den Menschen mit Viren kontaminiert sein. Bei unzureichender Erhitzung von Miesmuscheln, welche mit Noro- und/oder Hepatitis-A-Viren behaftet sind, kann bei Verzehr eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher/-innen nicht ausgeschlossen werden.

In zwei (4 Prozent) der untersuchten Proben konnte Norovirus der Genogruppe I nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um Proben mit einem Entnahmedatum im Januar und im März. In vier Proben (7 Prozent) konnte Norovirus der Genogruppe II ermittelt werden, welche in den Herbst und Wintermonaten aus den Erzeugungsgebieten des niedersächsischen Wattenmeeres entnommen wurden. In keiner Probe konnte ein gleichzeitiges Vorkommen von Norovirus der Genogruppe I und II ermittelt werden. Weiterhin waren alle Proben negativ in Hinblick auf das Hepatitis-A-Virus.

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