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Radioaktivitätsuntersuchungen von niedersächsischen Wildfleischproben

In Niedersachsen stagniert der Gehalt an radioaktivem Cäsium-137 bei Reh-, Rot- und Damwild, Schwankungen gibt es bei Schwarzwild


Jährlich werden circa 50 Rehwild-, 50 Schwarzwild- und einige Rot- und Damwildproben im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover auf Radioaktivität untersucht. Mehr als 30 Jahre nach dem Tschernobyl-Geschehen ist von den künstlichen Radionukliden nur noch das langlebige Cäsium-137 mit einer Halbwertzeit von circa 30 Jahren relevant. Der diesbezügliche EU-Grenzwert beträgt 600 Becquerel pro Kilogramm Fleisch (Bq/kg). In Niedersachsen stagniert der Gehalt von Cäsium-137 seit 15 Jahren bei Reh-, Rot- und Damwild, Schwankungen gibt es immer wieder bei Schwarzwild. Klimatische und geografische Faktoren - beispielsweise das Verhalten von Wildschweinen bei der Nahrungssuche - sind hierfür verantwortlich.



Im Veterinärinstitut Hannover (jetzt: Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover) wurden in geringer Probenzahl bereits etliche Jahre vor dem Unfall im Atomreaktor von Tschernobyl Fleischproben von Wildtieren auf Radioaktivität untersucht. 1988 wurde dann vom Niedersächsischen Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (jetzt: Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) als Reaktion auf die Tschernobylkatastrophe ein so genanntes Wildmonitoring eingerichtet, mit dessen landesweiter Durchführung das LAVES beauftragt wurde. Neben einer Vielzahl anderer Lebensmittel, die im Routinemessprogramm untersucht werden, werden im Rahmen dieses Wildmonitorings jährlich circa 50 Rehwild-, 50 Schwarzwild- sowie einige Rot- und Damwildproben angefordert. Mehr als 30 Jahre nach dem Tschernobyl-Geschehen ist von den künstlichen Radionukliden nur noch das langlebige Cäsium-137 mit einer Halbwertzeit von circa 30 Jahren relevant. Der diesbezügliche EU-Grenzwert beträgt 600 Becquerel pro Kilogramm Fleisch (Bq/kg). Das Fleisch von Tieren, bei denen eine Überschreitung dieses Grenzwertes festgestellt wird, wird vom Verzehr ausgeschlossen.
Diagramm der Gesamtcäsiumbelastung von Schwarz- und Rehwild 1988 bis 2017 in Niedersachsen  
Im Jahr 2017 wurden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES 87 Wildproben hinsichtlich Umweltradioaktivität gemessen, darunter 47 Rehwild- und 31 Schwarzwildproben.
Seit rund 15 Jahren stagniert der Gehalt an radioaktivem Cäsium-137 bei Rehwild und Rot- bzw. Damwild aus Niedersachsen bei einem niedrigen Medianwert von etwa 10 Becquerel (Bq) pro Kilogramm Fleisch. Der Medianwert ist der Messwert einer Reihe von Messwerten ober- beziehungsweise unterhalb dem jeweils 50 % der übrigen Werte liegen.
Demgegenüber werden beim Schwarzwild Schwankungen im Gehalt an Cäsium-137 festgestellt: Beispielsweise lag im Jahr 2003 der Medianwert beim Schwarzwild ebenfalls bei nur 20,2 Bq. Der höchste Wert, der in einer Schwarzwildfleischprobe gemessen wurde, betrug 285 Bq je kg Fleisch. Er lag damit deutlich unter dem EU-Grenzwert von 600 Bq je kg. Ein Jahr später betrug der Medianwert jedoch 61 Bq/kg.

Im Jahr 2017 betrug der Medianwert 86 bq/kg, wobei der maximal ermittelte Wert bei 1.170 Bq/kg lag. Der EU-Grenzwert wurde in 2017 bei acht Wildschweinproben aus vier Harzrevieren überschritten. Für diese scheinbar verwirrenden Unterschiede - man geht ja aufgrund des Zerfalls von einer kontinuierlichen Abnahme der Radioaktivität aus - sind klimatische und geografische Faktoren verantwortlich. Das Phänomen tritt dann auf, wenn die Wildschweine bei Nahrungsmangel und schlechter oder fehlender Baummast durch Eicheln oder Bucheckern im Winter vermehrt Futter aus Bodenschichten aufnehmen, sofern Frost und Schneelagen es zulassen. In bestimmten Gebieten sind diese Bodenschichten durch Auswaschen radioaktiver Partikel aus der Atmosphäre durch Regen - vor allem nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl - in Verbindung mit besonderen geologischen Gegebenheiten mit einem vergleichsweise erhöhten Gehalt an Radionukliden belastet. Das Verhalten der Wildschweine bei der Nahrungssuche kann dann daher vereinzelt zu einem ebenfalls erhöhten Gehalt an Radionukliden im Wildschweinfleisch führen. Für 2015 und 2017 wurden bei Schwarzwild höhere Medianwerte festgestellt - dies beruht unter anderem auf einem geringeren Probenanteil von (jüngerem) Fallwild gegenüber den früheren Jahren.

Formular zum Download:

 

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