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Speiseeis aus Niedersachsen - Kalt, süß und intensiv kontrolliert

Niedersachsens Verbraucher können beruhigt ihren Eisbecher genießen. Das Speiseeis in den Eisdielen des Landes wird intensiv kontrolliert. Bei den mikrobiologischen Untersuchungen wird besonderes Augenmerk auf Krankheitserreger wie Salmonellen, Listeria monocytogenes und Bacillus cereus gelegt.

Belastung mit Keimen ist grundsätzlich unbedenklich
Inhaltsstoffe oft unzureichend gekennzeichnet
Kleine Warenkunde


Belastung mit Keimen ist grundsätzlich unbedenklich

Wie in jedem Jahr wird Speiseeis in Niedersachsen in den Sommermonaten intensiv mikrobiologisch kontrolliert. Das Speiseeis wird dabei auf Krankheitserreger und Schmutzkeime untersucht. Neu seit dem Jahr 2014 ist die zusätzliche Untersuchung auf Bacillus cereus. Dieser Keim wurde von der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) in das Untersuchungsspektrum aufgenommen. Es handelt sich um einen potentiellen Krankheitserreger, der unter bestimmten Umständen zu Durchfall und Erbrechen beim Menschen führen kann.

Bisher wurden im Jahr 2015 in den beiden Lebensmittel- und Veterinärinstituten des LAVES insgesamt 802 Proben mikrobiologisch untersucht. Erfreulicherweise wurden in keiner der Proben, die überwiegend aus kleineren handwerklichen Betrieben stammten, krankmachende Keime wie Salmonellen oder Listeria monocytogenes gefunden.

Die Speiseeisproben wurden insbesondere aus dem Thekenbereich, aber auch direkt nach der Herstellung entnommen. Von den bisher insgesamt 802 Proben waren 201 Proben (25 %) mikrobiologisch auffällig, da Grenzwerte für Hygieneparameter überschritten waren. Dabei lagen bei 63 Proben (8 %) die Gehalte an Hygienekeimen über den festgelegten Warnwerten bzw. Grenzwerten. In solchen Fällen besteht der Verdacht, dass der Speiseeishersteller die im Verkehr mit Lebensmitteln erforderliche Sorgfalt nicht eingehalten hat. Für die Beurteilung der Proben werden die Vorgaben der VO (EG) Nr. 2073/2005 sowie als Orientierung die Richt- und Warnwerte der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie in Verbindung mit der Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV) herangezogen.

In den weiteren 138 Proben (17 %) wurden Richtwerte überschritten. Eine Überschreitung des Richtwertes zeigt bei betrieblichen Kontrollen Schwachstellen im Herstellungsprozess an. Im Betrieb müssen die Wirksamkeit der vorbeugenden Maßnahmen überprüft und Maßnahmen zur Verbesserung der Hygienesituation eingeleitet werden. Auch der 2014 neu in das Untersuchungsspektrum aufgenommene Bacillus cereus wurde im Rahmen der Untersuchungen nachgewiesen. In 21 Proben wurde der Richtwert, in 6 Proben der Warnwert der DGHM überschritten. Die Keimgehalte waren insgesamt jedoch so gering, dass keine gesundheitliche Gefahr für den Verbraucher besteht. Zum Vergleich: Im vorigen Jahr 2014 haben 16 Proben den Richtwert und sieben Proben den Warnwert der DGHM überschritten.

Insgesamt wiesen die in 2014 untersuchten Speiseeisproben ähnliche Ergebnisse auf: bei 1.334 mikrobiologisch untersuchten Proben konnten weder Salmonellen noch Listeria monocytogenes nachgewiesen werden. 250 Proben (19 %) überschritten Grenzwerte für Hygieneparameter und wurden daher als mikrobiologisch auffällig eingestuft. Bei 101 Proben (13 %) lagen die Gehalte an Hygienekeimen über den festgelegten Warnwerten bzw. Grenzwerten, in den weiteren 97 Proben (12 %) wurden lediglich Richtwerte überschritten.

Die festgestellte Belastung mit Keimen ist ein Indikator für mangelnde Hygiene in dem jeweiligen handwerklichen Betrieb. Die Keime können etwa von schlecht gereinigten Geräten stammen, wie von einem Eisportionierer, der in verschmutztes Wasser getaucht oder an einem kontaminierten Lappen bzw. Schwamm abgetrocknet wird. Auch Zutaten wie Schokoladenstücke, die nicht erhitzt werden, bevor sie in das Eis gelangen, können zu einem Eintrag von Mikroorganismen führen. Eine Rolle spielt ebenfalls die Personalhygiene. Wäscht sich beispielsweise das Personal nicht gründlich die Hände, kann das Eis mit Keimen belastet werden.

Die niedersächsischen Verbraucher müssen sich aber beim Genuss ihres Eisbechers keine Sorgen machen. Zwar ist der Anteil mikrobiologisch auffälliger Speiseeisproben wie auch in den vorangegangenen Jahren relativ hoch, doch eine gesundheitliche Gefährdung der Verbraucher ist nahezu ausgeschlossen. Speiseeis unterliegt in Niedersachsen intensiven Kontrollen. Die mikrobiologischen Anforderungen sind sehr streng. Sind im Rahmen der mikrobiologischen Untersuchungen Auffälligkeiten vorhanden, so werden durch die Lebensmittelüberwachungsbehörden vor Ort entsprechende Maßnahmen ergriffen, um die Hygiene in dem Betrieb zu verbessern. Grundsätzlich können die Verbraucher in Niedersachen also aus hygienischer Sicht getrost ihr Eis genießen.

Während der nächsten Wochen werden im LAVES weitere Proben Speiseeis mikrobiologisch untersucht. In den Sommermonaten senden die Lebensmittelüberwachungsbehörden jährlich weit mehr als 1.300 Eisproben zur Untersuchung in die Lebensmittel- und Veterinärinstitute des LAVES in Braunschweig und Oldenburg.

Inhaltsstoffe oft unzureichend gekennzeichnet

Der Verbraucher hat aber nicht nur ein Recht auf hygienisch einwandfrei hergestelltes Eis, sondern er muss vom Anbieter auch über verschiedene Inhaltsstoffe, die in seiner Eiskugel stecken, informiert werden. Es lohnt sich für ihn, Hinweisschilder in Eisdielen genau zu studieren, denn der Anbieter ist verpflichtet, den Kunden auf einige Inhaltsstoffe des Speiseeises hinzuweisen. Wenn der Anbieter Werbeversprechungen macht, aber minderwertiges Eis verkauft, ist das Irreführung und wird von den kontrollierenden Behörden beanstandet.


  • Milchspeiseeis
Nach den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches für Speiseeis ist für Milcheis ein Mindestanteil an Milch von 70 % festgelegt. Außerdem dürfen, mit Ausnahme der natürlicherweise in geschmackgebenden Zutaten vorhandenen Fette, keine anderen Fette als Milchfett enthalten sein.

59 Proben Milchspeiseeis haben die Lebensmittel- und Veterinärinstitute Braunschweig/Hannover und Oldenburg des LAVES in 2015 untersucht. Die Proben stammen aus Eiscafés.

8 Proben darunter waren nicht als Milcheis bezeichnet. Die restlichen 51 Proben wurden auf die Einhaltung der Mindestmenge an Milch (70 %, entspricht 2,45 % Milchfett) und ggf. auf die Mitverwendung anderer als der Milch entstammender Fette untersucht. 3 Proben (6 %) enthielten zu geringe Milchfettanteile. Bei 8 Proben (16 %) wurde die Verkehrsbezeichnung Milchspeiseeis als irreführend beanstandet, da Fremdfettzusatz nachgewiesen wurde. Bei 2 weiteren Proben wurden im Vergleich zu Milchfett leicht erhöhte Werte an Laurinsäure festgestellt, die eine der Hauptfettsäuren von z.B. Kokosfett ist. Hier wurde eine Überprüfung der Rezeptur angeregt.

  • Nusseis

Im Jahr 2015 hat Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES 32 Proben lose angebotenes Nusseis - darunter 25 Proben Haselnusseis und 7 Proben Walnusseis - aus Eisdielen untersucht. Vor allem bei Walnusseis sind häufig andere Nusssorten wie z.B. Haselnuss enthalten, ohne dass dies für den Verbraucher kenntlich gemacht wird.

5 der 7 Proben Walnusseis wurden als irreführend beanstandet, da der Haselnussanteil neben geringeren Mengen an Walnuss überwog. Außerdem deuteten auch hohe Gehalte an Ölsäure auf einen hohen Haselnussanteil hin. Haselnussöl enthält viel Ölsäure, während bei Walnussöl Linolsäure dominiert. Die Bezeichnung „Walnusseis" für ein Eis mit hohen Haselnussanteilen ist nach hiesiger Ansicht nicht sachgerecht und damit als irreführend anzusehen. Das Eis könnte als „Nusseis" oder „Eis mit Walnussgeschmack" bezeichnet werden.

In den 25 Proben Haselnusseis war überwiegend Haselnuss enthalten.

Auch in 2014 war Nusseis im Fokus der Untersuchungen. Hier wurden von 22 Proben 8 Walnusseisproben als irreführend beanstandet, da zu hohe Haselnussanteile nachgewiesen wurden.


  • Eis mit Schokoladestückchen (Straciatella/Minz)

Im Jahr 2014 hat das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES 18 Eisproben mit schokolade(ähnlichen) Stückchen aus loser Abgabe untersucht. Davon waren 16 Proben Stracciatella-Eis und zwei Proben Minzeis.

Die schokoladeähnlichen Stückchen wurden untersucht, um zu klären, ob es sich dabei um Schokolade oder kakaohaltige Fettglasur handelt. Die Verwendung von kakaohaltiger Fettglasur anstatt Schokolade stellt eine nicht unerhebliche Wertminderung dar und muss ausreichend kenntlich gemacht werden.

Bei 10 Proben war die Verwendung von kakaohaltiger Fettglasur bereits deklariert. Von den restlichen 8 Proben wurde bei vier Proben die Verwendung von kakaohaltiger Fettglasur anstelle von Schokolade nachgewiesen. Die Kenntlichmachung der kakaohaltigen Fettglasur fehlte bei diesen Proben. Bei vier Proben wurde echte Schokolade verwendet.

Die beiden Minzeise (grün gefärbt) wurden zusätzlich auf die Verwendung von Farbstoffen untersucht. In beiden wurden Farbstoffe nachgewiesen. Bei einem Eis fehlte die nach § 9 Abs. 1 Nr. 1 ZZulV erforderliche Kenntlichmachung „mit Farbstoff". Bei dem anderen war diese Kenntlichmachung zwar erfolgt, jedoch wurde zusätzlich ein Azofarbstoff des Anhangs V der VO (EG) 1333/2008 verwendet, hier fehlte der zusätzliche Warnhinweis „Bezeichnung oder E-Nummer des Farbstoffs/der Farbstoffe: Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen".

Bei einem als „Milcheis" deklarierten Minzeis wurde die Verwendung anderer als der Milch entstammender Fette nachgewiesen. Der Zusatz der Fremdfette zu einem Milcheis ist nach der allgemeinen Verkehrsauffassung nicht üblich. Die Verkehrsbezeichnung „Milcheis" wurde in diesem Fall als irreführend beurteilt.

Link:

  • Die Ergebnisse der chemischen Speiseeisuntersuchung des LAVES aus dem Jahr 2013 finden Sie hier.


Kleine Warenkunde

Der Gesetzgeber hat im Deutschen Lebensmittelbuch verbindliche Leitsätze für Speiseeis formuliert. Aus den Anforderungen an die Inhaltstoffe ergeben sich Eissorten auf Basis von Fruchtbestandteilen oder Milcherzeugnissen, die zum Teil verschiedene Qualitätsstufen haben. Anhand der folgenden Tabelle kann der Verbraucher sich ein gutes Bild von dem Produkt machen, das er in Händen hält.


Sorte

Anteil von Milch oder Milchfett

Anteil von Ei

Anteil von Frucht

Cremeeis/ Eiercremeeis

Mindestens 50% Milch; Kein zusätzliches Wasser

Auf einen Liter Milch mindestens 270 Gramm Vollei oder 90 Gramm Eigelb

Rahmeis / Sahneeis / Fürst Pückler Eis

Mindestens 18% Milchfett aus der bei der Herstellung verwendeten Sahne (Rahm)

Milcheis /

Joghurteis u.a.

Mindestens 70% Milch; Bei überwiegender Verwendung von fermentierten Milchsorten (z.B. Joghurt, Sauermilch, Kefir) kann im Namen der Eissorte darauf hingewiesen werden

Eiscreme

Mindestens 10% der Milch entstammendes Fett

Fruchteiscreme

Mindestens 8% der Milch entstammendes Fett

Deutlich wahrnehmbarer Fruchtgeschmack

(Frucht-) Sorbet

Keine Milch oder Milchbestandteile

Mindestens 25% Frucht;

Mindestens 15% Frucht bei Eis aus Zitrusfrüchten oder anderen sauren Früchten (Säuregehalt im Saft mindestens 2,5%)

Fruchteis

Mindestens 20% Frucht;

Mindestens 10% Frucht bei Eis aus Zitrusfrüchten oder anderen sauren Früchten, z.B. Maracujas (Säuregehalt im Saft mindestens 2,5%)

Wassereis

Speiseeis, das nicht die Anforderungen für Milcheis, Fruchteis oder (Frucht-)Sorbet erfüllt;

Fettgehalt weniger als 3%; Trockenmassegehalt von mindestens 12%, der von süßenden und/oder weiteren geschmackgebenden Zutaten stammt

[1] European Commission - DG SANCO - REV of 5 October 2012

[2] http://www.bfr.bund.de/cm/343/gesundheitliche-bewertung-der-rueckstaende-von-didecyldimethylammoniumchlorid-ddac-in-lebensmitteln.pdf


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