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Reiswaffeln – Worauf ist bei Säuglingen und Kleinkindern zu achten!

LAVES untersucht Kinder-Reiswaffeln auf Blei, Cadmium und Arsen


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Reiswaffeln sind eine beliebte Beikost für Kinder. Sie sind schon in einem jungen Alter praktisch für unterwegs und zum eigenständigen Knabbern. Neben Reiswaffeln für den allgemeinen Verzehr werden verschiedene Reiswaffeln speziell für Säuglinge und Kleinkinder angeboten, meist mit einer Altersangabe ab dem 8. Monat beziehungsweise ab einem Jahr.

Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES hat im Jahr 2020 insgesamt neun Proben Reiswaffeln auf die toxischen Elemente Blei, Cadmium, Gesamtarsen sowie den Anteil an anorganischem Arsen untersucht. Neben sechs Proben, die speziell für Säuglinge und Kleinkinder bestimmt waren, wurden drei Proben Reiswaffeln, die nicht mit einer Altersangabe und speziell für Kinder gekennzeichnet waren, untersucht.

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Hintergrund

Natürliche Elemente wie Blei, Cadmium und Arsen sind Bestandteile der Erdkruste und gelangen zum Beispiel durch Aufnahme über den Boden in die Lebensmittel. Auch werden sie durch industrielle Prozesse in die Umwelt freigesetzt und können so in unsere Lebensmittel gelangen. Für Säuglinge und Kleinkinder ist die Aufnahme toxischer Elemente als besonders gesundheitlich bedenklich einzustufen.

Cadmium wird mit Nierenschäden, Knochendemineralisation in Verbindung gebracht und ist als krebserregend eingestuft. Eine chronische Blei-Exposition wiederum zeigt Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem, die Nieren und das Herz-Kreislauf-System. Weiterhin sind die entwicklungs- und neurotoxischen Effekte von Blei hervorzuheben, die mitunter zu einer verminderten kognitiven Leistung führen können. Anorganisches Arsen ist krebserregend (Haut, Blase, Lungen). Organisch gebundenes Arsen gilt als weniger toxisch, doch wurden auch einige organische Arsen-Verbindungen als möglicherweise krebserregend eingestuft.

Weltweite Ergebnisse zeigen seit Jahren vor allem in Reis und Reisprodukten erhöhte Gehalte von Gesamtarsen (tAs) und anorganischem Arsen (iAs). Reispflanzen nehmen Arsen vor allem über den Boden auf, so dass in Abhängigkeit des Arsengehalts im Boden, der Bewässerungsstrategie und Reissorte erhöhte Konzentrationen an anorganischem Arsen im Reiskorn festgestellt werden.

Rechtliche Grundlage

Mit dem Ziel, Lebensmittel mit erhöhten Mengen an toxikologisch relevanten Elementen nicht auf den Markt gelangen zu lassen, sind in der VO (EG) Nr. 1881/2006 unter anderem für Blei und Cadmium in Getreidebeikost für Säuglinge und Kleinkinder (zu welcher „Kinder-Reiswaffeln“ gehören) und für anorganisches Arsen in Reis (zur Herstellung von Reisbeikost) festgelegt worden. Für Reiswaffeln des allgemeinen Verzehrs wurde ein Höchstgehalt für anorganisches Arsen festgelegt. Für Lebensmittel, die für Säuglinge und Kleinkinder bestimmt sind, gelten strengere Anforderungen bezüglich der tolerierten Gehalte an toxikologisch relevanten Elementen als für andere Lebensmittel, da diese sensible Verbrauchergruppe besonders geschützt werden muss.


Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES hat im Jahr 2020 insgesamt sechs „Kinder-Reiswaffeln“ sowie drei Reiswaffeln des allgemeinen Verzehrs unter anderem auf die toxischen Elemente Blei (Pb), Cadmium (Cd), Gesamtarsen (tAs) sowie den Anteil an anorganischem Arsen (iAs) untersucht. Fast alle Proben (bis auf eine „Kinder-Reiswaffel“) waren Produkte mit einem Biosiegel.

Produkt „Kinder-Reiswaffel“ (Beikost)
Reiswaffel (allgemeiner Verzehr)
Anzahl Proben
6 3
Blei (Pb)
Mittelwert 0,008
0,006
höchster
Gehalt
0,015 0,006
zulässiger
Höchstgehalt
0,050 0,20**
Cadmium (Cd)
Mittelwert
0,009
0,016
höchster
Gehalt
0,013 0,021
zulässiger
Höchstgehalt
0,040 0,20*
Gesamtarsen (tAs)
Mittelwert
0,40
0,23
höchster
Gehalt
0,87 0,34
zulässiger
Höchstgehalt
-- --
anorganisches Arsen (iAs)
Mittelwert
0,073**
0,084
höchster
Gehalt
0,09* 0,11
zulässiger
Höchstgehalt*
0,10** 0,30
alle Werte in mg/kg

* in fünf Proben untersucht

** gilt für den zur Herstellung eingesetzten Reis

Die Blei- und Cadmiumgehalte sind insgesamt erfreulich unauffällig. Selbst die höchsten Gehalte waren deutlich unter denen für „Kinder-Reiswaffeln“ festgelegten Höchstgehalten.

Hinsichtlich Arsen bestätigten die Untersuchungen die bekannte Arsen-Problematik in Reisprodukten: In den Reiswaffeln wurden hohe Gehalte an Gesamtarsen ermittelt: bis zu 0,87 mg/kg. Die Untersuchung auf anorganisches Arsen (iAs) in einem Teil der Proben ergab für „Kinder-Reiswaffeln“ Gehalte bis 0,09 mg/kg. Sie erreichten damit fast den noch zulässigen Höchstgehalt, welcher jedoch nur für den eingesetzten Rohstoff Reis, der zur Herstellung von Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder verwendet wird, gilt. Inwieweit beim Herstellungsprozess möglicherweise eine Zu- oder Abnahme des im Rohstoff vorhandenen iAs stattgefunden hat, war nicht bekannt. Der Rohstoff selber wurde nicht untersucht. Der Höchstgehalt für Reiswaffeln des allgemeinen Verzehrs liegt bei 0,30 mg/kg und wurde in keinem Fall überschritten.

Ein Unterschied zwischen den Bioprodukten und dem konventionellem Produkt war nicht zu erkennen und auch nicht zu erwarten, da die Aufnahme dieser Kontaminanten aus dem Boden in der Regel unabhängig von dieser Anbauart erfolgt. Die sorgfältige Rohstoffauswahl seitens der Hersteller erscheint hinsichtlich dieser Kontaminanten von größerer Wichtigkeit.

Keine Probe wurde wegen ihres Gehaltes an Kontaminanten beanstandet. Bei erhöhtem Gehalt von anorganischem Arsen beziehungsweise Gesamtarsen wurde bei drei Proben die Empfehlung ausgesprochen, den Hersteller entsprechend zu informieren und auf die Arsen-Problematik sowie seine Sorgfaltspflicht bei der Auswahl der Rohstoffe hinzuweisen. Diese Informationsweitergabe sowie weitere Schritte obliegen der zuständigen kommunalen Überwachungsbehörde.

Arsen in Reis

Arsen ist ein natürlicherweise vorkommendes Element und in verschiedenen Erzen vorhanden. Es wird sowohl durch natürliche als auch anthropogene Prozesse in die Umwelt freigesetzt. Pflanzen nehmen Arsen vor allem über den Boden auf.

Anorganisches Arsen (iAs) wird als kanzerogen eingestuft. Organische Arsenverbindungen gelten als weniger toxisch als anorganisches Arsen, doch wurden auch einige organische Arsen-Verbindungen als möglicherweise krebserregend eingestuft.

Reis und insbesondere Reisprodukte sind bekannt für mögliche hohe Gehalte anorganischem Arsen. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist anorganisches Arsen in Lebensmitteln in jeder Menge unerwünscht, lässt sich aber nicht vollständig vermeiden (Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung Nr. 018/2015).

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt den Eltern, ihre Säuglinge und Kleinkinder nicht ausschließlich mit reisbasierten Getränken wie Reismilch oder Beikost wie Reisbrei zu ernähren. Auch bei Zwischenmahlzeiten sollten sie Produkte wie Reiswaffeln mit reisfreien Zwischenmahlzeiten variieren.


Fazit

Blei, Cadmium und Arsen gelten als Kontaminanten, deren Vorkommen in Lebensmitteln nicht vollständig vermieden werden kann. Da die Elemente toxikologische Eigenschaften haben, ist jegliche Aufnahme unerwünscht und die Aufnahme sollte so gering wie möglich sein. Unter anderem sind für Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder einige Höchstmengen festgelegt worden. Bei allen 2020 untersuchten „Kinder-Reiswaffeln“ (sechs) konnte keine Überschreitung dieser festgelegten Höchstmengen festgestellt werden.

Die Blei- und Cadmiumgehalte erwiesen sich insgesamt als erfreulich unauffällig.

Es bestätigte sich jedoch die bekannte Arsenproblematik. Die Gehalte in „Kinder-Reiswaffeln“ schöpften im Mittel circa 75 Prozent des zulässigen Höchstgehaltes für den eingesetzten Rohstoff Reis aus.

Um die Aufnahme von nicht vermeidbaren Kontaminanten zu begrenzen, gilt grundsätzlich die Empfehlung, unterschiedliche Lebensmittel, hier Getreidearten zu sich zu nehmen beziehungsweise zu füttern.

Guter Start ins Leben

Scheint die Welt des Essens am Beginn des Lebens noch so einfach und unkompliziert, so tauchen spätestens mit Einführung des ersten Breis die Fragen auf. Welche Nahrung braucht mein Kind? Welcher Brei kommt wann? Selber kochen oder doch lieber Fertigkost?

Babybrei ist schnell selbst angerührt und hat den Vorteil, dass man die verwendeten Zutaten kennt, auf Haushaltszucker und auf Salz verzichten kann. Weiterer Vorteil: Auch Verpackungsmüll kann so vermieden werden. Eltern sollten auf gezuckerte Fertigprodukte nach Möglichkeit verzichten, um ihre Kinder nicht an süßes Essen zu gewöhnen. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) empfiehlt zum Beispiel einen Milch-Getreide-Brei aus Vollmilch, Vollkorn-Getreideflocken oder Grieß und Fruchtsaft oder zerdrücktem Obst.

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