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Getreidebeikost – gesundheitlich unbedenklich für Säuglinge und Kleinkinder?

LAVES untersucht Reisbreipulver und Getreidebreipulver ohne Reis auf Blei, Cadmium und Arsen


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Getreidebeikost sind Lebensmittel für die Jüngsten: sie bestehen aus Getreide und werden Säuglingen in der Abstillzeit und Kleinkindern als Ergänzung und Gewöhnung an normale Lebensmittel gegeben.

Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES hat im Jahr 2020 in mehreren Projekten 22 Proben Getreidebeikost (Reisbreipulver und Getreidebreipulver ohne Reis) auf die toxischen Elemente Blei, Cadmium, Gesamtarsen sowie den Anteil an anorganischem Arsen untersucht.

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Hintergrund

Natürliche Elemente wie Blei, Cadmium und Arsen sind Bestandteile der Erdkruste und gelangen zum Beispiel durch Aufnahme über den Boden in die Lebensmittel. Auch werden sie durch industrielle Prozesse in die Umwelt freigesetzt und können so in unsere Lebensmittel gelangen. Für Säuglinge und Kleinkinder ist die Aufnahme toxischer Elemente als besonders gesundheitlich bedenklich einzustufen.

Cadmium wird mit Nierenschäden, Knochendemineralisation in Verbindung gebracht und ist als krebserregend eingestuft. Eine chronische Blei-Exposition wiederum zeigt Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem, die Nieren und das Herz-Kreislauf-System. Weiterhin sind die entwicklungs- und neurotoxischen Effekte von Blei hervorzuheben, die mitunter zu einer verminderten kognitiven Leistung führen können. Anorganisches Arsen ist krebserregend (Haut, Blase, Lungen). Organisch gebundenes Arsen gilt als weniger toxisch, doch wurden auch einige organische Arsen-Verbindungen als möglicherweise krebserregend eingestuft.

Weltweite Ergebnisse zeigen seit Jahren vor allem in Reis und Reisprodukten erhöhte Gehalte von Gesamtarsen (tAs) und anorganischem Arsen (iAs). Reispflanzen nehmen Arsen vor allem über den Boden auf, so dass in Abhängigkeit des Arsengehalts im Boden, der Bewässerungsstrategie und Reissorte erhöhte Konzentrationen an anorganischem Arsen im Reiskorn festgestellt werden. Der in Südostasien als Hauptnahrungsmittel eingesetzte Reis wird hierzulande häufig für die Herstellung von Säuglings- und Kleinkindernahrung eingesetzt.

Rechtliche Grundlage

Mit dem Ziel, Lebensmittel mit erhöhten Mengen an toxikologisch relevanten Elementen nicht auf den Markt gelangen zu lassen, sind in der VO (EG) Nr. 1881/2006 unter anderem für Blei und Cadmium in Getreidebeikost für Säuglinge und Kleinkinder und für anorganisches Arsen in Reis (zur Herstellung von Reisbeikost) festgelegt worden.Für Lebensmittel, die für Säuglinge und Kleinkinder bestimmt sind, gelten strengere Anforderungen bezüglich der tolerierbaren Gehalte an toxikologisch relevanten Elementen als für andere Lebensmittel, da diese sensible Verbrauchergruppe besonders geschützt werden muss.

Untersuchungsergebnisse des LAVES

Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES hat im Jahr 2020 insgesamt elf Reisbreipulver sowie elf Getreidebreipulver (ohne Reis) unter anderem auf die toxischen Elemente Blei (Pb), Cadmium (Cd), Gesamtarsen (tAs) sowie den Anteil an anorganischem Arsen (iAs) untersucht. Alle Produkte trugen ein Biosiegel.

Produkt Reisbreipulver Getreidebreipulver (ohne Reis)
Anzahl Proben
11 11
Blei (Pb)
Mittelwert 0,005
< 0,003
höchster
Gehalt
0,016 0,004
zulässiger
Höchstgehalt
0,050 0,050
Cadmium (Cd)
Mittelwert
0,007
0,028
höchster
Gehalt
0,013 0,037
zulässiger
Höchstgehalt
0,040 0,040
Gesamtarsen (tAs)
Mittelwert
0,12
0,07
höchster
Gehalt
0,15 0,27
zulässiger
Höchstgehalt
-- --
anorganisches Arsen (iAs)
Mittelwert
0,099**
0,017***
höchster
Gehalt
0,10 0,18
zulässiger
Höchstgehalt*
0,10* --
alle Werte in mg/kg

* gilt für den zur Herstellung eingesetzten Reis

** in vier Proben bestimmt

*** in zwei Proben bestimmt

Alle Bleigehalte sowie die Cadmiumgehalte in den Reisbreiproben waren dabei erfreulich unauffällig.

Höhere Cadmiumgehalte wurden in den Getreidebreipulvern gefunden. Für Cadmium wurde hier im Mittel 0,028 mg/kg und damit 70 Prozent des Höchstgehaltes (HG) gefunden, der höchste Werte lag mit 0,037 mg/kg nur knapp unter dem zulässigen HG (0,040 mg/kg).

Hinsichtlich Arsen bestätigten die Untersuchungen die bekannte Arsen-Problematik in Reisprodukten: Nahezu alle Reisbreipulver wiesen einen Gesamtarsengehalt (tAs) von über 0,10 mg/kg auf. Nur zwei Produkte lagen knapp darunter. Die Untersuchung auf anorganisches Arsen (iAs) in einem Teil der Proben ergab Gehalte bis 0,10 mg/kg. Sie erreichten damit den noch zulässigen Höchstgehalt, welcher jedoch nur für den eingesetzten Rohstoff Reis, der zur Herstellung von Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder verwendet wird, gilt. Inwieweit beim Herstellungsprozess möglicherweise eine Zu- oder Abnahme des im Rohstoff vorhandenen iAs stattgefunden hat, war nicht bekannt. Der Rohstoff selber wurde nicht untersucht.

Ungewöhnlich waren die Ergebnisse in zwei Hafer-Getreidebreien, in denen hohe Gehalte von Gesamtarsen (tAs) bis 0,27 mg/kg sowie von anorganischem Arsen (iAs) bis 0,18 mg/kg gefunden wurden. Für Hafer oder daraus hergestellte Erzeugnisse sind jedoch keine zulässigen Höchstgehalt an Gesamtarsen oder anorganischem Arsen rechtlich festgelegt. Im Hinblick auf den iAs-Höchstgehalt für Reis von 0,10 mg/kg (siehe oben) sind die iAs-Gehalte aber als kritisch anzusehen.

Weiter war bei erhöhten Werten zu beobachten, dass entweder Arsen oder Cadmium deutlich erhöht waren, nie beide gemeinsam. Ein Teil der Hafer- und sonstigen Getreidebreie hatte insgesamt unauffällige Gehalte an Blei, Cadmium und Arsen.

Keine Probe wurde wegen ihres Gehaltes an Kontaminanten beanstandet. Für zehn Proben Reisbrei sowie zwei Proben sonstiger Getreidebrei wurde wegen des erhöhten Gehaltes von Gesamt- beziehungsweise anorganischem Arsen die Empfehlung ausgesprochen, den Hersteller entsprechend zu informieren und auf die Arsen-Problematik sowie seine Sorgfaltspflicht bei der Auswahl der Rohstoffe hinzuweisen. Diese Informationsweitergabe sowie weitere Schritte obliegen der zuständigen kommunalen Überwachungsbehörde.


Arsen in Reis

Arsen ist ein natürlicherweise vorkommendes Element und in verschiedenen Erzen vorhanden. Es wird sowohl durch natürliche als auch anthropogene Prozesse in die Umwelt freigesetzt. Pflanzen nehmen Arsen vor allem über den Boden auf.

Anorganisches Arsen (iAs) wird als kanzerogen eingestuft. Organische Arsenverbindungen gelten als weniger toxisch als anorganisches Arsen, doch wurden auch einige organische Arsen-Verbindungen als möglicherweise krebserregend eingestuft.

Reis und insbesondere Reisprodukte sind bekannt für mögliche hohe Gehalte anorganischem Arsen. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist anorganisches Arsen in Lebensmitteln in jeder Menge unerwünscht, lässt sich aber nicht vollständig vermeiden (Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung Nr. 018/2015).

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt den Eltern, ihre Säuglinge und Kleinkinder nicht ausschließlich mit reisbasierten Getränken wie Reismilch oder Beikost wie Reisbrei zu ernähren. Auch bei Zwischenmahlzeiten sollten sie Produkte wie Reiswaffeln mit reisfreien Zwischenmahlzeiten variieren.


Fazit

Blei, Cadmium und Arsen gelten als Kontaminanten, deren Vorkommen in Lebensmittel nicht vollständig vermieden werden kann. Da die Elemente toxikologische Eigenschaften haben, ist jegliche Aufnahme unerwünscht und die Aufnahme sollte so gering wie möglich sein. Unter anderem sind für Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder einige Höchstmengen festgelegt worden. Bei allen 2020 untersuchten Getreidebreie (22) konnte keine Überschreitung der jeweils festgelegten Höchstgehalte festgestellt werden.

Die Bleigehalte waren durchweg erfreulich niedrig. Nicht-Reisbreie zeigen hingegen eine insgesamt höhere Cadmium-Belastung.

Die bekannte Arsenproblematik bestätigte sich in allen untersuchten Proben Reisbrei. Die auf anorganisches Arsen untersuchten vier Proben schöpften im Mittel nahezu 100 Prozent des zulässigen Höchstgehaltes für den eingesetzten Rohstoff Reis aus.

Weiter wurden bei zwei Getreidebreien auf Haferbasis erhöhte Gehalte an Arsen und anorganischem Arsen festgestellt. Für diese sind jedoch keine Höchstmengen festgelegt. Andere Hafer- und sonstige Getreidebreie wiesen geringere Arsengehalte auf.

Um die Aufnahme von nicht vermeidbaren Kontaminanten zu begrenzen, gilt grundsätzlich die Empfehlung, unterschiedliche Lebensmittel, hier Getreidearten zu sich zu nehmen bzw. zu füttern. Siehe auch Infokasten. Zur Vermeidung einer erhöhten Aufnahme trägt auch ein regelmäßiger Wechsel der Marke ähnlicher Produkte bei.

Die Untersuchung von Kontaminanten in Beikost auf Getreidebasis (insbesondere Reis und Hafer) wird 2021 fortgesetzt.

Guter Start ins Leben

Scheint die Welt des Essens am Beginn des Lebens noch so einfach und unkompliziert, so tauchen spätestens mit Einführung des ersten Breis die Fragen auf. Welche Nahrung braucht mein Kind? Welcher Brei kommt wann? Selber kochen oder doch lieber Fertigkost?

Babybrei ist schnell selbst angerührt und hat den Vorteil, dass man die verwendeten Zutaten kennt, auf Haushaltszucker und auf Salz verzichten kann. Weiterer Vorteil: Auch Verpackungsmüll kann so vermieden werden. Eltern sollten auf gezuckerte Fertigprodukte nach Möglichkeit verzichten, um ihre Kinder nicht an süßes Essen zu gewöhnen. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) empfiehlt zum Beispiel einen Milch-Getreide-Brei aus Vollmilch, Vollkorn-Getreideflocken oder Grieß und Fruchtsaft oder zerdrücktem Obst.

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