2019: Im November strandeten vier Grindwale vor der niedersächsischen Küste. Ein Pathologe des LAVES begutachtete die Tiere und nahm Gewebeproben, die von den Instituten des LAVES untersucht wurden.
Gestrandete Grindwale vor der niedersächsischen Küste 2019
Im November 2019 strandeten vier Grindwale vor der niedersächsischen Nordseeküste. Um eine mögliche Gefahr für Mensch und Tier auszuschließen wurde eine Sektion der Tiere durchgeführt. Bei der ersten Begutachtung durch einen Pathologen aus dem Lebensmittel- und Veterinärinstitut (LVI) Oldenburg konnte festgestellt werden, dass die Tiere keine inneren oder äußeren krankhaften Veränderungen aufwiesen. Es waren bei makroskopischer – mit bloßem Auge – Betrachtung der inneren Organe keine Hinweise auf Erkrankungen festzustellen. Die Wale haben sich in einem guten Allgemein- und Ernährungszustand befunden.
Allerdings war der Magen-Darmtrakt vollkommen leer, Nahrungs- oder Fremdkörperbestandteile konnten nicht nachgewiesen werden. Der Lebensraum der Langflossengrindwale ist nicht das niedersächsische Wattenmeer, weshalb sie sich hier nicht orientieren und auch keine adäquate Nahrung finden können. Es ist anzunehmen, dass sich die Tiere verirrt haben, gestrandet sind und an einem daraus resultierenden Herz-Kreislauf-Versagen verendet sind. Es ergaben sich keine Anhaltspunkte für eine Erkrankung, eine allgemeine Schwächung oder eine traumatische Einwirkung. Auch Tierseuchenerreger wurden nicht nachgewiesen.
Mit Einzug in die neue Sektionshalle am Standort Kreyenbrück hat der Fachbereich Pathologie des LVI Oldenburg die Sektion mariner Säuger 2019 im LAVES übernommen. Das umfassende Probenspektrum bei diesen Grindwalen wurde weiter in Kooperation mit den LAVES Instituten - LVI Hannover und Institut für Fische und Fischereierzeugnisse Cuxhaven - und der Universität Potsdam sowie der Tierärztlichen Hochschule Hannover auf mögliche Krankheitserreger und Gewebsveränderungen untersucht.
Mit Hilfe der Rückstandsanalytik wurden sehr hohe Konzentrationen an ndl-PCB, Palaren sowie DDT nachgewiesen und im Rahmen der Elementanalytik wurden extrem hohe Gehalte an Quecksilber und Cadmium im Leber- und Nierengewebe festgestellt.
Differentialdiagnostisch konnte eine Beeinträchtigung der Tiere aufgrund dieser hohen Schadstoffbelastungen nicht ausgeschlossen werden.- im flachen Epipelagial können sich Zahnwale mit Hilfe der Echolokation häufig nur eingeschränkt orientieren
- Unterwasserlärm-Emissionen
- Sonar der Schifffahrt, insbesondere des Militärs
- hohe Sonnenaktivität beeinflusst das Magnetfeld der Erde und damit auch den Orientierungssinn der Wale
- Veränderungen der Meeresoberflächentemperatur; Algenblüten etc.
- Flucht vor Prädatoren (Haie, Orcas)
- Folgen des Leittieres („social following“)
- Verirren nach der Jagd auf Tintenfische oder Fischschwärmen in Untiefen
- marine Erdbeben

