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Ratten als Krankheitsüberträger

Bei Mäusen und Ratten handelt es sich um weltweit verbreitete Nagetiere, die häufig als Vorrats- Material- und Gesundheitsschädlinge auftreten. Mäuse und Ratten besitzen eine hohe Vermehrungsrate und ein hohes gesundheitsgefährdendes Potential. Sie dienen als Reservoir einerseits dem stabilen Erhalt eines Erregers, sind andererseits aber, in Abhängigkeit vom Erreger und dessen geographischer Verbreitung, gleichzeitig Erregerverschlepper oder -überträger.

Unter der Annahme, dass

  • die Geschlechtsreife einer Wanderratte nach 90 Tagen eintritt,
  • die Tragzeit 21 Tage beträgt,
  • die mittlere Nachkommenschaft pro Wurf acht Stück umfasst und
  • jeder Wurf aus vier Weibchen und vier Männchen besteht,

bringt die Wanderratte in einem Jahr rein rechnerisch 104 Nachkommen zu Welt, die sich ihrerseits weitervermehren. Am Jahresende wird die dritte Folgegeneration geboren und die Ursprungsratte hat somit insgesamt 1512 Nachkommen.

Unter natürlichen Bedingungen sind es aufgrund einer geringeren Geburtenrate und Feinddruck deutlich weniger Nachkommen. Eine grobe Schätzung beläuft sich auf 500.

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Die Reproduktion der Wanderratte. Das Muttertier kann theoretisch über 1500 Nachkommen im Jahr haben.
Pestfloh Bildrechte: ©LAVES/Stelling
Ratten- oder Pestfloh, Xenopsylla cheopis

Ratten können etwa 120 Infektionskrankheiten übertragen. Insgesamt sind derzeit weltweit ohne die vielfältigen Hantavirusspezies, 42 wichtige mit Nagetieren assoziierte humanpathogene Erreger oder Erregersubtypen bekannt. Zusammenfassend ist die große Bedeutung der Schadnager als Reservoir für Salmonellen und als Überträger von z.B. SARS, Hantavirus, Typhus (Salmonella typhi), Paratyphus, Leptospirose (Bakterien der Gattung Leptospira), Tularämie (Anthropozoonose durch Francisella (=Pasteurella) tularensis), Toxoplasmose (Einzeller Toxoplasma gondii), Trichinose (Larven von Trichinella spiralis), Ruhr (Entamoeba histolytica), Cholera (Vibrio cholerae) und Pest (Yersinia pestis) aber auch Tierseuchen wie MKS, Schweinepest und Geflügelpest hervorzuheben.

Bedenklich ist mittlerweile die Rolle, die Ratten als Zwischenwirte und Überträger von antibiotikaresistenten Keimen spielen.

Weiterhin sind Ratten auch Reservoire von Krankheitserregern im Freiland. Zecken und Flöhe dienen in diesem Fall als Vektoren und übertragen diese Erreger auf Menschen und Tiere (z.B. Borrelia burgdorferi). Diese Zusammenfassung kann nur als eine derzeitige Momentaufnahme verstanden werden, da ständig neue humanpathogene Erreger oder Erregersubtypen in Nagetieren nachgewiesen werden.

Bildrechte: © LAVES/Prof. Louis de Vos
Toxoplasma gondii, EM-Aufnahme
Bildrechte: © LAVES/Prof. Louis de Vos
Trichinella spiralis (Gewebeschnitt)

Gemäß § 17 Infektionsschutzgesetz genügt bereits der begründete Verdacht für eine vorliegende Krankheitsübertragung, um Mittel und Verfahren nach § 18 IfSG einzusetzen. Dieses geschieht jedoch in der Praxis sehr selten. Außerdem ist der Bekämpfungszeitpunkt aus fachlicher Sicht dann zu spät. Wird eine Krankheit bereits übertragen, sind die Rattenpopulationen meist so stark, dass eine Bekämpfung höchstens kurativen Charakter haben würde. Bereits im Vorfeld muss durch prophylaktische Bekämpfungsmaßnahmen und ein begleitendes Monitoringsystem verhindert werden, dass ein solcher Fall überhaupt eintritt. Weiterhin muss besonderes Gewicht auf eine Bekämpfung bis zur Tilgung gelegt werden, da nur so Resistenzen und Ausbreitung derselben verhindert werden können.

Wanderratte Bildrechte: ©LAVES

Wanderratte, Rattus norvegicus

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