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„Käse“ ohne tierische Zutaten? Diese pflanzlichen Ersatzprodukte machen es möglich

Untersuchung von Reibeware und Brotbelag auf Basis pflanzlicher Zutaten


Vegane Ernährung ist voll im Trend, und die Verbraucherinnen und Verbraucher suchen nach entsprechenden Ersatzprodukten für Milch und Käse. Inzwischen werden diese nicht mehr nur im Reformhaus angeboten, sondern auch im normalen Lebensmitteleinzelhandel häufig im Regal zwischen den Originalen. Hergestellt werden diese Produkte auf der Basis pflanzlicher Eiweiße oder Öle.

Im Jahr 2020 hat das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg bisher acht Proben Käseersatzprodukte in Scheiben und als Reibeware untersucht. Diese Produkte werden der allgemeinen Verkehrsauffassung nach mit einer Angabe zur ersetzenden Zutat in den Verkehr gebracht (zum Beispiel auf Pflanzenfettbasis). Bei den untersuchten Erzeugnissen handelte es sich um Ersatzprodukte auf Kokosölbasis, und sie enthielten alle neben dem Kokosöl als weitere Hauptzutaten Wasser und Stärke sowie Salz, Aromen und gegebenenfalls Zusatzstoffe. Vier Proben enthielten als wertgebenden Bestandteil zudem Mandeln und zwei Produkte waren angereichert mit Calcium und Vitamin B12. Bis auf ein Produkt waren die Erzeugnisse entweder mit färbenden Lebensmitteln (Konzentrate aus Apfel und Karotte) oder Farbstoff (Carotin) gefärbt. Auf sechs Verpackungen wurde werbend darauf hingewiesen, dass kein Palmöl zur Herstellung des Erzeugnisses verwendet wurde, und auf sieben Packungen wurde damit geworben, dass kein Soja sowie keine Laktose enthalten sei.

Bei vier Proben (desselben Herstellers) wurde die gewählte Bezeichnung als unzureichend beurteilt, da eine Angabe zu der Basiszutat, die mengenmäßig einen Großteil des Lebensmittels ausmachte, fehlte. Bei diesen Produkten war auch das Zutatenverzeichnis fehlerhaft.

Eine Probe war bereits beim Eintreffen im Labor (drei Monate vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums) verschimmelt, weshalb das Produkt als nicht zum Verzehr geeignet und das Mindesthaltbarkeitsdatum als irreführende Angabe beurteilt wurde.

Sorbinsäure war bei keinem der Produkte im Zutatenverzeichnis deklariert und konnte analytisch auch nicht nachgewiesen werden. Auf zwei Verpackungen wurde dies werbend hervorgehoben („ohne Konservierungsstoffe“).

Weiterhin wurde der Fett-, Eiweiß- und teilweise Salzgehalt untersucht. Aus diesen Untersuchungen ergaben sich erfreulicherweise keine Auffälligkeiten. Die analysierten Werte stimmten im Rahmen der akzeptablen Schwankungen mit den in der Nährwertkennzeichnung angegebenen Werten überein.


Im Jahr 2018 hat das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg 20 Proben Käseersatzprodukte auf Ölbasis in Scheiben oder als Reibeware untersucht.

Zwei Proben enthielten Sorbinsäure in Gehalten von etwa 900 mg/kg. Sorbinsäure ist ein zulassungspflichtiger Konservierungsstoff. Nach der EU-Verordnung Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe ist Sorbinsäure zum Beispiel zugelassen für Feinkostsalate oder Frischkäse. Auch für die Oberflächenbehandlung der Blöcke von Käseanalogen ist Sorbinsäure zugelassen. Nicht zugelassen ist jedoch das Konservieren der gesamten Masse der Erzeugnisse. Für die Zulassung eines Zusatzstoffes ist neben der gesundheitlichen Unbedenklichkeit auch die technische Notwendigkeit für die Anwendung entscheidend. Nach den Analysenergebnissen und Recherchen bei den Herstellern wurde der Konservierungsstoff der gesamten Masse zugesetzt, das heißt es handelte sich um eine nicht zulässige Anwendung eines Zusatzstoffes.

Wenn es um Ersatzprodukte für Käse und Milch geht, steht aus lebensmittelrechtlicher Sicht auch immer der Bezeichnungsschutz im Fokus. Die Begriffe „Milch“ und „Käse“ sind EU-weit besonders geschützt und dürfen nur für ausschließlich aus Milch gewonnene Erzeugnisse verwendet werden, bei denen kein Milchbestandteil teilweise oder vollständig ersetzt wurde. Die Alternativprodukte werden aber mehr oder weniger deutlich mit Bezeichnungen vermarktet, die an bestimmte Milcherzeugnisse angelehnt sind, wie beispielsweise „pflanzlicher Käse“ oder „Veggie Käse“. Der Europäische Gerichtshof hat 2017 bestätigt, dass der Bezeichnungsschutz für Milcherzeugnisse auch dann gilt, wenn durch erläuternde Zusätze wie „Pflanzen-“ eine Klarstellung der verwendeten Milchbezeichnung mitgeliefert wird (EUGH Urteil vom 14.6.2017, Rs. C-422/16. Es kann also keinen „Pflanzen-Käse“ geben.
Bei acht Proben ergaben sich Kennzeichnungsmängel: So war beispielsweise das Zutatenverzeichnis fehlerhaft, die Bezeichnung des Lebensmittels unzureichend (da nicht auf die wertbestimmende Basis hingewiesen wurde) beziehungsweise bei einer Probe der Bezeichnungsschutz nicht beachtet worden.

Die Proben wurden zudem auf die Schwermetalle Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber untersucht. Erfreulicherweise ergaben sich aus den Untersuchungen keine Auffälligkeiten. Auch die Untersuchung auf mögliche enthaltene aber nicht deklarierte Allergene (zum Beispiel Ei, Gluten, Milch, Soja oder Nüsse) blieb ohne auffällige Befunde. Des Weiteren wurde der Salzgehalt überprüft. Die hier ermittelten Werte lagen alle im Bereich der zulässigen Toleranzen. Die Untersuchung der Zusammensetzung des extrahierten Öls auf dessen pflanzliche Herkunft blieb ohne Beanstandung.


Im Jahr 2017 wurden acht Proben Käseersatzprodukte auf Ölbasis in Scheiben oder als Reibeware untersucht. Neben Mehl oder Stärke, Salz und Aromen waren bei diesen Produkten Trinkwasser und Kokosöl beziehungsweise bei einer Probe Palmöl die Hauptzutaten.

Fünf Proben enthielten Sorbinsäure in Gehalten von etwa 1000 mg/kg, die der gesamten Masse zugesetzt wurde, das heißt es handelte sich um eine nicht zulässige Anwendung.

Bei zwei der acht Proben war der Bezeichnungsschutz nicht beachtet worden.

Die Proben wurden zusätzlich auf die Prozesskontaminanten 3-Monochlorpropandiol-Fettsäureester (3-MCPD), 2-Monochlorpropandiol-Fettsäureester (2-MCPD) und Glycidyl-Fettsäureester (GE) untersucht. In sieben Proben auf Kokosnussöl-Basis wurden für 3-MCPD, 2-MCPD und GE mittlere Gehalte von 0,92; 0,22 beziehungsweise 0,41 mg/kg Fett gefunden (Maxima: 1,33; 0,49 bzw. 1,58). Die Probe auf Palmöl-Basis wies Gehalte an 3-MCPD, 2-MCPD und GE von 4,66; 1,81 beziehungsweise 0,33 mg/kg Fett auf. Es gibt derzeit keine Grenzwerte für diese Analyten. Die Gehalte an MCPD- und Glycidyl-Estern in den Proben spiegeln typische Gehalte der jeweils verwendeten pflanzlichen Fette wieder.


Weiterführende Information:


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