PFAS in Textilien – Schutz gegen die Elemente, Schaden für die Umwelt?
Auf Textilien für den Außeneinsatz („Outdoor-Textilien“) sorgen polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) für ausgezeichnete Wasserabweisung. Das Wasser perlt wie auf einem Lotusblatt ab, deshalb spricht man vom „Lotuseffekt“. Im Gegensatz zum Lotusblatt sind PFAS jedoch biologisch nicht abbaubar. Einmal in der Umwelt angelangt, reichern sich diese toxikologisch bedenklichen Substanzen an. In Textilien gebundene PFAS stellen keine direkte Gefahr für die Verbraucherinnen und Verbraucher dar. Über erste Untersuchungen von PFAS in Textilien hat das Institut für Bedarfsgegenstände (IfB) Lüneburg bereits berichtet.
PFAS und ihr Einsatz in der Textilindustrie
PFAS besitzen als Oberflächenbeschichtung effektiv wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften. Die Vorteile dieser Beschichtung sind ein Verkaufsargument, weshalb die Textilindustrie sie seit Jahrzehnten einsetzt [1]. Allerdings stehen PFAS schon seit Jahren in der Kritik und ihre Verwendung in Textilien ist mittlerweile stark reguliert, das heißt verboten [2, 3]. Besonders kritisch ist, dass sie in der Umwelt kaum abgebaut werden und sich deshalb in Umwelt und Lebewesen anreichern können [3]. Aus diesem Grund setzt die Textilindustrie schon seit langem auf Alternativen wie beispielsweise Polyurethan oder Silikon [4].
Allerdings sind die Lieferketten in der Textilindustrie komplex und zum Teil unübersichtlich [5]. Beispielsweise besteht eine Jacke häufig aus verschiedenen zusammengefügten Einzelteilen, von unterschiedlichen Zulieferern und aus unterschiedlichem Material. Es kommt vor, dass nur ein Einzelteil mit PFAS ausgerüstet oder belastet ist, während die restliche Jacke mit Alternativen beschichtet ist. Jede dieser Komponenten gilt im Sinne des Gesetzes als Erzeugnis und ist eigenständig zu untersuchen und rechtlich zu bewerten.
Untersuchungsergebnisse
Das IfB Lüneburg untersuchte in den Jahren 2023 bis 2026 insgesamt 151 Textilien auf PFAS. Von niedersächsischen Landkreisen und Städten wurde eine breitgefächerte Auswahl von Proben zur Untersuchung eingesendet. Darunter waren zum Beispiel Schuhe, Jacken, Taschen und „Outdoor“-Kissen. Es wurden gezielt Proben angefordert, bei denen ein erhöhtes Risiko für das Vorhandensein von PFAS gegeben ist – folglich „Outdoor-Textilien“.
Die bisherigen Untersuchungsergebnisse lassen gewisse Rückschlüsse auf das Vorhandensein von PFAS in Textilien zu. Zunächst können zwei Gruppen von PFAS ausgemacht werden: C6-PFAS auf Basis eines an sechs Kohlenstoffatomen fluorierten Alkohols (6:2-FTOH) und C8-PFAS auf Grundlage eines an acht Kohlenstoffatomen fluorierten Alkohols (8:2-FTOH). Dieser kommt zum Teil mit geringen Anteilen an langkettigen fluorierten Alkoholen (10:2-FTOH und 12:2-FTOH) vor. Sowohl C6- als auch C8-PFAS können Schmutz und Wasser abweisen. In diesen Gruppen kann dann wiederum zwischen einer Verwendung für eine wasser- und schmutzabweisende Wirkung, der sogenannten „PFAS-Ausrüstung“, sowie einer unbeabsichtigten Verunreinigung (Kontamination) unterschieden werden. Die Übergänge zwischen Verwendung und unbeabsichtigter Verunreinigung sind jedoch fließend und nicht genau zu spezifizieren.
Neben dem gezielten Einsatz ist auffällig, dass viele Textilien mit PFAS kontaminiert sind, insbesondere mit C8-PFAS. Um wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften zu haben, müssen auf Textilien bestimmte Mengen an PFAS vorhanden sein – ein genauer Wert lässt sich hier nicht definieren [Diagramm 3, Diagramm 4]. Man kann allerdings davon ausgehen, dass das Vorhandensein von PFAS im einstelligen beziehungsweise unteren zweistelligen Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) -Bereich nicht für den typischen wasser- und schmutzabweisenden Lotuseffekt ausreicht [1].
Von besonderem Interesse sind Proben, die mit einer alternativen, PFAS-freien Beschichtung ausgerüstet sind, jedoch hohe Gehalte an PFAS aufweisen. So wurden in einer mit Polyurethan beschichteten Kinderhose, die mit einer fluorfreien (das heißt PFAS-freien) Beschichtung beworben wurde, 45,6 mg/kg 8:2-FTOH nachgewiesen. Ob sich hier noch von einer Kontamination sprechen lässt, ist fraglich. Es ist nicht auszuschließen, dass die PFAS gegebenenfalls eine technische Funktion in der Beschichtung beziehungsweise bei der Verarbeitung der Beschichtung erfüllen.
Rechtliche Bewertung
Diese unterschiedlichen Fälle stellen Gutachterinnen und Gutachter vor Schwierigkeiten bei der Bewertung von Proben. Abgesehen davon bieten einige Gesetze beziehungsweise Grenzwerte einen großen Interpretationsspielraum [6]. Bei allen Bewertungen hat der Verbraucher- und Umweltschutz oberste Priorität. Allerdings müssen Gutachten und der gegebenenfalls daraus folgende Vollzug dem rechtsstaatlichen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit folgen.
Demnach sind derzeit Fälle mit sehr hohen Gehalten an verbotenen C8-PFAS anders zu bewerten als Kontaminationen mit diesen Verbindungen, auch wenn in beiden Fällen der Grenzwert von 1 mg/kg überschritten ist. PFAS in Textilien stellen keine direkte Gefahr für die Verbraucherinnen und Verbraucher dar. Diese PFAS sind in einem Polymer eingebunden, das biologisch nicht verfügbar ist, das heißt PFAS werden nicht in den Körper aufgenommen. Die hohen PFAS-Gehalte in einzelnen Textilien sind infolgedessen in erster Linie problematisch für die Umwelt, weil es mit der Zeit unter Einwirkung verschiedener Faktoren zur Freisetzung von PFAS kommen kann [7]. Im Sinne dieser Verhältnismäßigkeit sind mit PFAS ausgerüstete Textilien anders zu bewerten, als damit kontaminierte. Textilien mit hohen Gehalten setzen über ihre gesamte Lebensdauer wesentlich größere Mengen an PFAS frei. Für den Umweltschutz wird demzufolge wesentlich mehr erreicht, wenn zunächst behördlich gegen Textilien mit hohem PFAS-Gehalt, beziehungsweise PFAS-Ausrüstung, vorgegangen wird.
Quellen:
[1] Malner, Thomas E.: Fluorhaltige Polyacrylat-Dispersionen für die wasser- und ölabweisende Textilausrüstung
[2] Greenpeace: Wie umweltfreundlich ist die Textilindustrie?
[3] European Chemicals Agency (ECHA): Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS)
[4] Research Institut of Sweden (RISE): PFAS substitution guide for textile supply chains
[5] Kleihauer, Silke; Führ, Martin; Schenten, Julian: Marktchancen für "nachhaltigere Chemie" durch die REACH-Verordnung
[6] Bundesverband der Lebensmittelchemiker/-innen im öffentlichen Dienst e.V.: „Unendliche Geschichten“ aus dem PFAS-Universum – Analytische und rechtliche Hürden aus der Lebensmittelüberwachung
[7] Sacher, Frank: Fluorierte Verbindung aus technischen Produkten der Papierindustrie

