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Aussetzen von Gartenteichfischen

Über Probleme, Verbote und mögliche Folgen in Verbindung mit dem Aussetzen von Gartenteichfischen in die freie Wasserlandschaft


Einführung

Die Haltung von Zierfischen in Gartenteichen hat in den letzten Jahren an Beliebtheit zugenommen und deshalb sind Gartenteiche in der Wohnlandschaft immer häufiger anzutreffen.

Gartenteich  
Gartenteich

Mittlerweile verkaufen nicht nur Zoogeschäfte, sondern auch viele Gartenzentren sowie Bau- und Heimtierfuttermärkte, Gartenteichfische und andere Wassertiere zur Haltung im Gartenteich. Voraussetzung für den gewerbsmäßigen Verkauf von Wirbeltieren, zu denen Fische nun mal gehören, ist eine Erlaubnis gemäß §11 des Tierschutzgesetzes, die von der zuständigen Veterinärbehörde des Landkreises erteilt wird. Im Rahmen der Erlaubniserteilung sind die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten (Sachkunde), die Zuverlässigkeit und das Vorhandensein geeigneter Verkaufsräumlichkeiten nachzuweisen.

Der verantwortungsvolle und sachkundige Zierfischhändler sollte Gartenteichzierfische erst ab etwa Anfang Mai zum Verkauf anbieten. Somit wird sichergestellt, dass Nachtfrost oder länger anhaltende Kälteperioden die Anpassung der Fische an ihre neue Umgebung nicht nachteilig beeinträchtigen. Viele Gartenteichfische sind letztendlich nicht als echte Kaltwasserfische einzustufen. So handelt es sich z. B. bei den beliebten Koikarpfen und Goldfischen um Fische, die ihr physiologisches Temperaturoptimum bei ca. 20 - 24°C vorweisen. Die meisten solcher "wärmeliebenden" Gartenteichfischarten sind jedoch auch auf Winterperioden mit niedrigen Wassertemperaturen konditioniert. Einige Hochzuchtformen des Goldfisches, wie z. B. der Schleierschwanzgoldfisch, zeigen jedoch Probleme bei der Überwinterung und sind deshalb für die dauerhafte Haltung im Gartenteich eher nicht geeignet.

Viele der Fisch- bzw. Tierarten, die für den Gartenteichbesatz verkauft werden, sind als exotische Arten zu betrachten. Auch wenn Karpfen hierzulande heimisch sind, ist ihre Zuchtform Koikarpfen letztendlich als exotisch einzustufen. Weitere Fischarten wie z. B. Goldfische und Blaubandbärblinge aus Asien, asiatische Bitterlingarten, Katzenwelse und Sonnenbarsche aus Nordamerika oder auch amerikanische Flusskrebsarten sind hierzulande nicht heimisch. Heimische Fischarten, wie z.B. die Orfe, der Europäische Bitterling, das Moderlieschen, der Stichling oder der Gründling, werden als Besatzfische für sogenannte Bioptopteiche angeboten.

Koikarpfen  
Koikarpfen
Goldfischvarianten  
Goldfischvarianten

Problembeschreibung

Einige der genannten Fischarten sind, z. B. aufgrund ihres aggressiven bzw. territorialen Verhaltens (Katzenwelse, Sonnenbarsche, Blaubandbärblinge), kaum mit anderen Fischarten zu vergesellschaften. Flusskrebse verlassen, insbesondere wenn keine geeigneten Versteckmöglichkeiten im Teich vorhanden sind, die Teiche und gehen "auf Wanderschaft" um besser geeignete Gewässer zu suchen. Andere Fischarten vermehren sich im Gartenteich zu stark und bei fehlenden Fressfeinden kommt es zu einem Überbesatz.

Was nun tun, wenn sich herausstellt, dass die zugekauften Tiere entweder für die Haltung im Gartenteich nicht geeignet sind, sie sich zu stark vermehren oder zu groß werden? Leider scheint es verlockend zu sein, solche Fische in der freien Natur auszusetzen, zumal häufig davon ausgegangen wird, dass es den Fischen danach in der freien Wasserlandschaft besonders gut gehen muss. So werden mitunter auch kranke Fische ausgesetzt, in der Hoffnung, dass unter natürlichen Bedingungen eine Krankheitsheilung eintreten wird.

Auf jeden Fall ist das Aussetzen von Fischen und anderen zugekauften Tiere aus dem Gartenteich in die freie Wasserlandschaft nicht gestattet und stellt ein Verstoß gegen die Fischereigesetzgebung, die Naturschutzgesetzgebung, das Tierschutzgesetz und / oder die Tierseuchengesetzgebung dar. Solche Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden!

Das Niedersächsische Naturschutzgesetz schreibt vor, dass Tiere (und Pflanzen) außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes nur mit Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde ausgesetzt werden dürfen. Aber auch das Aussetzen heimischer Tierarten verstößt mitunter gegen Rechtsbestimmungen, da die Hege von Freigewässern dem Fischereirecht unterliegt. So stehen Hegemaßnahmen (Besatz) gemäß dem Niedersächsischen Fischereigesetz ausschließlich dem Fischereiberechtigten bzw. Fischereiausübungsberechtigten zu. Weitere Vorgaben für das Einbringen von Fischen und Krebstieren sind der Binnenfischereiordnung zu entnehmen. Das Tierschutzgesetz regelt, dass gezüchtete oder aufgezogene Tiere wildlebender Arten nicht in der freien Natur auszusetzen oder anzusiedeln sind, wenn diese nicht auf die zum Überleben im vorgesehenen Lebensraum artgemäße Nahrungsaufnahme vorbereitet und an das Klima angepasst sind. Ferner darf, ebenfalls nach dem Tierschutzgesetz, ein in Obhut des Menschen gehaltenes Tier nicht ausgesetzt werden, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen. Das Aussetzen kranker Fische ist aufgrund der Verschleppungsgefahr von Krankheiten nicht zulässig. Insbesondere ist in dem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass Koikarpfen an der Koi-Herpesvirus-Infektion der Karpfen (KHV) erkranken können. Andere Gartenteichfischarten (z. B. Goldfische) können dieses Virus ohne selber zu erkranken ebenfalls aufnehmen und möglicherweise verschleppen. Die Koi-Herpesvirus-Infektion ist eine anzeigepflichtige Tierseuche und unterliegt daher dem Tierseuchenrecht.

Blaubandbärblinge verletzen eine Schleie  
Blaubandbärblinge verletzen eine Schleie (Quelle: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Inst. für Fischerei; Foto: G. Westphal)

Setzen Sie keine Gartenteichtiere aus!

Leider kommt es aber immer häufiger vor, dass, trotz eindeutiger Rechtslage, Fische in der freien Natur angetroffen werden, die offensichtlich aus Gartenteichen stammen und ausgesetzt wurden. Das Aussetzen solcher Tiere kann verheerende Folgen haben.

Praxisbeispiele

Gebietsfremde Fische können heimische Faunabestände verdrängen. Als klassisches Beispiel kann hier der Schwarze Katzenwels genannt werden. In manchen Gewässern (Seen) haben diese aus Nordamerika stammenden Raubfische die heimische Fischfauna komplett verdrängt.

Auch der aus Asien stammende Blaubandbärbling ist trotz seiner geringen Größe in der Lage heimische Fischarten zu verdrängen. Wissenschaftler des Instituts für Fischerei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft haben sogar feststellen müssen, dass diese kleine Fischart sich vor allem während der Winterung Schleien und Karpfen gegenüber parasitisch verhält. Die sich in der Winterruhe befindenden Karpfen oder Schleien werden regelrecht "angefressen". Aufgrund dieses Verhaltens konnten teilweise Verletzungen, die bis tief ins Muskelfleisch reichten, festgestellt werden und die in Verbindung mit der Stressbelastung auch zum Tode der Karpfen oder Schleien führen konnten*. Leider werden Blaubandbärblinge auch als Köderfische für Angler angeboten. In dem Zusammenhang sei darauf hinzuweisen, dass die Verwendung lebender Köderfische beim Angeln nicht zulässig ist.

* Oberle, M., C. Pfeil-Putzien und H. Wedekind (2006)
Parasitismus von Blaubandbärblingen (Pseudorasbora parva ) an Karpfen und Schleien in der Winterung
In: Tagungsband der XI. Gemeinschaftstagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Sektionen der EAFP, Murten (CH) 2006

Roter Amerikanischer Flusskrebs  
Roter Amerikanischer Flusskrebs

Amerikanische Flusskrebsarten können ebenfalls Flusskrebsbestände verdrängen, die hierzulande heimisch sind. Das Aussetzen solcher Flusskrebsarten aus Nordamerika ist besonders problematisch, da diese Tiere in der Regel Träger eines Pilzes (Krebspest) sind, selber nicht erkranken, diesen Erreger jedoch z. B. auf den heimischen Edelkrebs übertragen können. Sobald europäische Flusskrebsarten diesen Pilz aufnehmen, werden die Flusskrebse sterben. Nicht zuletzt aufgrund dieser Problematik und in Verbindung mit dem bereits erwähnten Wanderverhalten von Flusskrebsen, sollte an den Zoofachhandel appelliert werden, solche exotische Tiere nicht für den Gartenteich anzubieten.

Problematisch ist auch die Situation in Bezug auf den Fisch des Jahres, der Europäische Bitterling. Es werden im Zierfischhandel immer häufiger Bitterlingarten aus Asien angeboten, die für den Laien kaum vom Europäischen Bitterling zu unterscheiden sind. Das Aussetzen solcher Fische führt ebenfalls unwiderruflich zur Faunenverfälschung.

Fischkrankheiten

Wenn Fische im Gartenteich sterben, kann das auch die Folge einer Erkrankung sein. Leider ist es häufig der Fall, dass, im Gegensatz zu anderen Heimtieren, im Falle von Krankheitsproblemen bei Zierfischen nur selten ein Tierarzt hinzugezogen wird. Vielmehr werden verendete Tiere unzulässigerweise häufig über die Toilettenspülung entsorgt und nicht selten werden offensichtlich kranke bzw. geschwächte Fische in Freigewässer ausgesetzt. Damit werden heimische Fischbestände oder auch Fischpopulationen in Teichwirtschaften gefährdet, die das Produktionswasser aus dem Freigewässer beziehen. Ausbrüche der Koi-Herpesvirus-Infektion der Karpfen können sogar existenzgefährdende Folgen für Teichwirtschaften haben. Deshalb gilt, dass im Falle von Fischsterben oder eines Krankheitsgeschehens im Gartenteich grundsätzlich ein Tierarzt hinzugezogen werden soll. Mittlerweile gibt es immer mehr Tierärzte, die auf (Zier-)Fische spezialisiert sind. Ein Verdacht auf das Vorliegen der Koi-Herpesvirus-Infektion der Karpfen ist außerdem bei der zuständigen Veterinärbehörde anzuzeigen.

Fazit

Fische aus Gartenteichen sollten niemals in Freigewässer ausgesetzt werden! Sie tun ihre Fische damit nichts Gutes. Nur in Ausnahmefällen kann es zu einer behördlichen Genehmigung kommen.

Bei der Planung und beim Bau eines Gartenteiches ist unbedingt darauf zu achten, dass die Größe des Teiches auf den langfristigen Teichbesatz unter Berücksichtigung des Wachstums und der eventuellen Vermehrung der Fische abzustimmen ist. Sollten sich trotzdem irgendwann zu viele Fische im Teich herumtummeln, dann fragen Sie im Bekanntenkreis oder beim Zierfischhändler nach möglichen Abnehmern. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die abzugebenden Fische gesund sind.

Stellen Sie außerdem sicher, dass die zugekauften Gartenteichbewohner nicht aus dem Teich entweichen können. In dem Zusammenhang kann auch nur von dem Zukauf nicht-heimischer Flusskrebsarten abgeraten werden. Werden trotzdem Flusskrebse im Gartenteich gehalten, müssen ausreichend Versteckmöglichkeiten (z. B. Tonröhren) für diese Tiere vorhanden sein.

Der Gartenteichbesatz sollte sachkundig unter Berücksichtigung von zwischen- und innerartlichen Verträglichkeiten vorgenommen werden. Eine fachkundige Beratung bei der Planung von Gartenteichen und beim Kauf der Tiere ist daher von großer Bedeutung!

Artikel-Informationen

Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Task-Force Veterinärwesen, FB Fischseuchenbekämpfung
Eintrachtweg 19
30173 Hannover
Tel: (0511) 28897-924
Fax: (0511) 28897-980

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