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Buccoblätteröl – ein Pflanzenextrakt mit dem Aroma schwarzer Johannisbeeren

Bucco-Strauch

Die Bucco- oder Buchu-Pflanze (Agathosma betulina) ist ein im südafrikanischen Kapgebirge beheimateter Strauch aus der Familie der Rautengewächse (Rutaceae). Seine Blätter besitzen zahlreiche Drüsen, die ein etherisches Öl enthalten. Aus den Blättern zubereitete Tees, Tinkturen und Umschläge werden wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung seit jeher in der traditionellen südafrikanischen Medizin eingesetzt. In jüngerer Zeit hat sich darüber hinaus die Verwendung von Buccoblätteröl in der Parfümerie und zur Aromatisierung von Lebensmitteln etabliert.

Buccoblätteröl: Gewinnung und Einsatz

Das etherische Öl des Buccostrauches lässt sich mittels Wasserdampfdestillation aus den getrockneten Blättern gewinnen. In konzentrierter Form weist es einen leicht fruchtigen, pfefferminzartigen und an Terpentin erinnernden Geruch auf. Für die minzige Note sind die im Öl enthaltenen Stoffe Menthon (auch in Pfefferminzöl vorkommend) und Isomenthon verantwortlich. Zur terpenigen Note tragen vor allem Diosphenol und ψ-Diosphenol bei, auf die auch die entzündungshemmenden Eigenschaften des Buccoblätteröls zurückgeführt werden. Die beiden Diosphenole sind für Buccoblätteröl äußerst charakteristisch, da sie nach derzeitigem Kenntnisstand natürlicherweise nur dort in nennenswerten Mengen vorkommen.

Hauptbestandteile

Anteil am etherischen Öl
[ca. %]

Menthon

9

Isomenthon

35

Diosphenol

12

ψ-Diosphenol

8

Pulegon

11

Isopulegon

6

Limonen

10

4-Terpineol

0,5

8-Mercapto-p-menthan-3-on

0,5

Tabelle 1: Zusammensetzung eines typischen Buccoblätteröls (nach Hänsel R, Keller K, Rimpler H, Schneider G (Hrsg.), Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis, 5. Aufl., Bde 4-6 (Drogen), Springer Verlag Berlin, Heidelberg, New York, 1992-1994)

Ein bemerkenswerter Effekt stellt sich ein, wenn Buccoblätteröl verdünnt wird: der minzig-terpenige Geruchseindruck schwächt sich ab, bis er schließlich nicht mehr wahrnehmbar ist. Im Gegenzug tritt eine fruchtig-herbe Note hervor, die stark an schwarze Johannisbeeren erinnert. Dieser Eindruck wird hauptsächlich durch das im Buccoblätteröl in geringer Konzentration enthaltene 8-Mercapto-p-menthan-3-on verursacht. Für diesen Stoff, der in der schwarzen Johannisbeere natürlicherweise nicht vorkommt, weist die menschliche Nase eine besonders hohe Empfindlichkeit auf, so dass er auch noch in starker Verdünnung deutlich wahrgenommen werden kann.

Likörflaschen

Aus diesem Grund wird Buccoblätteröl vor allem dann gerne eingesetzt, wenn es darum geht, in Parfums und Lebensmitteln eine schwarze Johannisbeer-Note zu erzeugen oder einen bereits vorhandenen Eindruck zu intensivieren. Der Vorteil: es werden nur sehr geringe Mengen benötigt, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Das Öl des Buccostrauches stellt – wenn es zur Geruchs- und Geschmacksgebung von Lebensmitteln eingesetzt wird – aufgrund seiner pflanzlichen Herkunft ein natürliches Aroma dar. Seiner Verwendung in Lebensmitteln sind jedoch insoweit Grenzen gesetzt, als es einige Produktgruppen gibt, die grundsätzlich nicht aromatisiert werden dürfen. So wäre es zum Beispiel nicht zulässig, die fruchtig-herben Noten einer Konfitüre, eines Gelees oder eines Fruchtnektars aus schwarzen Johannisbeeren mit Hilfe von Buccoblätteröl zu verstärken. Dagegen dürfen unter anderem schwarze Johannisbeerliköre und Fruchtsaftgetränke mit den natürlichen Buccoaromen versetzt werden.

Die Kennzeichnung

In aller Regel muss die Verwendung eines Aromas auf der Verpackung deklariert werden. Anders verhält es sich dagegen bei Spirituosen: ein Zutatenverzeichnis ist hier nicht erforderlich, so dass beim Likör im Verkaufsregal meist nicht ersichtlich wird, ob die fruchtigen Geruchs- und Geschmacksnoten des Produkts allein auf die verwendeten Früchte bzw. Beeren oder auch auf einen Aromazusatz zurückgehen. Deshalb kommt der Überprüfung von begleitenden Aussagen oder von Hervorhebungen besonderer Produkteigenschaften auf den Etiketten eine besondere Bedeutung zu.

Vergleichsweise häufig finden sich bei schwarzen Johannisbeerlikören Auslobungen, die darauf abheben, dass das Produkt

  • nach alter, traditioneller Rezeptur oder
  • ausschließlich unter Verwendung von Früchten, Zucker und einer Spirituose hergestellt wurde oder
  • seinen besonderen Geschmack der Verwendung vollreifer oder ausnehmend aromatischer Früchte verdanke.

Wird im Rahmen einer Aromastoffanalyse mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie dann festgestellt, dass das Aromaprofil des Likörs die charakteristischen Inhaltsstoffe des Buccoblätteröls aufweist, so werden derartige Auslobungen als irreführend beurteilt.


Die Ergebnisse

Im Lebensmittelinstitut Braunschweig des Niedersächsischen Landeamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) werden regelmäßig Erzeugnisse aus schwarzen Johannisbeeren auf eine Aromatisierung mit Buccoblätteröl untersucht. In 50 % der seit 2008 untersuchten Likörproben war Buccoaroma nachweisbar. Mehr als die Hälfte davon (ein Drittel der Likörproben insgesamt) war mit irreführenden Auslobungen versehen. Unzulässige Zusätze bei Produktgruppen wie Fuchtnektaren oder Konfitüren wurden dagegen nicht festgestellt.

Buchu-Pflanze  

Buchu-Pflanze © Wikimedia Commons (Jon Richfield)

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