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Antibiotika-Minimierung in Niedersachsen



1. Allgemeines

Am 1. April 2014 ist das Antibiotika-Minimierungskonzept der 16. AMG-Novelle in Kraft getreten.

Es besteht aus folgenden Bausteinen:

  • Erfassung aller Antibiotikaanwendungen, einschließlich der Anzahl behandelter und gehaltener Tiere in einer Datenbank.
  • Ermittlung von Kennzahlen zum Antibiotikaeinsatz (Therapiehäufigkeit)
  • Ampelsystem zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes

Ende Juni 2014 ist den Tierhaltern ein ausführliches Erstinformationsschreiben per Post zur Umsetzung der 16. AMG-Novelle in Niedersachsen übersandt worden. Es wird darin auf einen „Fragen- und Antwortenkatalog" verwiesen, der als Downloadobjekt auf dieser Seite zur Verfügung steht. Dieser Fragen- und Antwortenkatalog wird ergänzt um „Informationen zum Antibiotika-Minimierungskonzept".


2. Wer ist mitteilungspflichtig?

Das Konzept wendet sich an berufs- und gewerbsmäßige Halter von Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten, die zur Fleischgewinnung (Mast) bestimmt sind. Um den Einsatz von Antibiotika in den verschiedenen Mastabschnitten von Rind und Schwein differenziert betrachten zu können, wird bei diesen Tierarten noch zwischen den Nutzungsarten Mastkälber (unter 8 Monaten) und Mastrinder (ab 8 Monaten) bzw. Ferkel bis einschließlich 30 kg sowie Mastschweine über 30 kg unterschieden.
Ende Juni 2014 wurde die Tierarzneimittel-Mitteilungen-Durchführungsverordnung veröffentlicht. Diese Verordnung legt folgende Bestandsuntergrenzen fest, die kleinere Betriebe von den Mitteilungspflichten der 16. AMG-Novelle befreit. Die Bestanduntergrenzen lauten wie folgt:

  • 20 Mastkälber bis zum Alter von 8 Monaten
  • 20 Mastrinder ab einem Alter von 8 Monaten
  • 250 Ferkel vom Absetzen bis zu einem Gewicht von einschließlich 30 kg
  • 250 Mastschweine mit einem Gewicht von über 30 kg
  • 1.000 Mastputen ab dem Schlüpfen
  • 10.000 Masthühner ab dem Schlüpfen

Somit ist mitteilungspflichtig, wer die oben genannten Bestandsuntergrenzen für die jeweilige Nutzungsart im Durchschnitt eines Kalenderhalbjahres überschreitet.

Sollten sich Betriebe vorsorglich als "mitteilungspflichtig" für eine Nutzungsart gemeldet haben, obwohl die durchschnittlich gehaltene Tierzahl die Bestandsuntergrenze nicht überschreitet, ist die fehlerhafte als "mitteilungspflichtig" eingetragene Nutzungsart in "nicht mitteilungspflichtig" zu ändern. Eine Anleitung für diese Änderung kann auf dieser Seite heruntergeladen werden.


3. Wann ist was mitzuteilen?

Seit dem 1. April 2014 können die gemäß § 58a Arzneimittelgesetz (AMG) geforderten Mitteilungen über Tierhaltungen in der TAM-Datenbank eingegeben werden. Name, Tierhaltungsstandort und Registriernummer gemäß Viehverkehrsverordnung (VVVO-Nr.) sind in HI-Tier bereits hinterlegt und müssen nur auf Aktualität überprüft werden.
Lediglich die Nutzungsarten müssen noch durch den Tierhalter ergänzt werden. Jeder Tierhalter, der eine mitteilungspflichtige Nutzungsart in seinem Betrieb hält, muss in der TAM-Datenbank aktiv seine Nutzungsart als mitteilungspflichtig angeben. Dies musste erstmals zum 01.07.2014 erfolgen. Für alle jetzt neu entstehenden mitteilungspflichtigen Tierhaltungen muss die Nutzungsart spätestens 14 Tage nach Beginn der Tierhaltung angegeben werden.

Die Daten zur Arzneimittelanwendung gemäß § 58b AMG werden je Kalenderhalbjahr erfasst. Spätestens am 14. Januar bzw. 14. Juli müssen die Daten für das jeweils vorausgegangene Halbjahr eingegeben sein. Für das 1. Kalenderhalbjahr 2016 beispielsweise muss dieses spätestens bis zum 14. Juli 2016 erfolgen.

Zusätzlich müssen, wenn Antibiotika angewendet wurden, für jedes Erfassungshalbjahr der Anfangsbestand (am 01. Januar bzw. 01. Juli) sowie die Zu- und Abgänge einschließlich der Tierverluste in die Datenbank eingegeben werden. Die Frist für die Eingabe dieser Daten ist, wie bei den Daten zur Arzneimittelanwendung, jeweils der 15. Januar bzw. der 15. Juli.

Mitteilungspflichtigen Betrieben, die in einem Erfassungshalbjahr keinen Antibiotikaeinsatz hatten, wird dringend empfohlen eine "Nullmeldung" abzugeben. Eine Anleitung zur Abgabe einer "Nullmeldung" kann auf dieser Seite heruntergeladen werden.

Der zeitliche Ablauf für das 1. und 2. Kalenderhalbjahr veranschaulicht in einem Diagramm

Vorschaubild
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4. Wie kann ich mitteilen?

Bund und Länder haben vereinbart die Datenbank des Herkunftssicherungs- und Informationssystems für Tiere (HI-Tier) zur Erfassung des Antibiotikaeinsatzes zu nutzen. Diese Datenbank ist um eine Tierarzneimittel (TAM) - Datenbank erweitert worden. VIT w. V. Verden wurde als Regionalstelle für die Mitteilungen gemäß Arzneimittelgesetz in Niedersachsen benannt.

Für schriftliche Mitteilungen verwenden Sie bitte folgende Formulare, die auch als Downloadobjekte auf dieser Seite heruntergeladen werden können:

Mitteilung der Nutzungsart nach §58a Arzneimittelgesetz (AMG)

Mitteilung des Tierbestandes sowie der Zu- und Abgänge nach § 58b Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 AMG

Mitteilung des Tierbestandes sowie der Zu- und Abgänge für Rinderhaltung

Mitteilung der Antibiotikaanwendung nach § 58b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1-4 AMG

Benennung eines Dritten für o.a. Mitteilungen nach AMG (Tierhalter-Erklärung)

Schriftliche Versicherung nach § 58b Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 AMG- Der Tierhalter versichert hiermit gegenüber der zuständigen Behörde, bei der Behandlung nicht von der Behandlungsanweisung des Tierarztes abgewichen zu sein.
Diese Versicherung kann nur für jedes Halbjahr im Nachhinein erfolgen - daher bitte erst nach Ablauf des Kalenderhalbjahres an VIT w. V. Verden senden!

Daten gemäß §§ 58a und 58b AMG können auch aus dem Herdenmanagementprogramm des Tierhalters in die TAM-Datenbank von HI-Tier übertragen werden, wenn dieses Programm über eine entsprechende Schnittstelle verfügt. Vergleichbares gilt auch für die Angaben aus Datenbanksystemen von sogenannten Dritten (Hoftierärzte oder die QS-GmbH).


5. Was ist die betriebliche Therapiehäufigkeit?

Wenn die Daten nach Ablauf eines Halbjahres in der staatlichen Datenbank vorliegen, erfolgt automatisch die Berechnung der halbjährlichen Therapiehäufigkeit je Betrieb und anschließend die Ermittlung der bundesweiten Kennzahlen 1 und 2. Die halbjährliche Therapiehäufigkeit gibt an, an wie vielen Tagen des Halbjahres ein Tier in einem Bestand im Durchschnitt mit einem antibiotischem Wirkstoff behandelt wurde. Es ist eine reine Rechengröße, um Betriebe vergleichen zu können, die dieselben zur Mast bestimmten Tier- oder Nutzungsarten halten.
Werden in einem Halbjahr hintereinander mehrere „Tier-Durchgänge" auf einem „Mastplatz" gehalten, bezieht sich die betriebliche halbjährliche Therapiehäufigkeit nicht auf ein einzelnes Tier, sondern den „Mastplatz".
Haben Sie nach der Feststellung der betrieblichen halbjährlichen Therapiehäufigkeit für Ihren Betrieb noch Mitteilungen zum Antibiotikaeinsatz oder zu Tierbeständen für das abgelaufene Kalenderhalbjahr korrigiert oder ergänzt, so wird in HI-Tier zusätzlich eine „aktualisierte betriebliche halbjährliche Therapiehäufigkeit" angezeigt.


6. Wie erfahre ich die betriebliche halbjährliche Therapiehäufigkeit für meine Tierhaltung?

Zunächst werden die betrieblichen halbjährlichen Therapiehäufigkeiten Ende Februar (für das II. Kalenderhalbjahr des Vorjahres) bzw. Ende August (für das I. Kalenderhalbjahr des laufenden Jahres) an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zur Ermittlung der Kennzahlen 1 und 2 übermittelt (siehe Frage 7). Zeitgleich teilt das LAVES jedem Tierhalter die betriebliche halbjährliche Therapiehäufigkeit für seine Nutzungsarten schriftlich mit. Ein Muster dieses Schreibenskönnen Sie hier ansehen. Hat der Tierhalter in der Hi-Tier-Datenbank unter seinem TAM-Profil die Option "online Abruf" gewählt, so muss er halbjährlich selbständig seine betriebliche Therapiehäufigkeit einsehen, mit den bundesweiten Kennzahlen vergleichen und dies dokumentieren.

Auch wenn nach der Feststellung der Therapiehäufigkeiten noch Daten in der HI-Tier Datenbank korrigiert oder ergänzt worden sind, muss der Tierhalter selbständig die aktualisierte Therapiehäufigkeit ermitteln (siehe auch Frage 5).

Der Tierhalter kann die betriebliche halbjährliche Therapiehäufigkeit für seine Nutzungsarten unter der Rubrik „Therapiehäufigkeit, Kennzahlen, TAM-Vorgänge - Detailansicht" in HI-Tier ablesen. Weitere Informationen zum Umgang mit der betrieblichen Therapiehäufigkeit enthalten die „Informationen zum Antibiotika-Minimierungskonzept", die auf dieser Seite heruntergeladen werden können.


7. Was sind die Kennzahlen 1 und 2?

Die Kennzahl 1 ist der Wert, unter dem 50 Prozent aller erfassten halbjährlichen Therapiehäufigkeiten in der entsprechenden Nutzungsart liegen. Die Kennzahl 2 ist der Wert, unter dem 75 Prozent aller erfassten halbjährlichen betrieblichen Therapiehäufigkeiten liegen.

Die Tierhalter müssen nach Bekanntgabe der Kennzahlen ihre halbjährliche betriebliche Therapiehäufigkeit mit den bundesweiten Kennzahlen 1 und 2 vergleichen. Liegt ihre halbjährliche betriebliche Therapiehäufigkeit unter Kennzahl 1, steht die Ampel für diesen Betrieb auf grün, das heißt es ist nichts zu veranlassen. Liegt ihre halbjährliche betriebliche Therapiehäufigkeit über der Kennzahl 1, aber noch unter Kennzahl 2, so steht die Ampel für diesen Betrieb auf gelb, das heißt es ist zu prüfen, welche Ursachen zu dem überdurchschnittlichen Verbrauch geführt haben. Bestehen Möglichkeiten, den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren, so sind diese zu nutzen.

Liegt ihre halbjährliche betriebliche Therapiehäufigkeit über der Kennzahl 2, steht die Ampel für diesen Betrieb auf rot, das heißt es sind - gemeinsam mit dem Tierarzt - die Ursachen für diesen erheblich überdurchschnittlichen Verbrauch zu ermitteln und ein „Maßnahmenplan" aufzustellen, mit dem die Tiergesundheit im Bestand so verbessert werden kann, dass eine Reduktion der Antibiotika möglich ist.

Je sorgfältiger die Analyse des Gesundheitsstatus und Managementsystems im Betrieb durch den Tierhalter und Tierarzt erfolgt, desto eher wird der „Maßnahmenplan" die Tiergesundheit nachhaltig verbessern können, so dass die Behörde keinen Grund hat ergänzende Anordnungen treffen zu müssen. Weitere Informationen zu den Kennzahlen enthalten die „Informationen zum Antibiotika-Minimierungskonzept", die auf dieser Seite zur Verfügung stehen.


8. Wie lauten die bundesweiten Kennzahlen 1 und 2 für das II. Kalenderhalbjahr 2015?

Folgende bundesweiten Kennzahlen 1 und 2 für das II. Kalenderhalbjahr 2015 wurden am 31.3.2016 bekannt gegeben.

Nutzungsart

Kennzahl 1

Kennzahl 2

Mastkälber bis zum Alter von 8 Monaten

0,000

2,707

Mastrinder ab einem Alter von 8 Monaten

0,000

0,000

Ferkel vom Absetzen bis zu einem Gewicht von einschließlich 30 kg

3,490

13,570

Mastschweine mit einem Gewicht von über 30 kg

0,547

4,635

Masthühner ab dem Schlüpfen

11,860

22,019

Mastputen ab dem Schlüpfen

18,357

32,338

Die Angabe der Kennzahlen erfolgt ohne Gewähr.


9. Welchen Inhalt soll ein „Maßnahmenplan" enthalten?

Der Maßnahmenplan ist nach den Vorgaben des §3 Abs. 1 "Mindestangaben für einen schriftlichen Plan" der "Verordnung mit arzneimittelrechtlichen Vorschriften über die Arzneimittelverwendung in landwirtschaftlichen Betrieben" vom 25. Juli 2015 zu erstellen. Darin müssen möglichst detaillierte Angaben zum Betrieb enthalten sein, um die betriebliche halbjährliche Therapiehäufigkeit tatsächlich beurteilen zu können. Es sind Gründe aufzuführen, die zur Überschreitung der Kennzahl 2 geführt haben. Des Weiteren sollte in dem Maßnahmenplan das Ergebnis der tierärztlichen Beratung dokumenitert werden und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Tiergesundheit, um den Antibiotikaeinsatz zu minimieren, angegeben werden.

Konkrete Informationen zum Inhalt des Maßnahmenplans finden Sie in den „Informationen zum Antibiotika-Minimierungskonzept", die auf dieser Seite heruntergeladen werden können.

Des Weiteren können Sie auch unsere Mustermaßnahmenpläne nutzen für die Tierarten Rind, Schwein, Pute und Masthuhn . Diese wurden aufgrund der o.g. Verordnung ausgearbeitet und mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Tierärztekammer Niedersachsen abgestimmt. Die Muster können auf dieser Seite in der Rubrik "Maßnahmenpläne" heruntergeladen werden.

Bei Überschreitung der Kennzahlen für Mastrinder über 8 Monate ist statt eines umfassenden Maßnahmenplans eine Erklärung ausreichend, dass eine Behandlung eines oder weniger Einzeltiere für die Kennzahlüberschreitung ursächlich ist. Ein Muster eines verkürzten Maßnahmenplansist ebenfalls in der Rubrik "Maßnahmenpläne" hinterlegt.


10. Welche Aufgaben nimmt das LAVES im Zusammenhang mit der Antibiotika-Minimierung in Niedersachsen wahr?

Das LAVES ist zuständige Behörde für die Entgegennahme der Mitteilungen und Erklärungen nach den §§ 58 a und b sowie für die Ermittlung der halbjährlichen betrieblichen Therapiehäufigkeit und deren Weitergabe an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und ggf. das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nach § 58c.

Die Ermittlung der betrieblichen halbjährlichen Therapiehäufigkeit sowie die Weiterleitung an das BVL und BfR erfolgt automatisiert durch HI-Tier.

Das LAVES ist darüber hinaus zuständig für die

  • Entgegennahme der „Maßnahmenpläne" gemäß § 58d AMG
  • Überwachung der Einhaltung der § 58 a bis § 58d AMG

11. Welche weiteren Informationen stellt das LAVES zur Verfügung?

Das LAVES hat die 16. AMG-Novelle auf zahlreichen Informationsveranstaltungen für Tierärzte und Tierhalter vorgestellt.

Eine Auswahl der Vorträge steht als Download zur Verfügung:

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