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15 Jahre Futtermittelinstitut Stade

Seit nunmehr 15 Jahren werden die Proben aus der amtlichen Futtermittelüberwachung der Länder Niedersachsen und Bremen in den Laboren des Futtermittelinstituts Stade auf ihre Qualität und Sicherheit geprüft. Hinzu kommen Aufträge aus der "Norddeutschen Kooperation", dem Untersuchungsverbund norddeutscher Länder für eine effiziente Laboranalytik, und Proben von niedersächsischen Kommunalbehörden, die z.B. aus Tierschutzgründen gezogen wurden. Das Institut hat derzeit 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon vier Auszubildende.

Im Jahr 2019 wird der Institutsstandort 100 Jahre alt, denn im Jahre 1919 wurde in Stade eine Untersuchungsanstalt für Fohlenkrankheiten gegründet, aus der in den 1930er Jahren das Veterinäruntersuchungsamt hervorgegangen ist. 2001 wurde es dem neugegründeten LAVES angegliedert.
Rind
Rind

Geboren aus der Krise

Mit dem ersten deutschen Fall des "Rinderwahns" (bovine spongiforme Enzephalopathie, BSE) im Jahr 2000 wurden eklatante Mängel der Überwachungssysteme des gesundheitlichen Verbraucherschutzes offenbar. Die niedersächsische Landesregierung reagierte darauf mit der Integration der laborgestützten Futtermittelkontrolle in das amtliche System des gesundheitlichen Verbraucherschutzes des LAVES. So wurde am 1.1.2003 aus der damaligen Außenstelle des Veterinärinstituts Oldenburg in Stade das eigenständige Futtermittelinstitut des LAVES mit einem völlig neuen Aufgabengebiet.

Von der Diagnostik zur Analytik

In dem primär auf Veterinärdiagnostik ausgerichteten Institut gab es nur im Bereich der Rückstandsanalytik chemisch ausgebildetes Personal. Dazu gehörten ein Chemiker, ein spezialisierter Tierarzt und fünf chemisch ausgebildete technische Assistentinnen. Das mikrobiologische Wissen der Diagnostiker war auf die Erfordernisse der hygienischen Futtermitteluntersuchung übertragbar. Alle übrigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mussten sich jedoch in die chemische Analytik einarbeiten, während die veterinärdiagnostischen Aufgaben allmählich an andere LAVES Standorte verlagert wurden.

Durch die Bereitschaft des Stammpersonals, sich völlig neue Arbeitsfelder zu erschließen, eine gezielte Verstärkung mit Fachkräften und bauliche Anpassungen ist es dem Institut gelungen, sein Untersuchungsspektrum für das Spezialgebiet "Futtermitteluntersuchung" zu entwickeln und bis heute erheblich zu erweitern.

PCB-Analytik
PCB-Analytik

Jetzt stimmt die Chemie

Heute ist das Futtermittelinstitut in sechs Fachbereiche gegliedert:

Der Fachbereich "Futtermittelkunde und Probenmanagement" ist der zentrale Anlaufpunkt für das Probenmanagement innerhalb des Instituts und für die, methodisch variantenreiche, Vorbereitung der Proben verantwortlich. Hier findet auch die Kommunikation mit den Futtermittelprüfern im Außendienst statt, um alle Problemfälle zeitnah strategisch zu klären.

Die Fachbereiche "organisch-chemische Untersuchungen" und "anorganisch-chemische Untersuchungen" spüren mit hochmodernen Analysengeräten geringste Stoffspuren auf. Im Untersuchungsfokus steht hier ein großes Spektrum an unerwünschten oder unzulässigen Stoffen, u.a. Umweltkontaminanten, sowie erlaubter aber höchstmengenbeschränkter Substanzen aus der großen Gruppe der Futtermittelzusatzstoffe oder pharmakologisch wirksamer Substanzen.

Der Fachbereich "wertgebende Bestandteile" überprüft den deklarierten Gehalt der Inhaltsstoffe, die der eigentlichen Ernährung dienen, und bestimmt den Energiegehalt von Futtermitteln.

Fremdkörper in Futtermitteln
Fremdkörper in Futtermitteln

Die Anteile der Einzelfutterkomponenten an der Zusammensetzung von Mischfuttermitteln werden im Fachbereich "Mikroskopie und Molekularbiologie" ermittelt. Auch verbotene Stoffe, wie Verpackungsmaterial oder Giftpflanzen, werden hier erfasst und Einzelfuttermittel auf ihre botanische Reinheit geprüft. Mit der Lockerung des Fütterungsverbotes für Tiermehle ist die Etablierung molekularbiologischer Techniken notwendig geworden, und so wurde ein PCR- (Polymerase Kettenreaktion) Labor eingerichtet. Jetzt besteht die Möglichkeit, verbotenes Wiederkäuer Material nachzuweisen.

Die hygienische Beurteilung von Futtermitteln ist Sache des Fachbereichs "mikrobiologische und physiko-chemische Untersuchungen". Hier spielt auch der Ausschluss von Zoonoseerregern (v.a. Salmonellen und Listerien) eine wichtige Rolle. Neben der Untersuchung auf verschiedenste Probiotika werden auch enzymatische Untersuchungen auf Phytasen und Harnstoff durchgeführt.

Futtermittel-Vormischung
Futtermittel-Vormischung

Flexibel und krisenfest vernetzt

In den 15 Jahren seines Bestehens hat sich das Futtermittelinstitut in zahlreichen Krisen bewähren müssen. Kaum hatte es seine Tätigkeit aufgenommen, gerieten z.B. im Jahr 2003 Futtermittel in den Verdacht, für die Kontamination von Eiern mit dem Kokzidiostatikum Lasalocid-Natrium ursächlich zu sein. Umgehend wurde am Institut eine belastbare, massenspektrometrische Nachweismethode entwickelt und etabliert. Im Krisenfall wird, wenn es sein muss, auch das "Genre" gewechselt, so erstellte das Futtermittelinstitut eine Nachweismethode für Nikotin im Lebensmittel Ei und bewährte sich in der Melaminkrise als Kompetenzzentrum für die Kontrolle von Sojasaucenimporten.

Zur Nutzung von Synergieeffekten kooperiert das Futtermittelinstitut bei dem Nachweis von Dioxinen, Pflanzenschutzmitteln und GVO (gentechnisch veränderten Organismen) mit den Lebensmittel- und Veterinärinstituten Oldenburg und Braunschweig. Die Anforderungen des Futtermittelkontrollplans werden somit vollständig erfüllt.

Durch die gestaltende Mitarbeit in Gremien hat sich das Institut über Niedersachsen hinaus einen sehr guten Ruf erarbeitet. Ein Ausdruck dafür ist die Ausrichtung der diesjährigen Frühjahrstagung der Fachgruppe VI "Futtermitteluntersuchung" des VDLUFA im April in Stade. Hier treffen sich FachkollegInnen aus zahlreichen Untersuchungseinrichtungen zum Erfahrungsaustausch.

Probenlager

Probenlager

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