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Tularämie (Hasenpest) bei Hasen in Niedersachsen

eine gefährliche Zoonose beim Hasen



Die Tularämie ist eine hochansteckende Zoonose, also eine vom Tier auf den Menschen übertragbare Erkrankung. Sie wird durch Bakterien der Art Francisella tularensis hervorgerufen. In Deutschland kommt die Tularämie heutzutage vergleichsweise selten vor, kann jedoch unbehandelt zu schweren klinischen Symptomen führen.


Vor 100 Jahren

wurde in den USA im kalifornischen Bezirk Tulare erstmals eine Erkrankung bekannt, die durch eine neue Bakterienart verursacht wurde. Diese Bakterien wurden von Tieren auf Menschen übertragen und später nach dem Bezirk und zu Ehren des amerikanischen Bakteriologen Edward Francis als Francisella tularensis bezeichnet. Die Krankheit wurde Tularämie genannt oder nach betroffenen Tierarten u. a. als Hasenpest, Nagerpest oder Lemmingfieber bezeichnet.


In den folgenden Jahrzehnten

wurden Tularämie-Erkrankungen aus vielen Ländern der nördlichen Hemisphäre berichtet, z. T. Ausbrüche mit mehreren tausend erkrankten Personen. In Nordamerika wurden zwei verschiedene Unterarten des Krankheitserregers nachgewiesen: Francisella tularensis subspecies tularensis, die sehr schwere Erkrankungen verursacht, und Francisella tularensis subspecies holarctica. In Nordeuropa kam dagegen nur die, einen zumeist milderen Krankheitsverlauf verursachende Unterart Francisella tularensis subspecies holarctica vor.


In Deutschland

gab es seit 1931 Berichte über Erkrankungen beim Menschen. In den folgenden Jahren wurden Fälle aus Schleswig-Holstein, speziell von der Halbinsel Eiderstedt, sowie aus Bayern gemeldet. Mitte der sechziger Jahre kamen Fälle aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen hinzu. Zwischen 1949 und 2006 wurden insgesamt 688 Tularämiefälle beim Menschen amtlich registriert (Quelle: Robert Koch-Institut, 2007).

Diese Infektionen wurden vor allem durch den Kontakt mit infizierten Hasen oder durch den Verzehr infizierter Hasen, oder durch mutmaßliche Infektionen im Ausland erworben oder waren hinsichtlich der Ursachenfeststellung nicht mehr eingrenzbar. Möglicherweise aufgrund des Strukturwandels in der Landwirtschaft gingen die Ausbrüche Ende der sechziger Jahre bis auf wenige sporadisch auftretende Erkrankungsfälle zurück, wobei wegen der unspezifischen klinischen Symptome eine beträchtliche Zahl nicht erkannter Erkrankungen vermutet werden kann.


Erst im Jahre 2005

rückte die Tularämie in Deutschland wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Nach einer Treibjagd in Hessen litten einige Teilnehmer an hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie vereinzelt Lymphknotenschwellungen. Die erkrankten Jäger hatten sich im Anschluss an die Jagd am Abhäuten und Zerlegen der Hasen beteiligt. Was zunächst wie Grippe aussah, erwies sich nach den medizinischen Untersuchungen schließlich als Tularämie.


Die Übertragung des Erregers

vom Tier auf den Menschen kann auf verschiedene Weise erfolgen. An erster Stelle ist hier sicherlich der unmittelbare Kontakt mit einem infizierten Tier zu nennen. Auch die Zubereitung und der Verzehr von nicht genügend durchgegartem Fleisch birgt ein Infektionsrisiko. Selbst in tiefgekühltem Wildbret bleibt die Ansteckungsfähigkeit über Monate hinweg erhalten. Durch Braten wird Francisella tularensis aber zuverlässig abgetötet. Aus anderen Ländern wie zum Beispiel Bulgarien und Rumänien stammen Berichte über Masseninfektionen durch den Genuss erregerhaltigen Wassers. Eine Übertragung kann auch durch die Inhalation erregerhaltigen Staubes oder kleiner Tröpfchen, in denen sich der Erreger befindet, oder durch Zecken und Stechmücken erfolgen. Erst vor kurzem ist eine Übertragung von Francisella tularensis in Deutschland durch eine Stechmücke auf ein Kind beschrieben worden.

Allen Infektionswegen ist gemeinsam, dass nur wenige Bakterien ausreichen, um eine Erkrankung hervorzurufen. Die für eine Ansteckung ausreichende Erregermenge beträgt lediglich etwa 10 Keime. Zum Vergleich: Um an einer Salmonellose zu erkranken, müssen mindestens 500.000 Keime aufgenommen werden.


Das Krankheitsbild beim Menschen

ist vielschichtig und hängt von der Eintrittspforte in den Körper ab. Nach wenigen Tagen können grippeähnliche Symptome mit hohem Fieber, Lymphknotenschwellung, Kopf- und Gliederschmerzen, Durchfall oder Erbrechen und bei Infektionen über kleinste Hautwunden auch schlecht heilende Geschwüre festgestellt werden.

Hunde können, wenn wahrscheinlich auch nur selten, ebenfalls infiziert werden und erkranken. In diesen Fällen können sie durchaus eine Infektionsquelle für den Menschen darstellen, wie bei einem Tularämie-Ausbruch vor einigen Jahren in Frankreich mit 15 erkrankten Personen vermutet wurde.


Beim Hasen

verläuft die Krankheit in der Regel akut und führt innerhalb weniger Tage zum Tod. Tote Tiere oder Hasen, die ein mangelndes oder sogar fehlendes Fluchtverhalten zeigen, sollten auf keinen Fall berührt werden. In solchen Fällen sollte der Revierinhaber oder die Polizei informiert werden und die Tiere – soweit sie aus Niedersachsen stammen – dem Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover der Untersuchung zugeführt werden.



Untersuchungsergebnisse des LAVES

Vom Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover (LVIdes LAVES wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, dem Nationalen Referenzlabor für Tularämie am Friedrich-Loeffler-Institut in Jena sowie dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München eine der weltweit umfangreichsten, wissenschaftlichen Studien durchgeführt.

In den Jagdjahren 2006/7 bis 2014/15 wurden mehr als 2.500 Feldhasen und 65 Wildkaninchen untersucht. Die Aufbrüche wurden durch Mitarbeitende des ITAW anlässlich aktueller Jagden entnommen und dem LVI BS/H zur Untersuchung zur Verfügung gestellt. Das untersuchte Fallwild stammte aus den laufenden landesweiten Einsendungen an das LVI BS/H zur Abklärung der Krankheits-/Todesursache.

Bei 51 (2 %) Feldhasen (39 Fallwild, 12 erlegte Hasen) und einem (1,5 %) Wildkaninchen wurde F. tularensis ssp. holarctica nachgewiesen. Die meisten Erregernachweise erfolgten in den Landkreisen Wittmund und Vechta sowie in der Region Hannover.

Daraus kann gefolgert werden, dass im Allgemeinen ein geringes Infektionsrisiko besteht. Allerdings ist dieses Risiko insbesondere in Endemiegebieten für Jagdausübende (aber auch für Waldarbeiter/-innen, Veterinäre u. ä.) erhöht. Beim Ausnehmen der Tiere sollten daher Hygienemaßnahmen strikt eingehalten werden.

Bei infizierten Stücken werden allgemeine Symptome wie Schwäche, Fieber und eine erhöhte Atemfrequenz beobachtet. Im Feld fällt auf, dass erkrankte Tiere ihre Scheu verlieren und vom Hund oder auch vom Jäger gegriffen werden können. Am Aufbruch ist zu erkennen, dass oftmals die Lymphknoten sowie Milz und Leber vergrößert sind. Auch können häufig weiße, stecknadelkopfgroße Herde an den genannten Organen festgestellt werden, bei denen es sich in der Regel um Gewebeuntergänge (Nekrosen) handelt. Allerdings kommen bei diesem Bild differenzialdiagnostisch auch andere Erkrankungen in Betracht.


Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Tularämie im Vergleich zu anderen Erkrankungen selten nachgewiesen wird, aber in der Hasenpopulation Niedersachsens durchaus vorkommt.

Bei allen Bakterienisolaten handelte es sich um die weniger gefährliche Unterart Francisella tularensis suspecies holarctica. Trotzdem muss darauf hingewiesen werden, dass auf der Basis dieser Untersuchungsergebnisse ein gewisses Infektionsrisiko durch Tularämie vor allem für Jagdausübende besteht, das aber durch die Anwendung und Einhaltung fleisch- und vor allem allgemeinhygienischer Grundsätzen beim Umgang mit dem Wild minimiert werden kann.


Verteilungsmuster positiver Tularämiefälle in Niedersachsen  
Verteilungsmuster positiver Tularämiefälle in Niedersachsen
Hase

Hier finden Sie Merkblätter des LAVES für Jagdausübende zum Download:

 Tularämie (Hasenpest)
(PDF, 0,04 MB)

 Yersiniose (Pseudotuberkulose)
(PDF, 0,04 MB)

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