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Tularämie bei Hasen in Niedersachsen

Hochansteckende Zoonose kann auch für Menschen gefährlich sein


Die Tularämie - auch Hasenpest genannt - ist eine hochansteckende Zoonose, also eine vom Tier auf den Menschen übertragbare Erkrankung. Sie wird durch Bakterien der Art Francisella tularensis hervorgerufen. In Nordeuropa kommt die Unterart Francisella tularensis subspecies holarctica vor, die einen zumeist milderen Krankheitsverlauf verursacht.

In den Jagdjahren 2016/17 bis 2020/21 (Stand: 19. April 2021) wurden im Lebensmittel- und Veterinärinstitut in Hannover des LAVES zur Ermittlung von Todes- und Krankheitsursachen 433 Feldhasen und 122 Wildkaninchen aus Niedersachsen unter anderem auf Tularämie untersucht.

In diesem Zeitraum wiesen 37 Feldhasen (acht Prozent) den Krankheitserreger auf. Bei den untersuchten Wildkaninchen wurde der Erreger nicht nachgewiesen.

Bildrechte: ©LAVES
Kolonien des Infektionserregers Francisella tularensis subspecies holarctica auf einer Blutplatte

Der Labornachweis des Infektionserregers erfolgte mittels akkreditierter bakteriologischer und molekularbiologischer Untersuchungsmethoden. Ergänzende weiterführende Untersuchungen zur Bestätigung des Erregernachweises und zur Ermittlung der genetischen Variabilität erfolgten in Kooperation mit dem zuständigen Referenzlabor für Tularämie im Friedrich-Loeffler-Institut in Jena.

Die meisten Erregernachweise zeigten sich in folgenden Regionen:

  • Region Hannover: 27 Prozent (Anzahl untersuchte Proben: 34/ Anzahl positive Proben: 9),
  • Landkreis Osnabrück: 21 Prozent (39/8)
  • Einzugsgebiet Jade-Weser: 17 Prozent (48 /8).
In den Jahren vor 2016 wurde die Mehrzahl der Nachweise in den Landkreisen Wittmund (zwölf Prozent, 139/17) und Vechta (ein Prozent, 80/1) geführt.

Fazit:

Die Untersuchungsergebnisse deuten auf ein geringes Vorkommen hin. Die Tularämie - hier verursacht durch die weniger gefährliche Bakterien-Unterart Francisella tularensis subspecies holarctica - wird eher selten in niedersächsischen Hasenpopulationen diagnostiziert. Bereits in früheren Untersuchungen wurde in Niedersachsen ein durchschnittliches Vorkommen des Erregers bei Hasen von etwa zwei Prozent festgestellt.

Trotzdem muss darauf hingewiesen werden, dass auf Basis der vorliegenden Untersuchungsergebnisse ein gewisses Infektionsrisiko durch Tularämie vor allem für Jägerinnen und Jäger besteht. Dieses kann jedoch minimiert werden, wenn fleisch- und vor allem allgemeinhygienische Grundsätze beim Umgang mit Wild angewendet und eingehalten werden. Beispielsweise sollten beim Versorgen Einmalhandschuhe verwendet und Atemschutzmasken (FFP-2) getragen werden. Wildbret sollte vor dem Verzehr immer ausreichend erhitzt werden.

Privatpersonen, die einen verendeten Hasen oder Kaninchen auffinden oder Tieren mit mangelndem Fluchtverhalten begegnen, sollten sich an Revierleitung wenden oder die Polizei verständigen, die Tiere aber nicht anfassen.

Blick in die Geschichte:

Vor 100 Jahren wurde in den USA im kalifornischen Bezirk Tulare erstmals eine Erkrankung bekannt, die durch eine neue Bakterienart verursacht wurde. Diese Bakterien wurden von Tieren auf Menschen übertragen und später nach dem Bezirk und zu Ehren des amerikanischen Bakteriologen Edward Francis als Francisella tularensis bezeichnet. Die Krankheit wurde Tularämie genannt oder - je nach betroffener Tierart - unter anderem als Hasenpest, Nagerpest oder Lemmingfieber bezeichnet.

In den folgenden Jahrzehnten wurden Tularämie-Erkrankungen aus vielen Ländern der nördlichen Hemisphäre berichtet - zum Teil Ausbrüche mit mehreren Tausend erkrankten Personen. In Nordamerika wurden zwei verschiedene Unterarten des Krankheitserregers nachgewiesen: Francisella tularensis subspecies tularensis, die sehr schwere Erkrankungen verursacht, und Francisella tularensis subspecies holarctica. In Nordeuropa kam dagegen nur die, einen zumeist milderen Krankheitsverlauf verursachende Unterart Francisella tularensis subspecies holarctica vor.


Vorkommen in Deutschland

In Deutschland gab es seit 1931 Berichte über Erkrankungen beim Menschen. In den folgenden Jahren wurden Fälle aus Schleswig-Holstein - speziell von der Halbinsel Eiderstedt - sowie aus Bayern gemeldet. Mitte der 60er-Jahre kamen Fälle aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen hinzu. Zwischen 1949 und 2006 wurden insgesamt 688 Tularämiefälle beim Menschen amtlich registriert (Quelle: Robert Koch-Institut, 2007).

Diese Infektionen erfolgten vor allem durch den Kontakt mit infizierten Hasen oder durch den Verzehr infizierter Hasen. In anderen Fällen infizierten sich Personen mutmaßlich im Ausland oder die Ursache für die Infektion blieb unklar.

Möglicherweise aufgrund des Strukturwandels in der Landwirtschaft gingen die Ausbrüche Ende der 60er-Jahre bis auf wenige sporadisch auftretende Erkrankungsfälle zurück. Aufgrund der unspezifischen klinischen Symptome kann aber eine beträchtliche Zahl nicht erkannter Erkrankungen vermutet werden.

Erst im Jahr 2005 rückte die Tularämie in Deutschland wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Nach einer Treibjagd in Hessen litten einige Teilnehmer an hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie vereinzelt Lymphknotenschwellungen. Die erkrankten Jäger hatten sich im Anschluss an die Jagd am Abhäuten und Zerlegen der Hasen beteiligt. Was zunächst wie Grippe aussah, erwies sich nach den medizinischen Untersuchungen schließlich als Tularämie.


Übertragung des Erregers

Die Übertragung vom Tier auf den Menschen kann auf verschiedene Weise erfolgen. An erster Stelle ist hier sicherlich der unmittelbare Kontakt mit einem infizierten Tier zu nennen. Auch die Zubereitung und der Verzehr von nicht genügend durchgegartem Fleisch birgt ein Infektionsrisiko. Selbst in tiefgekühltem Wildbret bleibt die Ansteckungsfähigkeit über Monate hinweg erhalten. Durch Braten wird Francisella tularensis aber zuverlässig abgetötet.

Aus anderen Ländern wie zum Beispiel Bulgarien und Rumänien stammen Berichte über Masseninfektionen durch den Genuss erregerhaltigen Wassers. Eine Übertragung kann auch durch die Inhalation erregerhaltigen Staubes oder kleiner Tröpfchen, in denen sich der Erreger befindet, oder durch Zecken und Stechmücken erfolgen. Erst vor kurzem ist eine Übertragung von Francisella tularensis in Deutschland durch eine Stechmücke auf ein Kind beschrieben worden.

Allen Infektionswegen ist gemeinsam, dass nur wenige Bakterien ausreichen, um eine Erkrankung hervorzurufen. Die für eine Ansteckung ausreichende Erregermenge beträgt lediglich etwa zehn Keime. Zum Vergleich: Um an einer Salmonellose zu erkranken, müssen mindestens 500.000 Keime aufgenommen werden.


Krankheitsbilder

Das Krankheitsbild beim Menschen ist vielschichtig und hängt von der Eintrittspforte in den Körper ab. Nach wenigen Tagen können grippeähnliche Symptome mit hohem Fieber, Lymphknotenschwellung, Kopf- und Gliederschmerzen, Durchfall oder Erbrechen und bei Infektionen über kleinste Hautwunden auch schlecht heilende Geschwüre festgestellt werden.

Hunde können, auch wenn wahrscheinlich nur selten, ebenfalls infiziert werden und erkranken. In diesen Fällen können sie durchaus eine Infektionsquelle für den Menschen darstellen, wie bei einem Tularämie-Ausbruch vor einigen Jahren in Frankreich mit 15 erkrankten Personen vermutet wurde.

Beim Hasen verläuft die Krankheit in der Regel akut und führt innerhalb weniger Tage zum Tod. Tote Tiere oder Hasen, die ein mangelndes oder sogar fehlendes Fluchtverhalten zeigen, sollten auf keinen Fall berührt werden. In solchen Fällen sollte der Revierinhaber oder die Polizei informiert werden und die Tiere – soweit sie aus Niedersachsen stammen – dem Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover der Untersuchung zugeführt werden.

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Hier finden Sie Merkblätter des LAVES für Jagdausübende zum Download:

 Tularämie (Hasenpest)
(PDF, 0,04 MB)

 Yersiniose (Pseudotuberkulose)
(PDF, 0,04 MB)

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