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Hantavirus und Q-Fieber: bundesweite, enge Vernetzung für ein effektives Management gesundheitlicher Risiken

Das LAVES ist an zwei Zoonose-Forschungsverbünden beteiligt


Gerade im Zusammenhang mit Zoonosen, das heißt von Tieren auf Menschen übertragbaren Infektionskrankheiten, besteht ein großer Bedarf an wissenschaftsbasierten Konzepten für eine nachhaltig wirksame Prävention, Diagnostik und Therapie. Das so genannte One-Health-Konzept stellt einen integrativen Ansatz zum Management von gesundheitlichen Risiken durch die gleichzeitige Berücksichtigung verschiedener Komponenten dar: die Gesundheit des Menschen, der Tiere, die Lebensmittelsicherheit, der Umweltschutz und Handel fließen in die Betrachtung mit ein.
Dies erfordert interdisziplinäre Zusammenarbeit und gewährleistet dadurch ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert im Nationalen Forschungsnetz „Zoonotische Infektionskrankheiten“ derzeit sieben Forschungsverbünde, um der stetig zunehmenden gesundheitspolitischen Bedeutung von Infektionskrankheiten Rechnung zu tragen.

Nur durch eine enge Vernetzung zwischen Arbeitsgruppen aus der Human- und Veterinärmedizin, dem Lebensmittel- und Umweltsektor oder der Wildtier- und Vektorbiologie unter Einbindung des öffentlicher Gesundheitsdienstes (ÖGD) und des Gesundheitlichen Verbraucherschutzes der Human- und Veterinärmedizin, können die Anforderungen des One-Health-Konzeptes erfüllt werden. Die Ergebnisse und Erkenntnisse der Zoonoseverbünde sollen schließlich in konkrete Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung von zoonotischen Infektionskrankheiten münden.

Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover am Standort Hannover ist mit Teilprojekten an zwei Forschungsverbünden, die Task-Force Veterinärwesen mit einem Teilprojekt in einem Forschungsverbund beteiligt.

RoBoPub – Verbesserung der Öffentlichen Gesundheit durch ein besseres Verständnis der Epidemiologie nagetierübertragener Krankheiten

Infektionen mit Hantaviren und Leptospiren treten beim Menschen saisonal, sowie in manchen Jahren gehäuft, auf und werden unter anderem von Nagetieren wie der Rötel- oder Feldmaus übertragen. Die oft mild verlaufenden, einem „grippalen Infekt“ ähnelnden Krankheitssymptome sind unspezifisch, weshalb von einer hohen Dunkelziffer nicht erkannter Erkrankungen auszugehen ist. In manchen Fällen kann es allerdings auch zu schweren Krankheitsverläufen kommen – bei Hantaviren beispielsweise durch Nierenfunktionsstörungen bis hin zu Nierenversagen.

Feldmaus Bildrechte: © oliverundsandra - Fotolia.com

RoBoPub steht für „Rodent-Borne-Pathogens-and-Public-Health“, das heißt Nagetier-übertragene Krankheitserreger und öffentliche Gesundheit. In diesem Verbundprojekt arbeiten das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems, das Niedersächsische Landesgesundheitsamt in Hannover, das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin, das Julius Kühn-Institut in Münster, das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Oldenburg und Hannover, die Universitätsmedizin Charité Campus Mitte in Berlin, die Universität Leipzig und die Sine-Institut gGmbH in München zusammen und bringen ihre Expertisen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen ein. Assoziierter Partner ist das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG) in Münster.

Im Zuge des Verbundprojektes sollen

  • Erkenntnisse über die Ökologie der Hantavirus- und Leptospiren-übertragenden Nagetiere,
  • die Epidemiologie der beiden Zoonoseerreger,
  • die Manifestation und Diagnose der humanen Erkrankung sowie
  • Risikofaktoren und soziale Aspekte der Sensibilisierung und Risikowahrnehmung von Ärzten und der Bevölkerung
untersucht werden.
Daraus resultierende Risikobewertungen sollen die Grundlage für Gefahrenkarten, Frühwarnmodule, Risikomanagementpläne und Gesundheitsempfehlungen bilden, welche unter Einbezug des öffentlichen Gesundheitsdienstes an die Bevölkerung und die besonders betroffenen Personengruppen kommuniziert werden sollen.

In Niedersachsen werden an bis zu 16 Standorten regelmäßig Nagetiere gefangen, um das saisonale Vorkommen der Nagerarten und der Erreger (Hantaviren, Leptospiren) im Zusammenhang mit den gemäß dem Infektionsschutzgesetz erfassten Daten zu modellieren und den Einfluss verschiedener biotischer und abiotischer Faktoren (Wetter, Klima, Buchenmast, Freizeitverhalten, etc.) auf diese Nenngrößen vorhersagen zu können. Hieraus sollen sowohl Präventionsmaßnahmen, die Verbraucher/-innen selbst ergreifen sollten, als auch der Zeitpunkt für saisonale Warnungen und die Sensibilisierung der Verbraucher/-innen durch verschiedene Medien, aber auch zum Beispiel durch niedergelassene Ärzte, abgeleitet werden.

Q-GAPS – Q-Fieber im Fokus

Q-GAPS, ein Acronym aus „Q fever – GermAn Interdisciplinary Program for reSearch“, ist ein weiterer dieser Forschungsverbünde und besteht aus einem Konsortium von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fachgebieten. Im Rahmen von Q-GAPS werden verschiedene Untersuchungen zu der Zoonose Q-Fieber und ihrem Erreger Coxiella burnetii durchgeführt, wodurch ungelöste Fragen zur Epidemiologie, Immunologie, Pathogenese, zu Monitoring und Kontrolle sowie zum Q-Fieber-Fatigue-Syndrom (ein mehrere Jahre nach einer Infektion mit dem Q-Fieber-Erreger anhaltender Erschöpfungszustand) bearbeitet werden sollen.

Ziel der Arbeiten soll unter anderem sein:
  • ein auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhender Q-Fieber-Leitfaden,
  • ein Q-Fieber-Risikobarometer auf Grundlage von Meldedaten aus der Human- und Veterinärmedizin,
  • die Entwicklung einer Informationsplattform im Internet und einer für die Veterinärmedizin sowie
  • Handlungsanweisungen bei einem Q-Fieber-Ausbruch geben zu können.

Das Teilprojekt 1, welches durch die Tierärztliche Hochschule Hannover, Klinik für kleine Klauentiere, und das LAVES, Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover am Standort Hannover, bearbeitet wird, konzentriert sich im Wesentlichen darauf, die Epidemiologie des Erregers bei kleinen Wiederkäuern zu untersuchen und Strategien zur Überwachung und Kontrolle zu entwickeln. Unter anderem wurden dazu mehr als 70 Schaf- und Ziegenherden aus verschiedenen Bundesländern auf den Erreger Coxiella burnetii sowie Antikörper gegen diesen Erreger untersucht, um die Häufigkeit des Erregers in diesen Populationen festzustellen. Einige Herden werden zudem fortlaufend aufgesucht und beprobt. Dadurch können die Ausscheidungsdynamik des Erregers, der Einfluss einer Impfung sowie die Auswirkungen einer Coxiella-burnetii-Infektion auf die Tier- und Herdengesundheit untersucht werden.

Weitere Informationen:

In der englischsprachigen Zeitschrift "Frontiers in Veterinary Science" ist im Rahmen des Zoonoseverbund-Projektes Q-Gaps ein Artikel zum Thema Q-Fieber erschienen. An dem Artikel haben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover mitgewirkt. Der Artikel ist auf der Internetseite der Zeitschrift abrufbar.

Folgende Autorinnen und Autoren waren an dem Artikel beteiligt: Martin Runge (LAVES), T. Louise Prüfer (LAVES), Fenja Winter, Clara Schoneberg, Annika Wolf, Benjamin U. Bauer, Silke F. Fischer, Ursula Gerdes, Martin Ganter, Amely Campe


Mehr Informationen auf Tierseucheninfo:

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