LAVES klar

Grünkohlsaison: Zeit für Pinkel, Kasseler und Co.

Im Jahr 2017 wurden Fleisch- und Wurstwaren, die typischerweise in Norddeutschland zusammen mit Grünkohlgerichten serviert werden, sensorisch und auf pathogene Erreger wie Listeria monocytogenes im Lebensmittel- und Veterinärinstitut (LVI) Oldenburg untersucht.
Insgesamt wurden 64 Erzeugnisse wie rohes, gepökeltes und geräuchertes Kasseler und Würste wie Pinkel, Kohlwurst, Bregenwurst und Mettenden von den Niedersächsischen Lebensmittelüberwachungsbehörden zur Untersuchung eingesandt.


Grünkohlessen in Niedersachsen

Jedes Bundesland hat seine eigenen kulinarischen Traditionen. In Niedersachsen ist eine Tradition ganz klar das Grünkohlessen!

Jedes Jahr kann von Januar bis Mitte/Ende März beobachtet werden, wie gut gelaunte Gruppen und Vereine mit ihrem voll beladenen Bollerwagen (mit Verpflegung, Getränken und Musik) durch die Landschaft ziehen - das ist die so genannte „Kohltour". Traditionelle Spiele, wie Boßeln gehören dazu und werden unterwegs gespielt. Am Abend endet die Tour dann in einem Lokal, wo der wohl verdiente Grünkohl gemeinschaftlich verspeist wird.

Grünkohl wird auch in anderen Bundesländern Ländern gegessen, aber die Besonderheit in Nordwestdeutschland ist der so genannte Grünkohl mit „Pinkel". „Pinkel" ist eine grobe Grützwurst, die aus fettgewebsreichem Schweinefleisch, Rindertalg, Grütze von Hafer oder Gerste, Zwiebeln und Gewürzen hergestellt wird. Sie wird wie Kohlwürste und Kasseler überwiegend als Halbfabrikat verkauft und zusammen mit dem Grünkohl erhitzt.

Grünkohl und Pinkel, zusammen mit Kartoffeln und wahlweise auch Kasseler, ist ein beliebtes niedersächsisches Gericht.

Untersuchungen des LAVES

Passend zur Grünkohlzeit wurden im Jahr 2017 Fleisch- und Wurstwaren, die typischerweise in Norddeutschland zusammen mit Grünkohlgerichten serviert werden, sensorisch und auf pathogene Erreger wie Listeria monocytogenes im Lebensmittel- und Veterinärinstitut (LVI) Oldenburg untersucht. Insgesamt wurden 64 Erzeugnisse wie rohes, gepökeltes und geräuchertes Kasseler und Würste wie Pinkel, Kohlwurst, Bregenwurst und Mettenden sowohl aus loser Abgabe (Fleischerei-/Metzgereifilialen) als auch in Fertigpackungen vom Hersteller oder aus dem Einzelhandel untersucht.

Von den 64 Proben wurden fünf Proben (7,8 %) beanstandet.

Eine Probe frische Kohlwurst aus loser Abgabe wies eine saure bis fäkale Geruchsabweichung auf und wurde deshalb als für den Verzehr durch den Menschen ungeeignet und damit nicht sicher (i. S. von Artikel 14 Abs. 2 b und Abs. 5 VO (EG) Nr. 178/2002) beurteilt. Bei drei Fertigpackungen entsprach die Kennzeichnung nicht den gesetzlichen Vorgaben. Folgende Mängel wurden festgestellt: irreführende Aufmachung aufgrund widersprüchlicher Bezeichnungen bzw. Angaben, Reihenfolge der Zutaten nicht plausibel, Schriftgröße von Pflichtangaben zu klein; fehlende Mengenangabe von Schweinefleisch.

Die Kenntlichmachung von Zusatzstoffen bei loser Abgabe fehlte bei einer Probe Kochwurst. Bei der losen Abgabe von Lebensmitteln gelten die Kenntlichmachungsbestimmungen des § 9 Zusatzstoff- Zulassungsverordnung (ZZulV). Demnach kann die Angabe über den Gehalt an Zusatzstoffen auf einem Schild oder alternativ in Form einer allgemein zugänglichen schriftlichen Aufzeichnung oder eines Aushanges erfolgen.

Bei der mikrobiologischen Untersuchung lag der Fokus auf krankmachenden Keimen. In insgesamt acht Proben konnte Listeria monocytogenes nachgewiesen werden. Die Keimzahl lag in sieben Fällen aber unterhalb der Nachweisgrenze von 10 koloniebildenden Einheiten pro Gramm (KbE/g). Lediglich in einer Probe rohes, gepökeltes und geräuchertes Kasseler wurde Listeria monocytogenes mit einer Keimzahl von 1,3 x 102 KBE/g nachgewiesen. Da es sich bei der vorgelegten Probe allerdings um ein Lebensmittel handelt, das bestimmungsgemäß vor dem Verzehr erhitzt wird, erfolgte deshalb nur eine Ergebnismitteilung an die zuständige Behörde.


Tipp

Die Fleisch- und Wurstwaren sollten vor dem Verzehr gründlich erhitzt werden, damit krankmachende Keime abgetötet werden können. Außerdem sollte die Küchenhygiene beachtet werden, weitere Informationen dazu gibt es hier.

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