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Farbenfrohe Faschings- und Karnevalszeit

Jahr für Jahr sind zu Karneval Prinzessinnen, Hexen, Seeräuber und Clowns auf den Straßen und auf Karneval-Partys zu sehen. Damit die Verkleidung zu einem richtigen Blickfang wird, ist ein bunt geschminktes Gesicht ein Muss: Glitzerstaub auf Prinzessinnenwangen, das grüne Hexengesicht und die rote Clownsnase machen das Kostüm erst komplett.
Sollen die Haare vorübergehend in schriller Farbe leuchten, steht auch dafür eine große Palette an Haarsprays und -gelen zur Färbung im Supermarktregal. Aber wie steht es um die Sicherheit von Karnevalsschminke und was sollte bei der Verwendung beachtet werden?
Im Institut für Bedarfsgegenstände Lüneburg werden Karnevalsschminke und Haarfärbemittel auf ihre Zusammensetzung und Kennzeichnung hin überprüft.


Tipps bei der Verwendung von Karnevalsschminke:

  • Bevor Karnevalsschminke im Gesicht verwendet wird, sollten besonders Kinder und Allergiker die Verträglichkeit der Schminke testen, indem sie die Schminke zum Beispiel auf dem Arm auftragen. Fängt die bemalte Stelle an zu jucken oder rötet sie, sollte die Schminke nicht angewendet werden
  • Um die meist sehr fetthaltigen Farben nach der Feier besser abschminken zu können, sollte als Grundierung eine fetthaltige Creme aufgetragen werden
  • Nach dem Abschminken mit Wasser und Seife (bei wasserlöslicher Schminke) oder mit Abschminklotion (bei fetthaltiger Schminke) sollte ebenfalls wieder eine reichhaltige Creme aufgetragen werden, damit sich die Haut erholen kann
  • Die Schminke aus dem Vorjahr sollte auf ihre Haltbarkeit überprüft werden. Als Angabe zur Haltbarkeit befindet sich auf der Verpackung entweder das Mindeshaltbarkeitsdatum oder die Angabe zur Verwendbarkeit nach dem Öffnen (Tiegelsymbol mit einer Monatsangabe)
  • Bitte lesen Sie die Warnhinweise der Hersteller und befolgen diese. Die Warnhinweise sind oftmals auf den Verpackungsrückseiten oder in beigefügten Produktinformationen enthalten.


Historie

Schminke, auch dekorative Kosmetik genannt, wird schon seit langer Zeit zur Veränderung des Aussehens verwendet. So haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass anscheinend schon die Neandertaler eine Art Schminke benutzt haben, um ihren Körper zu bemalen. Darauf deuten Fundstücke mineralischer Pigmente in Stiftform hin, die im Siedlungsbereich von Neandertalern entdeckt wurden. Die Art des Abriebs an diesen Manganpigmentstücken deutet laut den Forschern Francesco d'Errico und Marie Soressi auf eine Benutzung auf der Haut hin.

Bis heute haben viele weitere – nicht immer positive – Entwicklungen bei der Schminke stattgefunden. Zur Zeit des Altertums wurden bereits viele verschiedene Farben auf mineralischer Basis verwendet. Um gottähnlicher zu werden, schminkten sich die Ägypter die Augenlider mit zerstoßenen Mineralien und erzielten dadurch grüne (Malachit), rote (Zinnober) und blaue (Lapislazuli) Farbtöne. Weiterhin zogen sie ihre Augenbrauen mit Antimon nach.

Zur Zeit des Mittelalters kam dann der blasse Teint in Mode. Das "Weißen" der Haut wurde zu dieser Zeit durch das Bleiweiß, ein hochtoxisches, basisches Bleicarbonat, erzielt. Die dekorative Kosmetik (lateinisch: decoratio; das Hervorheben des Schönen) hatte in Europa zur Zeit des Rokoko ihren Höhepunkt: Das Gesicht wurde unter einer Maske aus Bleiweiß, Zinnober und Ocker versteckt. Ein solch kräftiger Einsatz dekorativer Kosmetik findet heutzutage meist nur noch zur Karnevalszeit statt und die toxischen Pigmente kommen schon seit etlichen Jahren nicht mehr zur Anwendung.


Zusammensetzung
Karnevalsschminke

Heutzutage werden als färbende Bestandteile neben Weißpigmenten wie Titandioxid organische (zum Beispiel die gelbe Chinophthalon-di-sulfonsäure) und anorganische Farbpigmente wie Eisenoxide (orange, rot, schwarz), Chromoxide (grün), Ultramarin (blau) und Manganviolett eingesetzt.

Um einen Glitzereffekt zu erzielen, kommen Pigmente wie Bismutoxychlorid, Glimmer (Schichtsilikate) und mit Titandioxid beschichteter Glimmer zum Einsatz.

Neben den Farbpigmenten werden, je nach Formulierung, verschiedene Inhaltsstoffe mit hautschützender und pflegender Wirkung in den Schminkprodukten eingesetzt. Haarfärbesprays enthalten neben Treibgas und Alkohol häufig wasserlösliche Farbstoffe.

Rechtliche Grundlagen

Die Einstufung der Karnevalsschminke als kosmetisches Mittel erfolgt durch die rechtlichen Bestimmungen auf europäischer Ebene. Diese ergibt sich aus der Begriffsbestimmung des Artikels 2 der EG-Kosmetikverordnung (VO (EG) Nr. 1223/2009). Danach sind "kosmetische Mittel Stoffe oder Gemische, die dazu bestimmt sind, äußerlich mit den Teilen des menschlichen Körpers (...) in Berührung zu kommen, und zwar zu dem ausschließlichen oder überwiegendem Zweck, diese zu reinigen, zu parfümieren, ihr Aussehen zu verändern, sie zu schützen, sie in gutem Zustand zu halten oder den Körpergeruch zu beeinflussen."

Die EG-Kosmetikverordnung enthält sowohl Regelungen zur stofflichen Zusammensetzung als auch zur Kennzeichnung von kosmetischen Mitteln. Bis zum vollständigen Inkrafttreten dieser Verordnung am 11. Juli 2013 waren diese Bestimmungen im Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) und in der deutschen Kosmetikverordnung (Kosmetik-Verordnung) zu finden.

Untersuchung von Karnevalsschminke

Kind wird geschminkt

Auf Grundlage der rechtlichen Vorgaben werden in regelmäßigen Abständen Stichproben der auf dem Markt befindlichen Karnevalsschminken untersucht. Die Untersuchung der chemischen Parameter und der Kennzeichnungselemente findet in Niedersachsen am LAVES-Institut für Bedarfsgegenstände (IfB) in Lüneburg statt.

Die Schminkprodukte werden auf die Verkehrsfähigkeit untersucht. Neben der Kennzeichnung umfasst die Untersuchung chemische Parameter. Beispielhaft sind neben der Bestimmung der verwendeten Farbstoffe Untersuchungen auf verbotene Inhaltsstoffe, explizit ausgelobte Wirkstoffe (zum Beispiel Vitamine) und Einhaltung von zulässigen Höchstmengen (etwa bei Schwermetallen und Konservierungsstoffen) zu nennen.

Im Jahr 2018 wurden im IfB Lüneburg 18 Proben Karnevalsschminke untersucht. Dabei handelte es sich um 15 unterschiedliche Produkte von fünf verschiedenen Herstellern. Insgesamt wurden vier Proben beanstandet. Eine der eingesendeten Theaterschminken wurde aufgrund einer Höchstmengenüberschreitung eines Konservierungsstoffes bemängelt. In einem weiteren Karneval-Schminkstift-Set konnte ein verbotener Farbstoff nachgewiesen werden. Bezüglich der Kennzeichnung wurden insgesamt zwei Schminksets bemängelt, da bei diesen Proben Farbstoffe nachgewiesen werden konnten, die zwar gemäß der EUKosmetikV zugelassen sind, aber nicht in der jeweiligen Bestandteilliste aufgeführt waren.

Dann bleibt nur noch zu sagen: Helau und Alaaf!


Weiterführende Links:



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