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Nach wie vor aktuell: Staupe

Das Hundestaupevirus wird immer wieder bei Wildtieren nachgewiesen, denn neben dem Hund erkranken ebenso Wildtiere wie Dachs, Baum- und Steinmarder, Fuchs, Iltis, Wiesel, Fischotter sowie Wolf und zunehmend der Waschbär. Ausgelöst wird die Hundestaupe durch das Canine Staupevirus, das eng mit dem Masernvirus des Menschen verwandt ist. Für Menschen ist das Hundesstaupevirus allerdings ungefährlich. Ein weiterer Verwandter ist das Seehundstaupevirus, das nach der Epidemie im Jahr 2002 in Nord- und Ostsee den Tod von Tausenden von Seehunden verursachte.

Das Canine Staupevirus wird, wie auch das Masern- und Seehundstaupevirus, durch Speichel, Nasen-, Augensekret, Kot und Urin infizierter Tiere übertragen. Empfängliche Tiere können sich somit direkt über diese Ausscheidungen durch gegenseitiges Belecken oder Tröpfcheninfektion anstecken oder nehmen den Krankheitserreger mit verunreinigtem Futter, Wasser oder aus der Umgebung auf. Besonders gefährdet sind Jungtiere durch Alttiere, die das Virus in sich tragen und ausscheiden, aber nicht selbst erkrankt sind.

Gerade Fuchs und Marder werden als sogenannte Erregerreservoire des Staupevirus angesehen. Bedingt durch das reichhaltige Nahrungsangebot, fehlendem Jagddruck und der schnellen Lern- und Anpassungsfähigkeit trifft man sie immer häufiger in der Nähe menschlicher Siedlungen an. So können sich nicht impfgeschützte Hunde nicht nur durch andere Hunde, sondern auch durch Wildtiere in ihrer näheren Umgebung oder auch beim Waldspaziergang infizieren.


Untersuchungsergebnisse des LAVES

Im Rahmen einer Doktorarbeit, die im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover (LVI BS/H) durchgeführt und 2013 abgeschlossen wurde, konnte bei 30 von mehr als 200 daraufhin untersuchten Waschbären aus fünf niedersächsischen Landkreisen das Staupevirus nachgewiesen werden. Am häufigsten kam das Virus bei Tieren aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont vor. Retrospektive Untersuchungen lassen aber vermuten, dass die ersten infizierten Waschbären ursprünglich aus dem benachbarten Landkreis Holzminden stammten und die Infektion möglicherweise dort ihren Ursprung nahm.

Im Jahr 2015 wurden im LVI Braunschweig/Hannover 189 Wildtiere eingesandt, die entweder tot aufgefunden oder aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten erlegt worden waren, sowie 8 Proben von Hunden zur Ermittlung der Todesursache. Das Wildtierspektrum umfasste Dachse, Füchse, Marder, Waschbären und Marderhunde sowie verschiedene andere Tierarten, wobei die Füchse die größte Gruppe bildeten. Von den insgesamt 95 eingesandten Füchsen wurden 33 Tiere (fast 35 %) mittels Immunfluoreszenz und PCR positiv auf Staupe getestet. Bezogen auf alle eingesandten Tierarten wurde, wie schon im Vorjahr, bei rund 25 % der Tierkörper das Staupevirus nachgewiesen. Die Zahlen aus 2014 zum Vergleich: 116 Wildtiere wurden eingesandt, von 81 eingesandten Füchsen wurden 24 Tiere (29 %) positiv auf Staupe getestet. Eine Häufung der Erkrankung in bestimmten Regionen war sowohl in 2015 als auch in 2014 nicht erkennbar.

Zunächst wurde die Infektion mit dem Caninen Staupevirus aufgrund ähnlicher klinischer Symptomatik zumeist im Zusammenhang mit der Tollwutabklärung untersucht. Nach der erfolgreichen Bekämpfung der Tollwut steht nun die Staupevirusinfektion bei Wildtieren mit vorberichtlich erwähnter Veränderung des artspezifischen Verhaltens (Verlust der natürlichen Scheu, Schläfrigkeit, Bewegungsstörungen oder auch Aggressivität) im Vordergrund. Seltener waren parasitäre und Stoffwechselerkrankungen oder Vergiftungen die Ursache.

Obwohl die Häufigkeit des Auftretens dieser Infektionskrankheit zunächst durch regelmäßig durchgeführte Schutzimpfungen erheblich verringert werden konnte, wird nun europaweit eine Zunahme von Staupefällen auch bei Hunden beobachtet. Hier spielen u. a. die Virusreservoire Fuchs, Marder sowie vermutlich auch Waschbären, die Impfmüdigkeit der Hundehalter und der zunehmende Ankauf von nicht geimpften oder infizierten Hunden aus dem Ausland eine Rolle.

Einen wirksamen Schutz vor dieser Krankheit, deren Sterbewahrscheinlichkeit je nach Verlaufsform und Schwere des Krankheitsverlaufs zwischen 30 und 80% liegt, erreicht man durch prophylaktische Impfungen schon im Jungtieralter. Zwar kann beim erkrankten Tier auch eine passive Impfung und Behandlung von Begleit- und Folgeerkrankungen durchgeführt werden, ein Erfolg ist allerdings in solch einem Fall fraglich.

Wie aus diesen Ausführungen ersichtlich, besteht eine akute Gefahr durch das auch in Wildtieren vorkommende Staupevirus vor allem für jagdlich geführte, aber auch häufig freilaufende Hunde, so dass eine prophylaktische Staupeimpfung dringendst empfohlen wird, um einen bestmöglichen Schutz zu erreichen.


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Steinmarder  
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