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Fachinformation Staupe

Das Virus zeichnet sich durch seine relative Hitzelabilität aus. Sonnenbestrahlung zerstört das Virus innerhalb 14 Stunden, bei Zimmertemperatur allerdings kann es sich über einige Tage infektiös bleiben. Gegenüber Trocknung und tiefen Temperaturen ist der Erreger sehr resistent. Labil verhält es sich dagegen bei pH- Werten unter pH 4 und über pH 9.

Verbreitung

Übertragen wird das Virus durch alle Se- und Exkrete infizierter Tiere. Schon 5 Tage nach der Infektion ist der Erreger in Augen- und Nasensekret, im Speichel und Urin nachzuweisen. Die Virusausscheidung kann über Wochen andauern. Hauptsächlich erfolgt die Übertragung direkt durch Kontakt beim Belecken und durch Tröpfcheninfektion oder indirekt über die Aufnahme von verunreinigtem Futter oder Wasser. Aufgenommen wird das Virus über die Atemwege und den Magen-Darm-Trakt.

Generell sind junge Tiere empfindlicher als Alte. Die höchste Empfänglichkeit liegt im Alter von 4 bis 6 Monaten. Oft wird das Virus bei der Pflege der Welpen vom infizierten, aber nicht erkrankten Alttier übertragen.

Klinik

Erste Krankheitsanzeichen wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und hohes Fieber treten etwa eine Woche nach der Infektion auf. Hinzu kommt erst wässrig- klarer, dann eitriger Augenausfluss, der hochgradig ansteckend ist. Im weiteren Krankheitsverlauf manifestiert sich die Krankheit als Darmform der Staupe ( Durchfall und Erbrechen), als Lungenform (Lungenentzündung) oder als sog. Nervöse Staupeform. Bei der Nervösen Staupeform schädigt das Staupevirus das Gehirn. Es kommt zu Verhaltensänderungen, Zittern, Lähmungen und Krampfanfällen. Diese Form endet fast immer tödlich.

Der Verlauf der Krankheit kann ganz unterschiedlich sein und führt häufig zu bleibenden Schäden, wie z.B. Zahnschmelzdefekten (Staupegebiss) und überschießender Verhornung im Ballen- und Nasenspiegelbereich (Hartballenkrankheit, Hard pad disease).

Immunfluoreszenz
Zytoplasmatische Einschlusskörperchen, Immunfluoreszenztechnik
Leber
Leber mit Einschlusskörperchen

Differentialdiagnosen

Neben möglichen Ursachen für Magen-Darm- Beschwerden (Darmform der Staupe) und Gründen einer Lungenentzündung (Lungenform der Staupe) kommen vor allem bei Wildtieren, die zumeist an der nervösen Form der Staupe leiden, als Differentialdiagnosen allen voran die Tollwut, die Toxoplasmose, die generalisierte Amyloidose und verschiedene Vergiftungen (Phosphorsäureester, Pyrimidinderivate, Äthylenglycol) in Anbetracht und müssen abgeklärt werden.

Diagnostik

Ein Staupeverdacht kann über eine direkte immunfluoreszenzmikroskopische Untersuchung am Organschnitt (Leber, Niere, Milz, Harnblase, Lunge, Trachea, ZNS), Konjunktivalabstrich oder Liquor abgeklärt werden. Charakteristisch sind hier Einschlusskörperchen in den Gewebezellen.

Desweiteren ist eine Antigen-PCR bevorzugt mit der Organverreibung des oben beschriebenen Materials, weiterhin mit einer Tupferprobe eines Konjunktivalabstriches, EDTA- Blut, Liquor oder Urin möglich.

Bei der Untersuchung einer gepaarten Serumprobe im Immunfluoreszenz Antikörper Test (IFAT) ist ein 4-facher Antikörperanstieg innerhalb von 2 bis 3 Wochen zu beobachten. Bei IgG- Bestimmung am Liquor- Serum- Paar ist IgG im Liquor deutlich höher als im Serum.

Bekämpfung/ Behandlung

Bei wildlebenden Tieren ist eine Behandlung nicht durchführbar.

Als prophylaktische Maßnahme bei Hunden und auf Farmen gehaltenen Frettchen oder Pelztieren eignet sich die aktive und passive Impfung. Bei akuter Infektionsgefahr (Ausstellung, Tierheime etc.), in der Inkubationsphase oder beim Auftreten von ersten Krankheitssymptomen ist eine Impfung mit einem Hyperimmunserum, bzw. einem entsprechenden Globulinpräparat angebracht.

Laut der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (FLI) wird allerdings die Grundimmunisierung von Welpen mit einem attenuierten Lebendvirus in der 8., der 12. und der 16. Lebenswoche, gefolgt von einer weiteren Impfung nach einem Jahr, empfohlen. Wiederholungsimpfungen in dreijährigem Rhythmus sind nach derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen völlig ausreichend und bieten so einen optimalen Schutz.

Eine ursächliche Behandlung der Staupe ist nicht möglich. Neben dem Einsatz von Hyperimmunserum, ist es Ziel der Behandlung, bakterielle Sekundärinfektionen zu verhindern und Folge- und Begleiterscheinungen einzudämmen.

Neben der Isolierung des erkrankten Tieres ist die Hygiene von großer Bedeutung, um die Ansteckung anderer Tiere zu vermeiden. Da das Staupevirus behüllt ist, ist eine Desinfektion mit handelsüblichen Mitteln möglich. Auch erhöhte Temperaturen und Sonnenbestrahlung zerstören den Erreger innerhalb von Stunden.

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