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Wild- und Rinderseuche (Hämorrhagische Septikämie)

Es muss nicht Schweinepest sein


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Anfang November 2023 wurden im Landkreis Lüchow-Dannenberg in einem Radius von drei Kilometern fünf verendete Wildschweine in einem Waldstück aufgefunden. Zunächst wurde der Verdacht auf Schweinepest geäußert, der sich jedoch nach molekularbiologischer Blutuntersuchung nicht bestätigte.

Daraufhin wurden die Tierkörper dem Lebensmittel- und Veterinärinstitut (LVI) Braunschweig/Hannover, Standort Hannover, zur pathologischen Untersuchung übersandt. In der Obduktion zeigten die Tiere ausgeprägte fibrinöse Entzündungen des Herzens und der Lunge. Mittels bakteriologischer Untersuchungen wurde aus den Lungen der Tiere das Bakterium Pasteurella multocida isoliert. Eine nachfolgende molekularbiologische Differenzierung mittels Multiplex-PCR ergab, dass es sich um den Kapseltyp B handelte.

Die Multiplex-PCR ist eine Methode, die einen schnellen und spezifischen Nachweis mehrerer Infektionserreger gleichzeitig erlaubt.

Übertragung

Pasteurella multocida der Kapseltypen B und E ist ein gramnegatives Bakterium aus der Familie der Pasteurellaceae. Es ist als Auslöser der sogenannten hämorrhagischen Septikämie (HS) bekannt. Diese wird bei Haus- und Wildwiederkäuern sowie bei Haus- und Wildschweinen auch als Wild- und Rinderseuche bezeichnet. Das Bakterium gelangt über die Schleimhäute des Atmungs- oder Verdauungsapparates in den Tierkörper und wird mit der Losung und dem Nasensekret ausgeschieden. Insbesondere Kontakte von Tier zu Tier sowie kontaminierte Futter- und Wasserstellen können zur Verbreitung des Erregers beitragen. Weitere Übertragungswege über blutsaugende Insekten oder Fressfeinde werden diskutiert. Die Erkrankung kann seuchenhaft verlaufen, insbesondere wenn vorschädigende Faktoren wie ungünstige und feucht-warme Witterung, Mangel an Futter oder ein hoher Parasitendruck das Immunsystem der Tiere schwächen. Hohe Sterberaten können bei Wildtieren und gehaltenen Tieren auftreten. Jungtiere sind dabei häufiger betroffen.

Krankheitsverlauf – perakut oder latent

Nach einer Inkubationszeit von wenigen Tagen entwickeln die infizierten Tiere oft Fieber und Atemnot. Es kommt zur Bildung von Wasseransammlungen, die Ödeme genannt werden (beispielsweise an Kopf- und Hals). Bei einem perakuten Verlauf verschlechtert sich der Krankheitszustand sehr schnell. Die Tiere kommen zum Festliegen und versterben innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen. Es gibt auch latent verlaufende Infektionen, wobei diese Tiere dann als Träger des Bakteriums die Erkrankung beispielsweise über das Nasensekret verbreiten können ohne selbst (schwer) zu erkranken. Pathologisch anatomisch können neben den in diesem Fall festgestellten fibrinösen Entzündungen der Lunge, des Lungenfells und des Herzens, auch eine Darmentzündung, eine Milzvergrößerung und petechiale (punktförmige) Blutungen vorkommen, weshalb eine differentialdiagnostische Untersuchung auf Schweinepest unbedingt erforderlich ist. Eine Therapie kommt häufig zu spät, daher ist bei Weidetieren vor allem die Ansteckung durch Wildtiere zu verhindern. Nähere Informationen zu der Ansteckung durch Wildtiere können dem Bericht des Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamtes (CVUA) Stuttgart „Erste Fälle der Hämorrhagischen Septikämie des Rindes (Wild- und Rinderseuche) in Baden-Württemberg" entnommen werden.

Vorkommen in Deutschland und weltweit

Bislang gibt es keine Hinweise auf Übertragungen des Erregers auf den Menschen. Die Wild- und Rinderseuche ist in Deutschland seit 1969 weder anzeige- noch meldepflichtig.

In Afrika (vorrangig Kapseltyp E) und Asien (vorrangig Kapseltyp B) kommt die Hämorrhagische Septikämie zum Teil endemisch vor. 2015 starben circa 200.000 Saiga-Antilopen in Kasachstan innerhalb von drei Wochen durch den Erreger. In Europa und auch in mehreren deutschen Bundesländern gibt es immer mal wieder vereinzelte Ausbrüche (Kapseltyp B). Im niedersächsischen Landkreis Celle wurde zwischen 2013 und 2016 eine Häufung von Einzelausbrüchen jeweils von Spätsommer bis Dezember festgestellt. In den Folgejahren gab es sporadische Nachweise in verschiedenen nordöstlichen Landkreisen. In den meisten Fällen handelte es sich um Wildschweine, aber auch bei Weiderindern wurde der Erreger als Erkrankungsursache festgestellt.

Bei einem plötzlichen Auftreten mehrerer toter Wildschweine oder anderer empfänglicher Wild- oder Haustiere in Freilandhaltung ist das Vorliegen einer Pasteurellose differentialdiagnostisch in Betracht zu ziehen.
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