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Nach wie vor aktuell: Staupe

Das Hundestaupevirus wird immer wieder bei Wildtieren nachgewiesen, denn neben dem Hund erkranken ebenso Wildtiere wie Dachs, Baum- und Steinmarder, Fuchs, Iltis, Wiesel, Fischotter sowie Wolf und zunehmend der Waschbär. Ausgelöst wird die Hundestaupe durch das Canine Staupevirus, das eng mit dem Masernvirus des Menschen verwandt ist. Für Menschen ist das Hundesstaupevirus allerdings ungefährlich. Ein weiterer Verwandter ist das Seehundstaupevirus, das nach der Epidemie im Jahr 2002 in Nord- und Ostsee den Tod von Tausenden von Seehunden verursachte.

Das Canine Staupevirus wird, wie auch das Masern- und Seehundstaupevirus, durch Speichel, Nasen-, Augensekret, Kot und Urin infizierter Tiere übertragen. Empfängliche Tiere können sich somit direkt über diese Ausscheidungen durch gegenseitiges Belecken oder Tröpfcheninfektion anstecken oder nehmen den Krankheitserreger mit verunreinigtem Futter, Wasser oder aus der Umgebung auf. Besonders gefährdet sind Jungtiere durch Alttiere, die das Virus in sich tragen und ausscheiden, aber nicht selbst erkrankt sind.

Gerade Fuchs, Marder und der Waschbär werden als sogenannte Erregerreservoire des Staupevirus angesehen. Bedingt durch das reichhaltige Nahrungsangebot, fehlenden Jagddruck und der schnellen Lern- und Anpassungsfähigkeit trifft man sie immer häufiger in der Nähe menschlicher Siedlungen an. So können sich nicht impfgeschützte Hunde nicht nur durch andere Hunde, sondern auch durch Wildtiere in ihrer näheren Umgebung oder auch beim Waldspaziergang infizieren.


Untersuchungsergebnisse des LAVES

Im Jahr 2018 wurden im LVI Braunschweig/Hannover 175 entweder tot aufgefundene oder aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten erlegte Wildtiere eingesandt, die im Rahmen der Tollwutabklärung differentialdiagnostisch auf eine Staupevirusinfektion untersucht wurden. Hinzu kamen acht Proben von Haushunden, deren Todesursache abgeklärt werden sollte.. Das Wildtierspektrum umfasste Dachse, Füchse, Marder, Waschbären und Marderhunde sowie verschiedene andere Tierarten, wobei die Füchse die größte Gruppe bildeten. Von den insgesamt 137eingesandten Füchsen wurden 68Tiere (fast 49%) mittels Immunfluoreszenz und PCR positiv auf Staupe getestet. Bezogen auf alle eingesandten Tierarten wurde bei rund 46% der Tierkörper – mittels Immunfluoreszenz und PCR – positiv auf Staupe getestet. Die Zahlen aus 2017 zum Vergleich: 226 Wildtiere wurden eingesandt. Von 152 eingesandten Füchsen wurden 96 Tiere (63 %) positiv auf Staupe getestet. Bemerkenswert ist der Anstieg der Staupevirusnachweise in eingesandten Füchsen aus 2017/ 2018 im Vergleich zu den Vorjahren, in denen sich lediglich 29 bis 35% Staupe-positiv darstellten. Eine Häufung der Erkrankung in bestimmten Regionen war wie in den vergangenen Jahren nicht erkennbar.

Zunächst wurde die Infektion mit dem Caninen Staupevirus aufgrund ähnlicher klinischer Symptomatik zumeist im Zusammenhang mit der Tollwutabklärung untersucht. Nach der erfolgreichen Bekämpfung der Tollwut steht nun die Staupevirusinfektion bei Wildtieren mit vorberichtlich erwähnter Veränderung des artspezifischen Verhaltens (Verlust der natürlichen Scheu, Schläfrigkeit, Bewegungsstörungen oder auch Aggressivität) im Vordergrund. Seltener waren parasitäre und Stoffwechselerkrankungen oder Vergiftungen die Ursache.

Obwohl die Häufigkeit des Auftretens dieser Infektionskrankheit zunächst durch regelmäßig durchgeführte Schutzimpfungen erheblich verringert werden konnte, wird nun europaweit eine Zunahme von Staupefällen auch bei Hunden beobachtet. Hier spielen unter anderem die Virusreservoire Fuchs, Marder sowie auch Waschbär, die Impfmüdigkeit der Hundehalter und der zunehmende Ankauf von nicht geimpften oder infizierten Hunden aus dem Ausland eine Rolle.

Einen wirksamen Schutz vor dieser Krankheit, deren Sterbewahrscheinlichkeit je nach Verlaufsform und Schwere des Krankheitsverlaufs zwischen 30 und 80% liegt, erreicht man durch prophylaktische Impfungen schon im Jungtieralter. Zwar kann beim erkrankten Tier auch eine passive Impfung und Behandlung von Begleit- und Folgeerkrankungen durchgeführt werden, ein Erfolg ist allerdings in solch einem Fall fraglich.

In der Vergangenheit konnte in Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover gezeigt werden, dass die Staupeviren, die aus niedersächsischen Wildtieren isoliert werden konnten, sehr eng mit denen des Hundes verwandt sind, während im Süden Deutschlands offenbar eher an Wildtiere adaptierte Stämme in Füchsen zirkulieren. Wie aus diesen Ausführungen ersichtlich, besteht eine akute Gefahr durch das auch in Wildtieren vorkommende Staupevirus vor allem für jagdlich geführte, aber auch häufig freilaufende Hunde, so dass eine prophylaktische Staupeimpfung dringendst empfohlen wird, um einen bestmöglichen Schutz zu erreichen.


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Steinmarder
Vorkommen von Staupe beim Waschbären

Im Rahmen einer Doktorarbeit, die im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover (LVI BS/H) durchgeführt und 2013 abgeschlossen wurde, konnte bei 30 von mehr als 200 daraufhin untersuchten Waschbären aus fünf niedersächsischen Landkreisen das Staupevirus nachgewiesen werden. Am häufigsten kam das Virus bei Tieren aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont vor. Retrospektive Untersuchungen lassen aber vermuten, dass die ersten infizierten Waschbären ursprünglich aus dem benachbarten Landkreis Holzminden stammten und die Infektion möglicherweise dort ihren Ursprung nahm.

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