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Der Australische Teppichkäfer

Anthrenocerus australis


Wer hat das nicht auch schon einmal erlebt? Ein angefressener Teppich, kleine Löcher im wertvollen Kashmir-Pullover oder in der Naturhaarmatratze? Diese Schäden sind nicht immer den Raupen von Textilmotten (Kleidermotte, Pelzmotte) zuzuschreiben sondern es sind immer öfter Larven einer ganz bestimmten Käfergruppe, der sogenannten Dermestiden (Speckkäfer), welche als Verursacher in Frage kommen.

Ein Einwanderer aus Australien, der Australische Teppichkäfer (Anthrenocerus australis). Der Australische Teppichkäfer verbreitete sich über England in die Niederlande und gelangte wahrscheinlich von dort aus nach Deutschland.
Mittlerweile ist er in ganz Deutschland ein weit verbreiteter Wohnungsschädling. Auch aus der Schweiz, Belgien und Frankreich sind Funde gemeldet. Auch in Niedersachsen wird er regelmäßig eingesendet.

Bildrechte: ©LAVES/Stelling
Australischer Teppichkäfer, Anthrenocerus australis

Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten

Der Käfer ist länglichoval, 2,0-3,5 mm lang und 1,5-2,5 mm breit. Kopf, Halsschild und Flügeldecken sind dunkelrotbraun bis schwarz, Körperanhänge (Beine, Fühler) sind rotbraun gefärbt. Auf den Flügeldecken befinden sich mehrere aus weißen Haaren gebildete Querbinden, wobei einzelne goldgelbe und schwarze Haare eingemischt sind. Auch das Halsschild ist weißlich behaart.

Die Larve wird 3 bis 6 mm lang, ist an der Oberseite braun, unten gelblich weiß gefärbt und gekennzeichnet durch den Besitz von Pfeilhaarpolstern sowie eines Borstenschwanzes am Hinterleibsende. Die Puppe ist etwa 3-4 mm lang. Sie steckt fast immer noch in der letzten Larvenhaut.

Insbesondere Larven aber auch die Käfer lassen sich ohne Mikroskop nur schwer von anderen ähnlichen Arten unterscheiden. Bei Anthrenocerus australis gibt es keinen geschlechtsspezifischen Unterschied. Von den Anthrenus-Arten unterscheidet sich der adulte Anthrenocerus australis durch die stets behaarte und nicht beschuppte Körperober- und unterseite, bei den Larven ist die Unterscheidung weniger deutlich.

 
Australischer Teppichkäfer beim Pollenfressen
 
abgestreifte leere Larvenhaut (Exuvie) im Teppichboden

Ernährung und wirtschaftliche Bedeutung

Die Larven des Australischen Teppichkäfers zerstören ein breites Spektrum tierischer Produkte wie Wolle, Pelze und Leder sowie Produkte aus diesen Materialien. Auch in Insektensammlungen können sie erhebliche Schäden anrichten. In Wohnungen halten sich die Larven unter den Teppichen, hinter den Fußleisten und in dunklen Ecken von Kleiderschränken auf. In pflanzlichen Fasermaterialien und auch Vorräten können die Tiere ebenfalls ihre Entwicklung durchlaufen.

Die adulten Käfer sind in ihrer australischen Heimat auf Blüten anzutreffen, wo sie Pollen aufnehmen.


Biologie und Entwicklung

Der Australische Teppichkäfer bildet bei einer durchschnittlicher Zimmertemperatur von 22°C zwei bis drei Generationen im Jahr aus. Die Käfer schlüpfen das ganze Jahr über mit Ausnahme der Monate November bis Februar.

In unseren Breiten läuft die gesamte Entwicklung häufig innerhalb von Gebäuden ab. Auch in Vogelnestern, welche geschützt am Haus zu finden sind, findet eine Entwicklung statt. Die erwachsenen Käfer können Nahrung (Pollen) während der kurzen Lebenszeit von zwei bis drei Wochen aufnehmen, müssen es offenbar aber nicht. Vermutlich werden mit Nahrung mehr Eier produziert als ohne.

Die Ei-Anzahl sowie die Dauer der Eientwicklung sind temperaturabhängig, wobei ihre durchschnittliche Entwicklung bei 22°C etwa 10 bis 12 Tage dauert. Die aus dem Ei schlüpfende Eilarve fängt sofort an Nahrung aufzunehmen.

Die Anzahl der Larvenstadien ist abhängig von der Nahrung, der Temperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit. Bei Zimmertemperatur beträgt die vollständige Larvenentwicklung zwei Monate. Das Puppenstadium dauert bei 22°C etwa 7 bis 10 Tage. Die Ende Oktober noch nicht verpuppten Larven legen eine Ruhepause von circa 3 Monaten ein und verpuppen sich erst Ende Februar. Nach neuesten Erkenntnissen scheint auch die Tageslichtdauer die Entwicklung zu beeinflussen, so verläuft die Entwicklung vom Ei zur Puppe bei 16 Stunden Tageslicht deutlich schneller ab als bei nur 8 StundenTageslichtdauer. Dies gilt auch für in der Wohnung lebende Käfer.


Bekämpfung und vorbeugende Maßnahmen

Ein Larvenbefall im Anfangsstadium lässt sich mit etwas Glück durch gründliches Absaugen beziehungsweise Reinigen und Ausklopfen des Materials eindämmen. Auch Frost können die Larven nicht ab. Befallenes Material lässt sich also in der Kühltruhe einfrieren, wobei innerhalb von mehreren Tagen alle Stadien abgetötet werden. Ein großflächiger Befall lässt sich unter Umständen nur mit Hilfe eines Schädlingsbekämpfers tilgen, welcher Präparate ausbringt, die gezielt auf die Entwicklung der Larven einwirken.

Wohnungen mit Tierhaltung (Hunde, Katzen) sind für die Ansiedlung mit solchen Organismen wie Teppich- und Pelzkäfern besonders prädestiniert, da selbst bei regelmäßiger gründlicher Reinigung sich immer wieder Tierhaare in Ritzen und Bodenspalten ansammeln können, welche für die Teppichkäferlarven eine optimale Nahrungsgrundlage darstellen. Hier ist also Sorge zu tragen, dass Fussbodenspalten und -ritzen sowie Scheuerleisten ausreichend abgedichtet sind. Wolltextilien lassen sich durch Anwendung von Mottenschutzmitteln nur bedingt vor Teppichkäferlarvenfraß schützen.

Bildrechte: ©LAVES

Larven des Australischen Teppichkäfers

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