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Schädlingsbekämpfung im Tierstall

(Auszug aus einem Vortrag von Dr. Jona Freise anlässlich einer Fachtagung des UBA im März 2006)


Stallhygiene beinhaltet grundsätzlich drei Bereiche: die Reinigung, die Desinfektion und die Schädlingsbekämpfung.

Die Reinigung und die Desinfektion gehören bei der Tierseuchenbekämpfung zu den wesentlichen Maßnahmen, die eine Ausbreitung der Seuche verhindern können. Die Reinigung und Desinfektion sind folgerichtig Bestandteile der Betriebsroutine in Ställen und gehören bei betriebshygienischen Kontrollen zu den zu überprüfenden Größen.

Die Schädlingsbekämpfung, also die planmäßige Bekämpfung von Arthropoden und Schadnagern, ist in landwirtschaftlichen Betrieben häufig eine anlassbezogene Maßnahme: werden Schädlinge gesichtet, dann wird bekämpft. Dies gilt in erster Linie für die Schadnagerbekämpfung, während die Arthropodenbekämpfung noch weit mehr vernachlässigt wird. Bei betriebshygienischen Kontrollen wird die Schädlingsbekämpfung, die in jedem Fall dokumentiert werden muss, lediglich nach Papierlage kontrolliert. Im Tierseuchenfall, so zumindest die Erfahrungen aus Tierseuchenübungen im Land Niedersachsen, wird die Schädlingsbekämpfung von den zuständigen Tierärzten als potente Maßnahme zur Verhinderung der Seuchenausbreitung unterschätzt oder sogar vollkommen vernachlässigt. Es wird nicht bedacht, dass durch die Schädlingsbekämpfung im Tierseuchenfall, wie analog zur Reinigung und Desinfektion, die Vektorkette unterbrochen werden kann.

Erschwerend bei der Schädlingsbekämpfung im Tierstall ist die Tatsache, dass eine Schädlingsbekämpfung in einem belegten Stall nicht vorgesehen ist und vom Standpunkt der Rückstandsproblematik und dem Tierschutzgesetz nicht zur Debatte steht. Einzig praktikabel sind insektizide Streichmittelapplikationen z.B. gegen Fliegen oder die Ausbringung von Rodentiziden in stabilen Köderboxen, die für die Tiere im Stall das Schädlingsbekämpfungsmittel unerreichbar machen.

In Abbildung 1 wird eine Einteilung der Schädlinge, die im Tierstall vorkommen können, aufgrund ihrer parasitären bzw. nicht-parasitären Lebensweise und ihrer Bedeutung als Vektoren angeboten. Dabei ist zu beachten, dass die parasitären Schädlinge im Rahmen von Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen nur dann bekämpft werden dürfen, wenn sie nicht mehr in, an oder auf dem Wirtstier sind.

  Bildrechte: ©LAVES/Freise
Schädlinge im Tierstall

Eine Schädlingsbekämpfung im Tierstall ist aus wirtschaftlicher Sicht und vor allem aus Sicht des Verbraucherschutzes unumgänglich. Schädlingsbefall führt teilweise zu erheblichen Verlusten in der Mast- und Milchproduktion sowie zur Minderung der Aufzuchtsleistung. Durch Schädlinge können einerseits seuchenhafte Infektionen (Vektorfunktion der Schädlinge) und andererseits Infestationen (z.B. durch Fressen der Schädlinge) wie erhebliche Durchfallerkrankungen bei Schweinen ausgelöst werden. Auch aus humanmedizinischer Sicht sind Schädlinge im Stall ein Risiko, weil sie entweder über Nutztiere oder direkt (z.B. Salmonellose ) aber auch als Vektoren Infektionen beim Menschen verursachen können (Zoonosen wie z.B. Leptspirose, Salmonellose). Schädlinge können aber auch ohne ihre Vektorfunktion zu erheblichen Schäden und gesundheitlichen Gefährdungen des Mensch führen, z.B. durch Verderb von Lebens- und Futtermitteln. Arthropoden und vor allem Schadnager können erhebliche Verluste in Form von Material- und Verpackungsschäden verursachen. Weiterhin sind Schädlinge Vektoren für hochkontagiöse Tierseuchen wie Maul- und Klauenseuche, Schweinepest und Geflügelpest.

In Tabelle 1 sind beispielhaft einige vom Rind auf den Menschen übertragbare Zoonosen aufgeführt. In einer Spalte sind spezielle Vektoren angegeben; fehlt die Angabe, ist davon auszugehen, dass die Pathogene dieser Krankheiten auch durch Schädlinge passiv durch z.B. Anhaftungen vertragen werden können (passiver Vektor, mechanisch-taktile Übertragung).

Die Schädlingsbekämpfung im Tierstall lässt sich unter Vernachlässigung möglicher Zwischenstufen in drei Stufen einteilen:

  1. die routinemäßige Schädlingsbekämpfung,
  2. die auf Basis des allgemeinen Ordnungsrechtes zur Gefahrenabwehr, möglicherweise in Kombination mit dem Infektionsschutzgesetz behördlich angeordnete Schädlingsbekämpfung ohne ein akutes Tierseuchengeschehen,
  3. die behördlich angeordnete Schädlingsbekämpfung im Rahmen der Tierseuchenbekämpfung.
Bildrechte: © LAVES/Freise
Liste häufiger Zoonosen
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