Elektrobefischungen von Werra und Oberweser im Jahr 2005
Seit 1993 wird von der Abteilung Binnenfischerei im Institut für Fischkunde Cuxhaven jährlich eine mehrtägige Elektrobefischung der Oberweser durchgeführt. Ebenso werden Strecken der niedersächsischen Werra seit 1993 jährlich einmal elektrisch befischt, wobei seit 1998 ein ununterbrochener über 4500m langer Abschnitt mit beiden Uferseiten als Referenzstrecke für die niedersächsische Werra dient. Im Jahr 2005 wurden diese durchgehenden Zeitreihen fischereilicher Fangergebnisse durch je eine weitere Elektrobefischung von Oberweser und Werra fortgesetzt.
Oberweser
Die Oberweserbefischung hat im Juni 2005 stattgefunden. Bei Wassertemperaturen zwischen 14°C und 17°C und gemässigten Abflusswerten um 100m³/sec lagen Leitfähigkeitswerte zwischen 1950 µS und 2550 µS vor.
Die Gesamtbefischungsstrecke der neun beidseitigen Befischungspositionen betrug 14100m.
Seit Einführung der an die Wasserführung angepassten gesteuerten Einleitung im Jahr 1999 konnte eine Erhöhung der Artendichte festgestellt werden. Die Fangergebnisse des Jahres 2005 bestätigen diese Tendenz. Mit 25 Fischarten wurde die bisher höchste Artenzahl im Elektrofang registriert. Das Fischartenspektrum wurde von den vier eudominanten Arten ( > 10 %) Döbel, Aal, Plötze und Hasel sowie den zwei dominanten Arten ( 5-10 %) Mühlkoppe und Barsch massgeblich geprägt. Der gemeinsame Fanganteil dieser sechs Arten betrug rund 93 %.
Die restlichen 7 % im Elektrofang setzten sich aus den drei rezedenten Arten (1-2 %) Barbe, Elritze und Gründling sowie 16 subrezedenten Arten mit einem jeweiligen Fanganteil von unter 1 % zusammen. Mit je einem Exemplar des europäischen Welses und des Bitterlings traten zwei neue Arten im Fang auf. Abbildung 1 gibt die Zusammensetzung des Gesamtfanges der Oberweserbefischung 2005 wieder. In der herunterladbaren Pdf-Fassung sind in Tabelle 1 die Zusammensetzung des Gesamtfanges sowie einige fischereilich-ökologische Parameter wie Abundanz, Dominanz, Präsenz, Biomasse, Konditionsfaktor und Erkrankungsrate wiedergegeben.
Obwohl die Chloridbelastung 2005 niedriger als in den beiden Vorjahren ausfiel, blieb die Erkrankungsrate mit rund 10% im Vergleich zu den Jahren 2001/2002 auf erhöhtem Niveau. Häufigste Krankheitsmerkmale waren Flossenschädigungen. Am zweithäufigsten wurden nekrotische Veränderungen registriert.
Die Plötze wies mit 21 % die höchste Erkrankungsrate auf. Es folgten in absteigender Reihenfolge ihrer Erkrankungsraten die Fischarten Ukelei (15 %), Döbel, Bachforelle, Barsch (7-10 %) , Barbe und Gründling (2-3 %) sowie Koppe und Aland (0 %).
Die Fangergebnisse der einzelnen Befischungspositionen sind in Tabelle 2 des herunterladbaren Teiles wiedergegeben.
Es ist geplant, die Befischung der Oberweser im Jahr 2006 im gleichen Umfang fortzusetzen.
Werra
Die Werrabefischung des Jahres 2005 fand im Juni/Juli bei niedrigem Wasserstand statt. Die Wassertemperatur betrug 20-21°C, die elektrische Leitfähigkeit lag zwischen den Eckwerten von 4500µS und 5100µS. Die Gesamtbefischungsstrecke betrug 9250m.
Im Werrafang waren elf Fischarten vertreten. Die beiden eudominanten Arten (>10 %) Gründling und Koppe sowie der zur dominanten Klasse (5-10 %) zu rechnende Döbel machten rund 95 % des Elektrofanges aus. Die restlichen 5% verteilten sich auf folgende rezedente (1-2 %) und subrezedente Arten (<1 %) in abnehmender Reihenfolge ihres Fanganteils: Aal, Barbe, Dreistachliger Stichling, Hasel, Plötze, Bachforelle, Rotfeder und Karpfen.
Im Vergleich zum Vorjahr fällt bei der Artzusammensetzung die geradezu explosionsartige Entwicklung des Gründlingsbestandes auf , dessen Abundanz um das 27-fache von 6 Fischen /1000m auf 161 Fische/1000m anstieg. Der Dominanzwert erhöhte sich von 6 % auf rund 69 %.
Aufgrund des hohen Gründlingsanteils mit geringer äusserlicher Erkrankungsrate (2,2 %) wurde die Gesamterkrankungsrate der Werra nach unten auf den für die herrschenden Chloridkonzentrationen niedrigen Wert von 5,5 % gedrückt. Betrachtet man die Erkrankungsraten der Einzelarten in Tabelle 3 des ausdruckbaren Pdf-Teiles, so zeigen die Werte für Plötze, Döbel, Hasel und Barbe, die zwischen 23 % und 54 % liegen, dass die herschenden Versalzungsverhältnisse sich im Gesundheitszustand der meisten Einzelfischarten bemerkbar machen. Als häufigste Krankheitsmerkmale wurden hier als Folge der Salzbelastung nekrotische Veränderungen registriert. Die weniger gravierenden Flossenschädigungen kamen am zweithäufigsten vor.
Wie im Oberweserfang wies die Plötze die höchste Erkrankungsrate auf. Rund 54 % dieser Fischart zeigten äusserlich erkennbare Krankheitsmerkmale. Ebenfalls hohe Erkrankungsraten wurden beim Döbel (43 %) und der Barbe (36 %) festgestellt. Beim Dreistachligen Stichling wurden rund 9 % als krank eingestuft. Die Erkrankungsrate für Gründling und Koppe lag bei 2 % . Bei der Bachforelle waren keine kranken Exemplare erkennbar.
Die Fischartenzusammensetzung im Gesamtfang der Werrabefischung wird in Abbildung 2 wiedergegeben. Tabelle 3 des Pdf-Files gibt neben der Fangzusammensetzung einige fischereilich-ökologische Parameter wieder. Tabelle 4 zeigt die Fangverhältnisse der Befischungsteilstrecken (Positionsfangergebnisse).
Es ist geplant, die Befischung der Werra im Jahr 2006 im gleichen Umfang fortzusetzen.
Gründling
