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Die Kirschblüte läutet die Frühjahrstracht ein

Die frühe Entwicklung der Bienenvölker erfordert jetzt ein vorausschauendes imkerliches Handeln


  Bildrechte: ©LAVES/O.Boecking

Der Frühling 2026 ist da – und zeigt sich in diesem Jahr besonders abwechslungsreich und früh. Bereits Anfang Februar verwöhnten Sonne und milde Temperaturen, die laut Deutschem Wetterdienst im Monatsmittel mehr als 3 Grad Celsius über den Vergleichswerten von 1961–1990 lagen. Auch wenn es ab Mitte Februar nochmals kälter wurde, setzte sich insgesamt ein frühlingshaftes Gefühl durch. Der März präsentierte sich bislang wechselhaft, mit fast schon apriltypischen Bedingungen: Tageshöchstwerte um 20 Grad Celsius im Wechsel mit kühleren Phasen und frostigen Nächten.

Mit dem astronomischen Frühlingsanfang am 20. März – dem Zeitpunkt, an dem die Sonne den Äquator überquert und Tag und Nacht weltweit etwa gleich lang sind – stellte sich ruhiges, meist mildes Hochdruckwetter mit viel Sonnenschein ein. Trotz nächtlicher Fröste herrschten tagsüber oft gute Bedingungen für Natur und Tierwelt.

Besonders deutlich zeigt sich der Frühling jedoch im phänologischen Sinne, der sich an den Entwicklungsstadien der Pflanzen orientiert und für Landwirtschaft und Imkerei entscheidend ist. Durch die milde Witterung blühen vielerorts bereits früh im Jahr zahlreiche Pflanzen. Typische Anzeichen für den Erstfrühling sind die Blüte der Forsythie oder die Blattentfaltung der Stachelbeere. Für die Bienen ist insbesondere das Aufblühen der Salweide entscheidend. Hier boten sich gute Bedingungen: Bei trockenem Flugwetter und milden Temperaturen konnten sie reichlich Nektar und Pollen sammeln. Dies unterstützte die wachsende Brutaufzucht erheblich. Starke und vitale Bienenvölker, die gut durch den Winter gekommen waren, zeigten zu diesem Zeitpunkt bereits erste Drohnenbrut.

Die Kirschblüte kündigt den Beginn der Frühjahrstracht an

Nach einem Kälteeinbruch in den letzten Tagen beginnen nun auch für die Bienen bedeutende Obstgehölze wie Pflaume, Birne und Kirsche zu blühen. Besonders die Kirschblüte markiert einen wichtigen Zeitpunkt für erste imkerliche Arbeiten, denn nur wenige Tage später folgen bereits Birnen- und Apfelblüten. Letztere stehen im phänologischen Kalender für den Beginn des „Vollfrühlings“ und sind in der Imkerei zugleich Grundlage für die erste Frühjahrstracht.

Der phänologische Kalender bietet damit eine verlässliche Orientierung für den richtigen Zeitpunkt imkerlicher Maßnahmen. Mit stets aufmerksamem Blick auf mögliche späte Kälteeinbrüche sollten nun die anstehenden Arbeiten an den Bienenvölkern durchgeführt werden.

„Lieber den Honigraum zu früh als zu spät aufsetzen“

Erhalten die Völker jetzt zum Beginn der Kirschblüte keinen Honigraum und hält ein frühlingshaftes Wetter an, lagern die Bienen den frisch eingetragenen Nektar zwangsläufig im Brutnest ein. Der Königin stehen dadurch nur noch begrenzt leere Zellen zur Eiablage zur Verfügung. Gleichzeitig wächst der Anteil junger Bienen mit voll entwickelten Futtersaftdrüsen und es wird bereits reichlich Pollen eingetragen.

Können die Ammenbienen ihren Futtersaft jedoch nicht an ausreichend junge Larven verfüttern, weil der Königin der Platz zum Bestiften fehlt, ist der Grundstein für die Schwarmstimmung gelegt – ausgelöst allein durch Platzmangel.

Um dem vorzubeugen, gilt wie so oft der Grundsatz: „Lieber den Honigraum zu früh als zu spät aufsetzen“. So wird verhindert, dass der zunehmende Nektareintrag zu einem Überschuss im Brutraum führt und dieser im Extremfall sogar „verhonigt“. Befürchtungen, die Bienen müssten bei kühleren Temperaturen einen zusätzlichen Raum mitwärmen, sind unbegründet. Auch ein vermeintlich zu frühes Aufsetzen des Honigraums bremst die Frühjahrsentwicklung der Völker nicht. Dies belegen Populationsdaten, die mithilfe der Liebefelder Schätzmethode1 an zahlreichen Bienenvölkern in unterschiedlichen Regionen Deutschlands erhoben wurden.

Milbenreduktion durch Drohnenschnitt

Die nun einsetzende Drohnenaufzucht lässt sich gezielt als „Milbenfalle“ nutzen. Drohnenbrut wirkt bekanntermaßen wie ein Magnet auf Varroa-Milben: Sie wird bevorzugt zur Vermehrung aufgesucht, da die längere Entwicklungszeit der Drohnen eine höhere Anzahl weiblicher Milben-Nachkommen im Vergleich zur Arbeiterinnenbrut ermöglicht.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen eindeutig, dass bereits die viermalige Entnahme verdeckelter Drohnenbrut während der Bienensaison die Varroa-Population in Wirtschaftsvölkern um etwa den Faktor vier reduzieren kann 2,3,4,5.

Diese biotechnische Maßnahme trägt somit wirksam dazu bei, den Milbendruck im Jahresverlauf nachhaltig zu senken.

Darüber hinaus fördert das Einhängen eines Leerrahmens den natürlichen Bautrieb der Bienen und kann gleichzeitig den Schwarmtrieb des Volkes dämpfen.

How-to: Baurahmen einhängen und Honigraum richtig aufsetzen

Baurahmen einhängen: Für das Einhängen von Drohnen- beziehungsweise Baurahmen (Leer-Rähmchen, eventuell mit Anfangsstreifen) muss Platz im Brutraum geschaffen werden. Völkern, die über ausreichend Futtervorräte verfügen, entnimmt man dazu eine voll verdeckelte Randwabe. Wer über regelmäßig gezogene Futterkranzproben weiß, dass seine Völker gesund und frei von Amerikanischer Faulbrut sind, kann diese Futterwaben dann später im Jahr sehr gut bei der Erstellung von Jungvölkern verwerten.

Der leere Drohnenrahmen sollte an der zweit-äußeren Position am Rand beziehungsweise mit Kontakt zum Brutnest eingehängt werden. Für die spätere Kontrolle und Entnahme der Drohnenrahmen ist es sinnvoll, bei allen Völkern gleich zu verfahren. So spart man sich die Suche nach dem Drohnenrahmen. Es bietet sich auch an, gleich zwei Drohnenrahmen in einem wechselnden Intervall zu geben und zu entfernen.

Honigraum über Absperrgitter aufsetzen: Die Honigraumzarge wird ausschließlich mit hellen unbebrüteten Waben (geschleuderte und von Bienen trocken geputzte Waben aus dem Vorjahr) und mit Mittelwänden bestückt. Die ausgebauten Waben werden mittig in die Zarge gehängt und rechts und links mit Rähmchen mit Mittelwänden ergänzt. Sollte man keine ausgebauten Waben haben, gibt man nur Mittelwände. Grundsätzlich wird zwischen der oberen Brutzarge und dem Honigraum ein Königinnen-Absperrgitter zwischengelegt. Damit verhindert man die Anlage von Brut im Honigraum und erleichtert sich später die Ernte.

Brutwaben sowie ehemals bebrütete, dunkel gewordene Waben gehören aus gutem Grund nicht in den Honigraum. In jeder Brutzelle haben sich Rückstände angesammelt: Die Bienenlarven scheiden vor der Verpuppung Kot aus, den sie in ihren Kokon einarbeiten. Mit jeder weiteren Brutgeneration verstärken sich diese Ablagerungen, was die typische Dunkelfärbung der Waben verursacht.

So bieten diese Rückstände einen Nährboden für verschiedene Hefen und Mikroorganismen, die sich darin vermehren können und sich nachteilig auf die Qualität des Honigs auswirken.

Überschüssiges Futter: Mit Beginn der Tracht und dem Aufsetzen des Honigraums sollte auch überschüssiges Futter im Brutraum in den Blick genommen werden. Dessen Entnahme schafft zusätzlichen Platz für die nun steigende Eiablage der Königin und verringert zugleich das Risiko, dass eingelagertes Winterfutter in den Honigraum umgetragen wird. Auf diese Weise lässt sich eine mögliche Verfälschung der Frühtracht durch Fremdzucker vermeiden.

Kommt es hingegen durch Spätfröste oder wetterbedingte Trachtausfälle zu einem Futtermangel, können die entnommenen Futterwaben bei Bedarf problemlos wieder in die Völker zurückgegeben werden.

Effiziente Frühjahrsführung und nachhaltige Völkerentwicklung

Zusammenfassend schaffen die durchgeführten imkerlichen Maßnahmen optimale Bedingungen für brutfreudige Bienenvölker, ihr genetisches Potenzial voll zu entfalten. Die rechtzeitige Erweiterung durch den Honigraum in Kombination mit der Entnahme von Futterüberschüssen unterstützt nicht nur die Volksentwicklung, sondern fördert zugleich eine qualitativ hochwertige und wirtschaftlich erfolgreiche Honigernte. Ergänzend trägt die gezielte Entnahme von Drohnenbrut als bewährte biotechnische Maßnahme dazu bei, den Anstieg der Varroa-Population wirksam zu begrenzen.

Mit Blick auf die weiterhin aktive Bienensaison bietet sich alsbald die Möglichkeit, frühzeitig mit der Bildung von Jungvölkern sowie einer integrierten Königinnenzucht aus dem eigenen Bestand zu beginnen. Dies wirkt schwarmdämpfend auf die Wirtschaftsvölker und ermöglicht es gleichzeitig, bis zum Saisonende vitale, überwinterungsfähige und Varroa-arme Völker aufzubauen. Das erklären wir Schritt für Schritt im nächsten Infobrief.

Wir wünschen Ihnen viel Freude mit Ihren Bienen! Bleiben Sie gesund!

Dr. Otto Boecking l Franziska Benz-Odemer


Literatur:

1) Gerig L. (1983) Lehrgang zur Erfassung der Volksstärke. Schweiz. Bienen-Zeitung, 106(4): 199-204.

2) Charrière J.-D. et al. (2003) The removal of capped drone brood: an effective means of reducing the infestation of varroa in honey bee colonies. Bee World, 84:117–124.

3) Wantuch H. A. & Tarpy, D. R. (2009) Removal of drone brood from Apis mellifera (Hymenoptera: Apidae) colonies to control Varroa destructor (Acari: Varroidae) and retain adult drones. J Econ Entomol,102: 2033–2040.

4) Odemer R. et al. (2022) Temporal increase of Varroa mites in trap frames used for drone brood removal during the honey bee season. J Appl Entomol, 146: 1207–1211.

5) Odemer R. et al. (2023) Lohnt sich das Schneiden von Drohnenbrut? Schweizerische Bienen Zeitung 02: 20-24.


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