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Radioaktivitätsuntersuchungen von niedersächsischen Wildfleischproben

In Niedersachsen stagniert der Gehalt an radioaktivem Cäsium-137 bei Reh-, Rot- und Damwild, Schwankungen gibt es bei Schwarzwild


Jährlich werden circa 50 Rehwild-, 50 Schwarzwild- und einige Rot- und Damwildproben im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) auf Radioaktivität untersucht. Mehr als 30 Jahre nach dem Unfall im Kernreaktor von Tschernobyl ist von den künstlichen Radionukliden nur noch das langlebige Cäsium-137 mit einer Halbwertzeit von circa 30 Jahren relevant. Der diesbezügliche EU-Grenzwert beträgt 600 Becquerel pro Kilogramm Fleisch (Bq/kg). In Niedersachsen stagniert der Gehalt von Cäsium-137 seit rund 16 Jahren bei Reh-, Rot- und Damwild, Schwankungen gibt es immer wieder bei Schwarzwild. Klimatische und geografische Faktoren - beispielsweise das Verhalten von Wildschweinen bei der Nahrungssuche - sind hierfür verantwortlich. Das Fleisch von Tieren, bei denen eine Überschreitung dieses Grenzwertes festgestellt wird, wird vom Verzehr ausgeschlossen.

Das LAVES Institut, Standort Hannover, überprüft seit 1988 jährlich Wildfleischproben auf ihre radioaktive Belastung. Die Untersuchungen sind Teil des sogenannten Wildmonitorings, das das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als Reaktion auf die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl eingerichtet hatte. Das LAVES wurde mit der landesweiten Durchführung des Wildmonitorings beauftragt.

Die Grafik zeigt Gesamtcäsiumbelastung von Reh- und Schwarzwild von 1988 bis 2019 in Niedersachsen (Stand 20. Juli 2020)   Bildrechte: LAVES
Sonderprogramm Wild: Gesamtcäsiumbelastung von Reh- und Schwarzwild 1988 bis 2019 in Niedersachsen (Stand 20. Juli 2020)

Im Jahr 2019 wurden 59 Wildproben hinsichtlich Umweltradioaktivität gemessen, darunter 25 Rehwild- und 23 Schwarzwildproben. Es wurde keine Überschreitung des EU-Grenzwertes von Cäsiums-137 festgestellt. Seit rund 16 Jahren stagniert der Gehalt an radioaktivem Cäsium-137 bei Reh-, Rot- bzw. Damwild aus Niedersachsen bei einem niedrigen Medianwert von etwa 10 Bq/kg Fleisch. Der Medianwert ist der Messwert einer Reihe von Messwerten ober- bzw. unterhalb dem jeweils 50 Prozent der übrigen Werte liegen.

Demgegenüber werden beim Schwarzwild Schwankungen im Gehalt an Cäsium-137 festgestellt: Beispielsweise lag im Jahr 2003 der Medianwert beim Schwarzwild bei nur 20 Bq/kg. Der höchste Wert, der in einer Schwarzwildfleischprobe gemessen wurde, betrug 285 Bq/kg Fleisch. Er lag damit deutlich unter dem EU-Grenzwert von 600 Bq/kg. Zwölf Monate später betrug der Medianwert jedoch 61 Bq/kg. Im Jahr 2019 betrug der Medianwert 18 Bq/kg, wobei der maximal ermittelte Wert bei 243 Bq/kg lag.

Der EU-Grenzwert wurde in 2019 sowie in 2018 bei keiner Wildschweinprobe überschritten; auch nahm der Medianwert gegenüber den Vorjahren ab. Überschreitungen werden manchmal in Wildschweinproben aus bestimmten Harzrevieren festgestellt. Für diese, scheinbar verwirrenden Unterschiede (es wird aufgrund des Zerfalls von einer kontinuierlichen Abnahme der Radioaktivität ausgegangen) sind klimatische und geographische Faktoren verantwortlich. Das Phänomen tritt dann auf, wenn die Wildschweine bei Nahrungsmangel und schlechter oder fehlender Baummast durch Eicheln oder Bucheckern im Winter vermehrt Futter aus Bodenschichten aufnehmen, sofern Frost und Schneelagen es zulassen. In bestimmten Gebieten sind diese Bodenschichten durch Auswaschen radioaktiver Partikel aus der Atmosphäre durch Regen - vor allem nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl - in Verbindung mit besonderen geologischen Gegebenheiten mit einem vergleichsweise erhöhten Gehalt an Radionukliden belastet. Das Verhalten der Wildschweine bei der Nahrungssuche kann dann daher vereinzelt zu einem ebenfalls erhöhten Gehalt an Radionukliden im Wildschweinfleisch führen.

Für 2015 und 2017 wurden bei Schwarzwild höhere Medianwerte festgestellt – dies beruht unter anderem auf einem geringeren Probenanteil von (jüngerem) Fallwild gegenüber den früheren Jahren.

Erfassungsbogen Umweltradioaktivität Sonderprogramm Wild zum Download (nicht barrierefrei):

 

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