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Das Prinzip Bruderhahn - Alternative zum Töten der männlichen Küken

Bei Hühnern liegt der Schwerpunkt der Legerassen auf der Eierproduktion, dementsprechend haben die männlichen Tiere schlechte Masteigenschaften: die Mastdauer ist deutlich länger und der Fleischansatz deutlich schlechter als bei den Mastrassen. Daraus resultierend werden im Jahr etwa 45 Millionen männliche Küken der Legerassen getötet, da diese Tiere nicht wirtschaftlich genutzt werden können.

Die Bundesregierung hat ein Verbot für das Töten männlicher Küken auf den Weg gebracht, welches Anfang 2022 in Kraft tritt. Das setzt die zuverlässige Geschlechtsbestimmung im befruchteten Ei voraus. Es gibt mittlerweile mehrere Verfahren, die jedoch noch nicht alle praxisreif sind. Viele liefern erst nach acht Bebrütungstagen ein sicheres Ergebnis.

Ab 2024 sollen in Deutschland nur noch Tests vor dem sechsten Tag erlaubt sein, da die Embryonen bis dahin kein Schmerzempfinden haben.

Küken Bildrechte: © Jose Manuel Gelpi - Fotolia.com

Als Alternative zum Töten der männlichen Küken gibt es seit einiger Zeit das Prinzip Bruderhahn, bei dem die „Brüder“ der Legehennen aufgezogen, gemästet und als Geflügelfleisch vermarktet werden. Es gibt mittlerweile verschiedene gleichgeartete Projekte.

Über einen höheren Eierpreis von bis zu vier Cent wird die Mast der Bruderhähne quersubventioniert, was aber den weit höheren Futterverbrauch, die längere Mastdauer und das geringe Mastendgewicht nicht ausgleichen kann.

Der hohe Futterverbrauch lässt außerdem auch die Frage nach der Nachhaltigkeit aufkommen.

Für ein Kilogramm Zuwachs sind in der konventionellen Hähnchenmast etwa 1,7 Kilogramm Futter erforderlich, in der ökologischen Hähnchenmast etwa 2,5 Kilogramm Futter. Bei den Bruderhähnen liegt der Futterbedarf dagegen je nach Schlachtalter für ein Kilogramm Zuwachs bei etwa fünf bis zu zwölf Kilogramm. Hier wird durch Verwendung von möglichst viel Futtermitteln versucht, die nicht für den menschlichen Verzehr genutzt werden können, einen Ausgleich zu schaffen.

Im Übrigen ist die Fleischqualität der Bruderhähne eine andere als bei den Mastrassen, das Fleisch ist relativ fest, so dass überwiegend eine Verarbeitung als Kochfleisch gegeben ist. Die Erlöse für dieses Fleisch sind nicht vergleichbar mit denen für das Fleisch von Mastrassen, was wiederum die Wirtschaftlichkeit für den Mäster zusätzlich reduziert.

Diese Punkte machen deutlich, dass die Fleischerzeugung über männliche Tiere von Legerassen sowohl ökonomisch als auch ökologisch kritisch zu sehen sind.

Ziel ist es daher, neben der vorrangigen Geschlechtsbestimmung im Ei in der Zucht ergänzend auch wieder auf Zweinutzungslinien zu setzen, die sowohl in der Legeleistung als auch in der Mast wirtschaftlich akzeptable Leistungen bringen.

Hierbei ist zu beachten, dass die Legeleistung dann deutlich reduziert ist.

In Deutschland liegt der Selbstversorgungsgrad für Eier aktuell bei etwa 72 Prozent. Allein um diesen zu halten, müssten wiederum mehr Legehennen gehalten werden. Ansonsten wäre zur Versorgung der Bevölkerung ein erhöhter Importbedarf gegeben – beides hat sowohl ökonomische als auch ökologische Nachteile.

Ein weiterer Lösungsansatz ist eine verlängerte Nutzungsdauer der Legehennen.

Die Legeleistung nimmt zwar im zweiten Lebensjahr ab, auch ist dann ein Durchmausern der Herde notwendig, was ein gutes Herdenmanagement erfordert. Eine längere Nutzung reduziert aber den Bedarf an Küken, womit dann logischerweise auch weniger männliche Tiere anfallen und die Probleme der Bruderhahnaufzucht gar nicht erst entstehen.

Es gibt somit viele verschiedene Lösungsansätze, die alle ihr Für und Wider haben, was sorgfältig gegeneinander abzuwiegen ist.

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