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Herkunftsanalyse: Erdbeeren auf dem Prüfstand

Überprüfung der Authentizität als deutsch gekennzeichneter Erdbeeren mittels Stabilisotopenanalyse


Erdbeeren gibt es in deutschen Supermärkten das ganze Jahr – meist importiert aus Südeuropa oder dem außereuropäischen Raum. Wenn die Sommerzeit in Deutschland naht und auch hier die süßen Früchte sprießen, greifen Verbraucherinnen und Verbraucher gerne auch tiefer in die Tasche, um das regionale Produkt zu genießen. In diesem Fall genießt der Händler der mit Herkunft „Deutschland“ gekennzeichneten Ware einen Vertrauensvorsprung. Denn ob die Erdbeeren wirklich in Deutschland angebaut und geerntet wurden, können die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht überprüfen. Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut (LVI) Oldenburg ist in der Lage über eine Stabilisotopenanalysen Informationen zur geografischen Herkunft von Lebensmitteln gewinnen.

Food Fraud bei "deutschen" Erdbeeren

Hintergrund dieser Falschdeklaration, die bei vorsätzlicher Täuschung in den Bereich Lebensmittelbetrug (Food Fraud) fällt, und der Umdeklaration ausländischer zu deutscher Ware steht ein ökonomischer Anreiz: Besonders zu Beginn der Saison lassen sich mit deutschen Erdbeeren aufgrund der geringeren Verfügbarkeit und höheren Nachfrage regionaler Ware höhere Preise erzielen. Treibhausware aus dem Ausland ist hingegen das ganze Jahr zu günstigeren Preisen verfügbar.

Aus diesem Grund untersucht das LVI Oldenburg regelmäßig Erdbeeren wie auch im Jahr 2019. Insgesamt wurden 38 Proben Erdbeeren mit Hilfe verschiedener Methoden der Stabilisotopenanalyse untersucht. Unter diesen Proben wurden 18 Proben mit der Herkunftsangabe „Deutschland“ im Handel angeboten, weitere 10 Proben wurden als authentisches Probenmaterial (Referenzproben) von der zuständigen Lebensmittelüberwachung direkt von niedersächsischen Erdbeerfeldern entnommen. Die restlichen 10 Proben stammten aus den Niederlanden, Marokko und Spanien.

Erdbeeren waschen Bildrechte: © lisalucia - Fotolia.com

Stabilisotopenanalyse bei Erdbeeren

Die Unterscheidung zwischen den hiesig gewachsenen Erdbeeren und Erdbeeren aus Ländern mit einem wärmeren Klima ist anhand abweichender Sauerstoff- und Wasserstoffisotopenverhältnissen im Fruchtwasser der Erdbeere möglich. Die Differenzierung zwischen deutschen und niederländischen Erdbeeren ist aufgrund ähnlicher Isotopenwerte von Sauerstoff- und Wasserstoff nicht möglich. Daher werden zusätzlich die Kohlenstoff- und Stickstoffisotopenverhältnisse der fettfreien Trockenmasse der Erdbeernüsschen bestimmt.

Ergebnis: Abweichender Isotopenwert bei vier Handelsproben

Die diesjährige Untersuchung zeigte, dass vier Handelsproben für deutsche Ware abweichende Isotopenwerte zeigten.

Das Ergebnis der Stabilisotopenanalyse verschiedener Fraktionen, wie dem Erdbeerwasser und der fettfreien Trockenmasse der Erdbeernüsschen, zeigte bei den vier Erdbeerproben ein auffallend negatives Kohlenstoffisotopenverhältnis der fettfreien Trockenmasse der Erdbeernüsschen von -42 bis -49,5 ‰ VPDB, während die auf niedersächsischen Feldern entnommenen Referenzproben bei rund -27 bis -28 ‰ VPDB lagen. Hintergrund dieser negativen Kohlenstoffisotopenverhältnisse ist eine Kultivierung der Erdbeeren in Gewächshäusern, bei denen eine Erwärmung der Gewächshausluft durch Einblasen von Verbrennungsgasen fossiler Rohstoffe vorgenommen wird. Das aus Erdgas entstandene Verbrennungsprodukt Kohlenstoffdioxid ist verglichen zum Kohlenstoffdioxid der Erdatmosphäre isotopisch „leichter“, sodass durch Kohlenstoffdioxidassimilation die Isotopie der Biomasse der Erdbeerpflanze verändert wird.

Ein Gewächshausanbau mit direkter Erdgasverbrennung ist in den Niederlanden sehr verbreitet, lässt sich aber bei deutschen Erdbeeren nicht 100 % ausschließen. Daher ist die Überprüfungen von Lieferpapieren und die Durchführung von Vorortkontrollen durch die zuständigen Kontrollbehörden zwingend notwendig, um dem Verdacht der irreführenden Herkunftsangabe nachzugehen.

Aufgrund der Befunde wird die Überprüfung der geografischen Herkunft als Kaufentscheidungskriterium der Verbraucher und Verbraucherinnen bei Erdbeeren auch in den nächsten Jahren im Fokus der Untersuchungstätigkeit des LVI Oldenburg stehen.


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