Griechischer Joghurt: beliebt in der Küche, unauffällig in der Untersuchung
Griechischer Joghurt ist beliebt: Der hohe Fettanteil macht ihn angenehm cremig, er ist mild im Geschmack und enthält auch noch eine Menge Eiweiß.
Doch wann ist ein Joghurt ein griechischer Joghurt? Was ist der Unterschied zum Joghurt nach griechischer Art? Und stimmen die Fett-, Eiweiß- und Zuckerangaben auf dem Joghurtbecher überhaupt? Das hat das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg im Jahr 2025 untersucht.
Was ist eigentlich ein griechischer Joghurt?
Original griechischer Joghurt wird traditionell durch längeres Abtropfen der Molke nach der Dicklegung der Milch hergestellt (sogenannter „Abtropf-Joghurt“). Dadurch wird zur Herstellung mehr Milch benötigt, weshalb der fertige Joghurt einen höheren Eiweiß- und gegebenenfalls Fettgehalt enthält.
Nicht in Griechenland hergestellter Joghurt wird nicht als „Griechischer Joghurt“ bezeichnet, sondern als „Joghurt nach griechischer Art“. Oft unterscheiden sich diese Produkte vom Original durch einen geringeren Milcheinsatz, was sich im niedrigeren Eiweißgehalt widerspiegelt.
Untersuchungen des LAVES
Im Jahr 2025 wurden in einem Projekt 21 Proben Joghurt nach griechischer Art beziehungsweise griechischer Joghurt untersucht. Dabei handelte es sich siebzehnmal um Joghurt nach griechischer Art, das heißt, der Joghurt wurde in Deutschland hergestellt (elf der Proben wurden laut Identitätskennzeichen in Niedersachsen hergestellt, drei in Sachsen, zwei in Nordrhein-Westfalen und je eine in Brandenburg beziehungsweise Bayern). Ein Produkt war ein Joghurterzeugnis nach griechischer Art, und bei drei Proben handelte es sich um original griechischen Joghurt, der laut Identitätskennzeichen aus Griechenland stammte.
Die Aufmachung aller Produkte war in blau-weiß gehalten und zeigte griechisch anmutende Motive wie Tempel, Säulen, Kirchen, Häuser oder Windmühlen.
Die Fettgehalte der Joghurts nach griechischer Art lagen zwischen sieben und 10 Prozent, der original griechische Joghurt hatte einen Fettgehalt von 4 bis 10 Prozent.Die Überprüfung des angegebenen Fettgehaltes im Labor ergab keine Auffälligkeiten.
Der Eiweißgehalt des griechischen Joghurts war erwartungsgemäß höher als der der deutschen Joghurts nach griechischer Art. Er lag laut Deklaration beim griechischen Joghurt bei vier bis gut sieben Prozent und bei den deutschen Produkten zwischen gut zwei und vier Prozent, was einem ganz normalen Eiweißgehalt für Joghurt entspricht. Die deklarierten Eiweißgehalte wurden analytisch überprüft und stimmten alle im Rahmen der üblichen Toleranzen mit den angegebenen Werten überein.
Auch die deklarierten Zuckergehalte wurden im Labor überprüft und ergaben keine nennenswerten Abweichungen von den hier ermittelten Werten. Die deklarierten Gehalte lagen bei den puren Joghurts im Bereich von 3,4 bis 4,5 g je 100 g (bestehend aus natürlicherweise enthaltener Lactose und Galactose), die gesüßten Produkte wiesen Zuckergehalte von 12 bis 16 Prozent auf.
Bei den Geschmacksrichtungen dominierten die puren Produkte ohne weitere Zusätze (sechszehnmal). Der original griechische Joghurt enthielt auch keine weiteren geschmackgebenden Zutaten.
- Zwei Joghurts griechischer Art waren mit Honig oder einer Honigzubereitung versetzt worden und enthielten laut Quid-Angabe zwischen 6 und 6,4 Prozent Honig.
- Früchte oder eine Fruchtzubereitung enthielten drei Joghurts griechischer Art (Sauerkirche, Blutorange und Granatapfel beziehungsweise Himbeere und Feige). Hier lagen die deklarierten Fruchtgehalte bei 4,5 bis 12,5 Prozent.
- Bei diesen fünf Produkten wurden neben der geschmackgebenden Zutat „Honig“ beziehungsweise Frucht auch noch Aromen eingesetzt und die Erzeugnisse waren mit färbenden Pflanzenkonzentraten gefärbt.
- Zudem enthielten diese Produkte Verdickungsmittel und
- einer Probe war zusätzlich der Farbstoff echtes Karmin zugesetzt.
Auf elf Packungen wurden Verbraucherinnen und Verbraucher mit dem Emblem „ohne Gentechnik“ darauf hingewiesen, dass zur Fütterung der Kühe nur gentechnikfreies Futter eingesetzt wurde.
Bei zwei der original griechischen Joghurts wurde mit der nährwertbezogenen Angabe „Proteinquelle“ beziehungsweise „hoher Proteingehalt“ auf den (hohen) Eiweißgehalt hingewiesen. Dieses Produkt erfüllte die dafür in der EG (VO) Nr. 1924/2006 vorgeschriebenen Bedingungen.
In der Kennzeichnung von 13 Produkten war der Nutri-Score angegeben, ein System zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln, das aus einer fünfstelligen Farb- und Buchstabenskala besteht und auf freiwilliger Basis von den Herstellern angegeben werden kann. Die so gekennzeichneten Joghurts nach griechischer Art erreichten ein gelbes C. Zwei dieser Joghurts waren jedoch mit einem qualitativ höherwertigen hellgrünen B gekennzeichnet, was ihnen nach der hier durchgeführten Berechnung über die deklarierten Nährwertangaben nicht zustand. Die Nutri-Score-Angabe wurde daher als irreführende Angabe beurteilt.
Bei einem Produkt war zudem die Schriftgröße der Nennfüllmenge zu gering.Weitere interessante Artikel:
