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Weihnachten in der Tasse: Kinderpunsch

Das LAVES untersucht alkoholfreie Heißgetränke aus Fertigpackungen und von Weihnachtsmärkten


Glühwein in weihnachtlichem Becher Bildrechte: ©Jeanette Dietl - Fotolia.com

Adventszeit ist Glühweinzeit. Weihnachtslieder lauschen und Geschenkideen sammeln – fehlt nur noch etwas Warmes gegen die Kälte. Da bietet sich eine heiße Tasse Glühwein an. Neben dem klassischen Glühwein gibt es für Jung und Alt eine alkoholfreie Alternative: Kinderpunsch.

Wen die Lust nach einer duftend-warmen Tasse Kinderpunsch zuhause überkommt, der muss nicht unbedingt zum nächsten Weihnachtsmarkt fahren. Beinahe jeder Supermarkt verkauft mittlerweile Fertigpackungen. Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover am Standort Braunschweig untersucht regelmäßig die Beschaffenheit, die Zusatzstoffverwendung sowie die Kennzeichnung auf Punsch-Fertigpackungen. Zudem überprüft das Institut auch alkoholfreie Heißgetränken auf Weihnachtsmärkten.

Untersuchungen des LAVES

Praxistipp: Kinderpunsch selber kochen

Was ist Kinderpunsch?

Als „Kinderpunsch“ werden viele verschiedene Getränkevarianten angeboten, doch eine rechtlich vorgeschriebene Bezeichnung gibt es nicht. Daher können die Getränke unterschiedlich zusammengesetzt sein. Es gibt aber Gemeinsamkeiten: Sie enthalten keinen Alkohol, weihnachtliche Gewürze sowie zwischen 25 und 100 Prozent Fruchtsaft. Einigen Getränken wird Zucker zugesetzt, einige können Süßungsmittel enthalten.

Untersuchungen des LAVES

Untersuchung Alkoholfreier Kinderpunsch in Fertigpackungen

Im Jahr 2020 hat das Institut 59 Proben „alkoholfreien Kinderpunsch in Fertigpackungen“ untersucht - davon 32 Proben auf den Gehalt des Schimmelpilzgiftes Patulin. Dieser war in allen Proben unauffällig.

Bei 15 Proben wurden Auffälligkeiten in der Zusammensetzung und/oder bei der Kennzeichnung festgestellt.

  • Zwei Bio-Erzeugnissen war unzulässigerweise Vitamin C zugesetzt.
  • Fünf Proben waren wegen irreführender Angaben oder Werbungen auffällig. Zum Beispiel waren die für die Angabe „mit Vitamin C und Calcium“ erforderlichen Gehalte nicht nachweisbar oder zu gering.
  • In sieben Proben konnte der Zusatz des Antioxidationsmittels Ascorbinsäure nachgewiesen werden. Dieser Zusatz ist zulässig, allerdings fehlte die gemäß der Lebensmittelinformationsverordnung vorgeschriebene Aufzählung im Zutatenverzeichnis.
  • Weitere Kennzeichnungsmängel betrafen zum Beispiel die Nährwertdeklaration und die mengenmäßige Deklaration bestimmter Zutaten (QUID-Regelung). Die QUID-Angabe gibt den Anteil einer Zutat am Gesamtprodukt an. Dabei ist eine präzise Mengenangabe Pflicht.

Im Jahr 2017 hat das Institut 16 Proben erhalten. Analytisch wurden zwar keine Mängel festgestellt, sechs Proben (38 Prozent) wiesen jedoch eine fehlerhafte Kennzeichnung auf: Die Füllmenge, die in der Verpackung eines Produktes enthalten sein sollte, war bei einer Probe in zu kleiner Schriftgröße angegeben. Eine andere Probe nutzte die Auslobung „Auslese“, die für dieses Produkt nicht zulässig war und bei fünf weiteren Produkten bezeichnete die Quidangabe lediglich einen Mindestgehalt.

Glühwein und Kekse Bildrechte: ©S.H.exclusiv - stock.adobe.com

Untersuchung alkoholfreier Heißgetränke auf Weihnachtsmärkten

Aufgrund der Corona-Pandemie wurden zuletzt im Jahr 2019 Proben von Weihnachtsmärkten untersucht. Im Fokus waren damals folgende Untersuchungsschwerpunkte:

  • Mögliche Wertminderung durch Hitzeeinwirkung oder durch ungeeignete Materialien
  • Überprüfung der Zusatzstoffverwendung
  • Bezeichnung der Getränke am Marktstand

Das Institut hat 13 Proben untersucht, von denen elf am Marktstand als „Kinderpunsch“ verkauft wurden. Zwei weitere Erzeugnisse wurden als „Fruchtpunsch" bezeichnet.

Es wurde unter anderem den Gehalt des Prozess-Kontaminanten Hydroxymethylfurfural (HMF) bestimmt. Prozess-Kontaminanten sind Stoffe, die bei der Zubereitung oder Herstellung von Lebensmitteln als unerwünschtes Nebenprodukt entstehen.

Vier Proben wurden als wertgemindert beurteilt und entsprachen nicht der Verkehrsauffassung: Aufgrund von Hitzeeinwirkung wies ein Erzeugnisse eine braune Farbe, eine Kochnote in Geruch und Geschmack sowie damit einhergehend einen hohen HMF-Gehalt auf. Wird HMF nachgewiesen, ist das ein Hinweis darauf, dass das Produkt zu lange erhitzt worden ist. Fruchtaromen waren nicht oder nur noch schwach vorhanden. Drei Erzeugnisse wiesen einen Gehalt an Ethanol von mehr als zwei Gramm pro Liter (g/l) auf und entsprachen daher nicht den Regelungen der Leitsätze für Erfrischungsgetränk.

Bei allen Proben wurde der Gehalt an Kupfer bestimmt. Dabei handelt es sich um eine Prozess-Kontaminante, die aus ungeeigneten Materialien wie Heizkesseln oder Töpfe in das Erzeugnis übergehen kann. Unter standardisierten Bedingungen wird ein Stoffübergang (SRL: specific release level) von vier Milligramm Kupfer pro Kilogramm Lebensmittel toleriert. Erfreulicherweise lag keine der untersuchten Probe über der festgelegten Höchstmenge. Bei sechs Proben lag der Kupfergehalt unterhalb der Bestimmungsgrenze von 0,022 Milligramm pro Liter (mg/l). In weiteren sechs Proben wurden Gehalte zwischen 0,067 und 0,284 mg/l nachgewiesen, bei einer Probe ein Gehalt von 1,111 mg/l.

Die Bezeichnung Punsch wurde als irreführend beurteilt, da ein als „Punsch“ bezeichnetes Erzeugnis üblicherweise alkoholhaltig ist. Es wurde bei zwei als „Fruchtpunsch“ bezeichneten alkoholfreien Erzeugnissen empfohlen, die Bezeichnung der Erzeugnisse um die Angabe „alkoholfrei“ zu ergänzen.

Bei einer Probe fehlte die erforderliche Kenntlichmachung der verwendeten Süßungsmittel von „mit Süßungsmitteln“.

Im Jahr 2018 hat das Institut 15 Proben untersucht, von denen zwölf am Marktstand als „Kinderpunsch“ verkauft wurden. Die weiteren Erzeugnisse wurden als „Früchte Punsch ohne Alkohol“, „Glühwürmchen Kidz alkoholfrei“ und „Fliederbeerpunsch“ bezeichnet.

Drei Proben wurden als wertgemindert beurteilt und entsprachen nicht der Verkehrsauffassung: Aufgrund von Hitzeeinwirkung wiesen diese Erzeugnisse eine braune Farbe, eine Kochnote in Geruch und Geschmack sowie damit einhergehend einen hohen Hydroxymethylfurfural-Gehalt auf.

Bei einem als „Fliederbeerpunsch“ bezeichneten alkoholfreiem Erzeugnis wurde empfohlen, die Bezeichnung des Erzeugnisses um die Angabe „alkoholfrei“ zu ergänzen.

Bei 6 von 15 untersuchten Proben fehlte die erforderliche Kenntlichmachung der verwendeten Zusatzstoffe, „Konserviert“ beziehungsweise „mit Konservierungsstoff“ (zweimal), „mit Süßungsmitteln“ (viermal) und bei Verwendung von Aspartam die Angabe „enthält eine Phenylalaninquelle“ (viermal).

Bei einer Probe, die den Farbstoff E 122 enthielt, fehlte zudem die erforderliche Angabe: „Bezeichnung oder E-Nummer des Farbstoffes: Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“. Die Angabe „mit Farbstoff“ war bei dieser Probe jedoch vorhanden.

Ein Glas Kinderpunsch Bildrechte: Alex Hagmann - stock.adobe.com

Praxistipp: Kinderpunsch selber kochen

Wer die Weihnachtsmarktlaune auf das heimische Sofa zaubern will, braucht für eigenen Kinderpunsch weder Fertigpackungen noch viele Zutaten. Einfach einen oder mehrere Fruchtsäfte mit Gewürzen nach Wahl sowie unbehandelten Orangen- oder Zitronenschalen erhitzen und nach Bedarf mit Zucker oder Sirup süßen. Und schon ist der selbstgemachte Kinderpunsch fertig.

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