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Kinderdesserts – zu süß, zu fettig...?

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Sie sind beliebt bei Kindern als Nachtisch oder einfach mal für zwischendurch verzehrt und finden sich in jedem Kühlregal: Desserts, die auf dem Becher mit speziellen bunten Abbildungen um die Gunst der lieben Kleinen werben. Leider sind einige von ihnen sehr kalorien- beziehungsweise fettreich und süß, so dass die Kinder „nebenbei“ viele Kalorien und Zucker aufnehmen, was den zu beobachtenden Trend unterstützt, dass in Deutschland immer mehr Heranwachsende übergewichtig sind.

Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES hat im Jahr 2021 in einem Projekt 19 solcher Kinder-Milchprodukte untersucht. Es wurden die auf der Verpackung angegebenen Nährwerte, insbesondere Zucker-, Fett- und Eiweißgehalt als auch der Brennwert überprüft. Zudem wurde die Kennzeichnung sowie die Werbebehauptungen dieser Produkte kontrolliert.

Es handelte sich im Einzelnen um zwölf Joghurtprodukte (mit Frucht oder anderen Zusätzen wie Cerealienkugeln oder dragierten Schokolinsen), dreimal um Frischkäsezubereitungen mit Frucht, um zwei Milchdesserts mit Schokolade und Nüssen und ein Milchmischerzeugnis mit Fruchtzusatz zum Trinken.

Zucker, Fett und Co.

Die im Zuge der Nährwertkennzeichnung deklarierten Zuckergehalte lagen im Bereich von 10 bis 18 Prozent. Diese Werte stimmten gut mit den hier ermittelten Gehalten überein (9,8 – 18,3 Prozent).

Die deklarierten Fettgehalte lagen im Bereich von 1,5 bis 12,7 Prozent. Auch hier stimmten die Werte gut mit den hier ermittelten Gehalten überein (1,6 – 11,9 Prozent). Das gleiche galt für die Eiweißgehalte, die auf den Packungen mit Werten im Bereich von 2,9 – 6,3 Prozent angegeben waren und ebenfalls analytisch überprüft wurden (2,7- 6,2 Prozent).

Der Brennwert der Produkte, der im Zuge der Nährwertdeklaration auf den Packungen angegeben ist und im Bereich von 71 kcal bis 202 kcal pro 100 g lag, wurde anhand der analytisch bestimmten Parameter rechnerisch überprüft. Auch hier ergaben sich keine Auffälligkeiten: Die ermittelten Werte stimmten gut mit den auf den Packungen deklarierten Gehalten überein (70 – 202 kcal pro 100 g).

Die Portionsgrößen variierten zwischen 50 und 175 g. Die mit einer Portion aufgenommenen Zuckermengen lagen zwischen 5,9 g (bei einer Portionsgröße von 60 g und einem Zuckergehalt von 9,8 Prozent) und 32 g Zucker (bei einer Portionsgröße von 175 g und einem Zuckergehalt von 18,3 Prozent). Kinder- und Jugendärzte empfehlen Kindern nicht mehr als 25 g Zucker pro Tag zu verzehren (Nicht mehr als sechs kleine Teelöffel Zucker pro Tag: www.kinderaerzte-im-netz.de). Diese Menge wird hier im ungünstigsten Fall bereits durch einen gesüßten Joghurt mit dragierten Schokolinsen um etwa ein Viertel überschritten.

Bezüglich der aufgenommenen Energiemenge ergab sich unter Berücksichtigung der Portionsgröße eine Mindestenergiemenge von 47 kcal pro Portion (von 50 g und 94 kcal/100 g bei einer Frischkäsezubereitung mit Frucht) und eine Maximalenergiemenge von 253 kcal (bei einer Portionsgröße von 125 g und einem Brennwert von 202 kcal/100 g bei einem Milchdessert mit Schokolade, Haselnüssen und Getreidekugeln). Ein vier- bis siebenjähriges Kind nimmt mit so einem Schoko-Haselnuss-Dessert bereits fast ein Fünftel seiner benötigten Gesamtenergiemenge pro Tag auf (Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE: D-A-CH-Referenzwerte gesamt).

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Kennzeichnung
Auf drei Verpackungen wurden nährwertbezogene Angaben (nbA) zu Calcium beziehungsweise Vitamin D gemacht. Die laut Nährwertdeklaration enthaltenen Mengen erfüllten die in der Health-Claims-Verordnung dafür festgelegten Bedingungen. Auf einer Verpackung waren zudem zulässige gesundheitsbezogene Angaben zu Vitamin B6 und D vorhanden.

In 14 Erzeugnissen mit Fruchtanteil wurden zur Farbunterstützung färbende Frucht-, Pflanzen- beziehungsweise Lebensmittelkonzentrate eingesetzt und dies im Zutatenverzeichnis auch so angegeben. Häufig Verwendung fanden Produkte aus (schwarzen) Karotten, Rote Bete, Holunder, Rettich, Apfel oder auch der Spirulina-Alge. Farbstoffe, die als Zusatzstoffe in den Anwendungsbereich der VO (EG) 1333/2008 fallen würden, wurden laut Zutatenverzeichnis bei keiner Probe verwendet.

Ohne Aromen kamen nur zwei von 19 Produkten aus. In 17 der Kinder-Milchprodukte wurden laut Zutatenverzeichnis Aromen eingesetzt.

Auf sieben Verpackungen fanden sich Angaben zum Clean-Labeling. Das heißt, es wird werbend darauf hingewiesen, dass auf bestimmte erlaubte Zusatzstoffe verzichtet wird. So wurde auf allen sieben Verpackungen der Hinweis „ohne Konservierungsstoffe“ angegeben. Weiter war auf einer Verpackung der Hinweis zu finden, dass keine Farbstoffe verwendet wurden.

In der Kennzeichnung von vier Produkten war der Nutri-Score angegeben, ein neues System zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln, das aus einer fünfstelligen Farb- und Buchstabenskala besteht und auf freiwilliger Basis von den Herstellern angegeben werden kann. Die so gekennzeichneten Lebensmittel erreichten jeweils ein hellgrünes „B“.

Auf einem Produkt wurden erfreulicherweise zudem Angaben gemacht, dass man das Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sehr wohl noch genießen kann, wenn man vorher Geruch, Geschmack und Optik geprüft hat.

Bei vier Erzeugnissen wurden Kennzeichnungsmängel festgestellt: In zwei Fällen war die QUID-Kennzeichnung (Mengenkennzeichnung von Lebensmitteln) nicht auf das Endprodukt bezogen angegeben und daher für den Verbraucher nicht leicht verständlich. In einem Fall war die Nährwertkennzeichnung nicht in einer Tabelle zusammengefasst, obwohl auf der Verpackung ausreichend Platz vorhanden war. Außerdem war auf einer Packung eine unzulässige gesundheitsbezogene Angabe vorhanden, und im Zutatenverzeichnis einer Probe waren die enthaltenen allergenen Zutaten nicht deutlich hervorgehoben.

Insgesamt ist es sinnvoll, Kindern diese Desserts nur ab und zu anzubieten und dann solche zu wählen, die in kleineren Portionen angeboten werden, damit die damit aufgenommene Energie- beziehungsweise Zuckermenge im Rahmen bleibt. Eltern sollten auf gezuckerte Fertigprodukte nach Möglichkeit verzichten, um ihre Kinder nicht an süßes Essen zu gewöhnen.

Tipp!: Ein leckeres Joghurtdessert ist schnell als Naturjoghurt mit Obst nach der Saison selbst angerührt und hat den Vorteil, dass man die verwendeten Zutaten kennt, auf Haushaltszucker und auf Salz verzichten kann. Weiterer Vorteil: Auch Verpackungsmüll kann so vermieden werden.


Weitere Informationen zum Thema Kinderernährung:

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