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Bei rohem Hundefutter mit Keimbelastung rechnen

Umgang mit BARF-Futtermitteln erfordert besondere Sorgfalt



Immer mehr Hundehalter füttern ihre Tiere mit rohem Fleisch. Die Abkürzung BARF steht hierzulande für „biologisches artgerechtes rohes Futter“. Dies soll den natürlichen Fressgewohnheiten der Hunde in Anlehnung an die Lebensweise von Wildhunden und Wölfen nahekommen. Eine Untersuchung des LAVES zeigt, dass bei diesen Futtermitteln mit dem Vorkommen von krankmachenden Bakterien zu rechnen ist.

Bisher liegen wenige Daten dazu vor, ob die rohen Futtermittel für Mensch und Tier gefährliche Krankheitserreger enthalten. Daher hat das LAVES sich jetzt den Hygienestatus genauer angeschaut. Da es für die amtliche Futtermittelüberwachung keine spezifischen Regelungen zur Beurteilung dieser Futtermittel – insbesondere des hygienischen Zustandes – gibt, wurde im Rahmen eines Sonderprogramms im Futtermittelinstitut Stade eine mikrobiologische Statuserhebung durchgeführt. Futtermittelrechtlich gibt es bei Qualitätsmängeln nur die Beurteilung als „nicht sicheres Futtermittel“, zum Beispiel im Falle eines Salmonellennachweises. Zur Beurteilung des Hygienestatus gibt es keine Richtwerte. Neben der Unbedenklichkeit des Futtermittels für das Tier stand auch eine mögliche Gesundheitsgefährdung für den Tierhalter aufgrund des Umgangs mit dem Futter im Fokus des Interesses.

Proben von Rind, Geflügel und Pferd

Von Februar bis Juni 2018 wurden von der amtlichen Futtermittelkontrolle des LAVES 33 Proben rohes Heimtierfutter (BARF) zur Untersuchung eingesandt. Die Produkte bestanden vielfach aus Rindfleisch und Innereien vom Rind, aber auch aus Geflügelteilen, Hühnermägen, Pferdefleisch und –innereien sowie Lammpansen. In fünf Produkten wurde die Fleischkomponente mit Gemüse oder Kräutermischungen versetzt.

Je nach Zusammensetzung waren die Erzeugnisse als Einzel-, Ergänzungs- oder auch als Alleinfuttermittel deklariert. Zwei Proben waren fälschlich als Mischfuttermittelmittel gekennzeichnet. Bei den Einzel- und Ergänzungsfuttermitteln fehlten häufig Hinweise auf die erforderliche Zufütterung von Vitaminen und Spurenelementen. Die Proben wurden im Futtermittelinstitut in Stade mikrobiologisch und sensorisch untersucht. Gesetzliche Regelungen für die hygienische Beschaffenheit von rohem Heimtierfutter gibt es nur im Bereich des Tierischen Nebenprodukte-Rechts (VO (EU) Nr. 142/2001). Danach müssen Proben, die während der Herstellung oder der Lagerung (vor dem Versand) entnommen werden, frei von Salmonellen sein. Der Höchstwert für Enterobacteriaceen liegt bei 5.000 Kolonie bildenden Einheiten (KbE) pro Gramm. Die hier untersuchten Proben wurden vorwiegend im Handel (26 von 33 Proben) entnommen und waren überwiegend vom Hersteller tiefgefroren, so dass mit einer Keimvermehrung während des Transports und der Lagerung nicht zu rechnen war. Das Untersuchungsspektrum umfasste: die aerobe Gesamtkeimzahl, die Anzahl an Enterobacteriaceen, Salmonellen sowie Listerien. Bei Proben mit deklariertem Geflügelfleischanteil wurde auch auf Campylobacter-Keime untersucht. Es handelt sich jeweils um potentielle Krankheitserreger sowohl beim Tier wie auch beim Menschen.

Nachweis von Enterobacteriaceen und Listerien

Salmonellen konnten in keinem Fall nachgewiesen werden. Die Gehalte an Enterobacteriaceen lagen nur bei 10 Proben unter 5.000 KbE/g. Bei den übrigen Proben wurde dieser Wert um bis zum Tausendfachen überschritten. Die aeroben Gesamtkeimzahlen reichten von 1,3 x 105 KbE/g bis 1,8 x 199 KbE/g. Auffällig war die Belastung mit Listerien. Aus nur drei Proben konnten keine Listerien isoliert werden. In 11 Proben war Listeria monocytogenes nachweisbar (in 10 Proben <100 KbE/g, in einer Probe 700 KbE/g). In 19 Proben konnten andere Listeria-Arten nachgewiesen werden (meist Listeria innocua, aber auch Listeria welshimeri). Zehn Proben mit deklariertem Geflügelfleischanteil wurden qualitativ auf Campylobacter-Keime untersucht. Bei zwei Proben wurden solche nachgewiesen (C. coli undC. upsaliensis). Beide Campylobacterspezies können sowohl beim Menschen wie auch beim Hund zu Durchfallerkrankungenführen. Bei der sensorischen Untersuchung fiel knapp ein Drittel der Proben durch extremen Geruch auf (stinkend). Gut zwei Drittel der Proben waren sensorisch unauffällig bzw. für das jeweilige Futtermittel typisch unangenehm.

Küchenhygiene wichtig

Die mikrobiologische Untersuchung der Proben hat somit gezeigt, dass bei BARF-Produkten mit einer hohen Keimbelastung und auch mit pathogenen Keimen zu rechnen ist. Hier muss durch entsprechende Küchenhygiene im Haushalt eine Kontamination von Lebensmitteln vermieden werden. So muss etwa das Auftauwasser des Futters sorgfältig entsorgt werden. Der Kontakt mit Lebensmitteln ist zu vermeiden. Mit dem Futter in Berührung gekommenes Geschirr und die Hände müssen gründlich gereinigt werden.

Nur ein Hersteller hat auf dem Kennzeichnungsetikett deutlich die Küchenhygiene angemahnt, mit dem Hinweis auf eine mögliche Keimbelastung. Bei zwei Proben wird nach dem Auftauen zwar ein vollständiges Durchgaren empfohlen, was aber der Idee der BARF-Fütterung zuwiderläuft. Hunde und Katzen haben zwar ein sehr robustes Verdauungssystem, so dass es nur in Ausnahmefällen durch die genannten Erreger zu Erkrankungen kommt, gleichwohl können sie als symptomlose Ausscheider die Keime verbreiten.

Insgesamt wurden erhebliche Kennzeichnungsmängel festgestellt, die darauf hindeuten, dass es bei den Herstellern und Inverkehrbringern gravierende Defizite in der Umsetzung der Kennzeichnungsvorschriften bei diesen Futtermitteln gibt, die vermutlich auf mangelhafte Kenntnisse der futtermittelrechtlichen Regelungen zurückzuführen sind.


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Hunde

Futtermittel aus rohem Fleisch können erhöhte Keimwerte aufweisen

„Tierische Nebenprodukte“

„Tierische Nebenprodukte“ sind ganze Tierkörper, Teile von Tieren oder Erzeugnisse
tierischen Ursprungs beziehungsweise andere von Tieren gewonnene Erzeugnisse, die nicht
für den menschlichen Verzehr bestimmt sind. Als Futtermittel dürfen nur tierische Nebenprodukte der Kategorie 3, zum Beispiel Nebenprodukte aus Schlachtbetrieben, sowie Tierkörperteile verwendet werden, die zwar zum menschlichen Verzehr geeignet wären, aber als Lebensmittel nicht vermarktet werden.

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