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Buntes Holzspielzeug - gesundheitlich unbedenklich?

Kinder stecken ihr Spielzeug in den Mund, lecken, lutschen und knabbern daran oder beißen manchmal sogar Teilchen davon ab. So gelangen kleine Teilchen vom Spielzeug, wie bunter Lack, in den Magen des Kindes. Dort können durch den Magensaft giftige Stoffe – wie z. B. Schwermetalle – herausgelöst werden. Sie können sich im Körper des Kindes anreichern und zum gesundheitlichen Risiko werden. Deshalb werden so genannte zugängliche Spielzeuge regelmäßig auf Schwermetalle untersucht.

Spielzeug ist zugänglich:

  • wenn es durch Lutschen, Lecken oder Verschlucken in den Magen des Kindes gelangen kann
  • wenn es mit Lebensmitteln oder dem Mund in Berührung kommen kann
  • kosmetisches Spielzeug
  • Schreibinstrumente, die als Spielzeug eingestuft sind und allgemein:
  • Spielzeug, das für Kinder bis zu 6 Jahren vorgesehen ist und für das die Wahrscheinlichkeit besteht, dass es mit dem Mund in Berührung kommt

Je älter das Kind und je größer das Spielzeug ist, umso geringer ist die Gefahr, dass Spielzeugmaterialien in den Mund und den Magen gelangen.

In der harmonisierten europäischen und deutschen Norm über die Sicherheit von Spielzeug (DIN EN 71 Teil 3) finden sich Anforderungen an Spielzeug und Prüfverfahren zur Untersuchung der Migration, d. h. des Übergangs oder der Abgabe von acht Elementen bzw. Schwermetallen aus Spielzeugmaterial in die Magensäure. Die acht in der Norm aufgeführten Elemente sind Arsen, Antimon, Barium, Blei, Chrom, Cadmium, Quecksilber und Selen. Für jedes dieser Elemente ist ein Grenzwert pro kg zugängliches Spielzeugmaterial festgelegt worden.

Wichtig hierbei ist die Unterscheidung zwischen Gesamtgehalt des Spielzeugmaterials an dem jeweiligen Element und dem migrierten oder löslichen Anteil des Elements aus dem Spielzeugmaterial, auch bioverfügbarer Anteil genannt. Nur der bioverfügbare Anteil der Elemente ist hier toxikologisch von Bedeutung. Er löst sich unter der Einwirkung von Magensäure und bei Körpertemperatur aus dem Spielzeugmaterial heraus und wird dadurch zum gesundheitlichen Risiko (was nicht in der Magensäure oder im Darm löslich ist, geht ungehindert durch den Körper ohne Gefahr für die Gesundheit).

Entsprechend erfolgt die Untersuchung auf den bioverfügbaren Anteil der Elemente mit Magensäure-Simulanz-Lösung. Für diese Untersuchung wird zunächst die zugängliche, äußere Schicht des Spielzeugs (z. B. die bunte Lackschicht bei Bauklötzen) mit einem Skalpell vorsichtig abgetrennt. Der abgetrennte Lack wird mit Magensäure-Simulanz-Lösung (0,07 mol/L Salzsäure) bei Körpertemperatur (also 37°C) behandelt: eine Stunde bei 37°C unter ständiger Bewegung und anschließend eine Stunde bei 37°C unter Ruhigstellung. Die entstandene Lösung – das Migrat – wird mit Hilfe der ICP-OES auf den Gehalt an gelösten Elementen bzw. Schwermetallen untersucht.

Die Grenzwerte für die acht Elemente wurden festgelegt auf der Grundlage von Konzentrationen, die höchstens täglich infolge des Umgangs mit Spielzeug biologisch verfügbar sein dürfen – dies sind Erfahrungswerte - und aufgrund der Annahme, dass Kinder pro Tag ca. 8 mg Spielzeugmaterial aufnehmen. Letzteres kann allerdings in Einzelfällen schwanken. Hierdurch soll die Belastung der Kinder durch die toxischen Elemente auf ein Minimum beschränkt werden. Bei Überschreitung dieser Grenzwerte wird das Spielzeug nach § 2 der Verordnung über die Sicherheit von Spielzeug beanstandet.

Ab welchem biologisch verfügbaren Element- Anteil eine Beanstandung wegen Gesundheitsschädigung bei bestimmungsgemäßem und voraussehbarem Gebrauch (§ 30 LFGB) erfolgt, kann nur im Einzelfall entschieden werden. Dies ist abhängig

  • vom Spielzeugmaterial (von Fingermalfarbe wird leicht etwas mehr als 8 mg aufgenommen als von der Bauklotzlackierung
  • vom bestimmungsgemäßen und voraussehbaren Gebrauch (auch hier: Fingermalfarbe gelangt eher in den Mund als Teile von der Bauklotzlackierung), und:
  • natürlich von der Höhe des festgestellten bioverfügbaren Anteils und dem Wirkungsmechanismus des einzelnen Elements

Für diese Entscheidung kann auch ein medizinisch-toxikologisches Gutachten erforderlich werden.


Untersuchungsergebnisse des LAVES

Bei den Holzspielzeugen lag 2013 im Institut für Bedarfsgegenstände Lüneburg des LAVES ein Untersuchungsschwerpunkt auf der Abgabe von Schwermetallen aus dem Lack. Das erfreuliche Ergebnis: Von 120 Proben wurden nur zwei aufgrund einer zu hohen Chrom- bzw. Bleiabgabe beanstandet.

Holzspielzeug wird häufig aus verleimten Werkstoffen wie Sperrholz, Holzfaserplatten oder Spanplatten hergestellt. Zur Verleimung der Holzschichten dienen u. a. formaldehydhaltige Kunstharze. 2013 wurden folglich im LAVES auch 80 Proben Holzspielzeuge auf Formaldehyd untersucht. Fünf Proben wurden aufgrund einer zu hohen Formaldehyd-Abgabe beanstandet. Formaldehyd ist ein stechend riechendes Gas, das Allergien, Übelkeit oder Kopfschmerzen hervorrufen kann und vom Bundesinstitut für Risikobewertung als möglicherweise krebserregend eingestuft wird.

Bauklötze aus Holz
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