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„Niedersachsen stellt sich den großen Herausforderungen in der Landwirtschaft“ – 12. Niedersächsisches Tierschutzsymposium im Livestream

Vor dem Hintergrund der Ausbreitung des Coronavirus verzichtet das LAVES auf die Veranstaltung vor Ort und bietet die Vorträge im Livestream an

„Niedersachsen ist sich seiner Verantwortung als Tierhaltungsstandort bewusst und stellt sich den insgesamt großen Herausforderungen in der Landwirtschaft“, sagt Barbara Otte-Kinast, Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, zur Eröffnung des 12. Niedersächsischen Tierschutzsymposiums. Gemeinsam mit dem Tierschutzdienst des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) arbeitet das Landwirtschaftsministerium seit Jahren kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Tierschutzes in der Nutztierhaltung. Das Niedersächsische Tierschutzsymposium, das alle zwei Jahre ausgerichtet wird, ist dabei ein wichtiger Baustein. Mehr als 250 Experten aus dem gesamten Bundesgebiet nehmen an dieser Fachtagung teil. Vor dem Hintergrund der Ausbreitung des Coronavirus verzichtet das LAVES in diesem Jahr auf die Veranstaltung vor Ort und bietet die Vorträge stattdessen im Livestream an.

Im Fokus dieser Fachveranstaltung steht unter anderem die Schweinehaltung. „Zu den praktischen Erfahrungen bei der Reduzierung des Schwanzbeißens findet ein Expertenaustausch statt, damit eine Haltung ohne prophylaktische Kürzung und mit intaktem Ringelschwanz möglich wird“, sagt Prof. Dr. Eberhard Haunhorst, Präsident des LAVES. Dabei geht es um die Gestaltung von Neu- und Umbauten für die Schweinehaltung wie auch um Ansätze zur Lösung von Zielkonflikten zwischen Tier- und Umweltschutz. „Alle gemeinsam sind wir gehalten, den „nationalen Aktionsplan Kupierverzicht“ mit Leben zu erfüllen und umzusetzen“, unterstreicht Ministerin Otte-Kinast.

Die Bandbreite der Themen reicht von Schwerpunktkontrollen in niedersächsischen Schlachtbetrieben bis hin zu möglichen Folgen des Klimawandels für die Rinderhaltung durch Stromausfall und Hochwasser. Welche Vorkehrungen sollten landwirtschaftliche Betriebe für solche Szenarien treffen? Computersimulationen können helfen, das betriebsindividuelle Risiko deutlich zu machen, um beispielsweise Maßnahmen zur Gebäudesicherung zu ergreifen oder einfache Evakuierungslösungen mit entsprechenden Maßnahmenplänen zu erstellen.

Nach aktuellen Vorfällen in Schlachtbetrieben hat Niedersachsen interdisziplinäre Schwerpunktkontrollen initiiert. Dabei werden in risikoorientiert ausgewählten Betrieben insbesondere die Bereiche Tierschutz, Technik und Schlacht- bzw. Betriebshygiene in gemeinsamen Kontrollen mit den kommunalen Veterinärbehörden durch Experten des LAVES überprüft. In einem Vortrag wird eine erste Bilanz gezogen: Bis Ende 2019 konnten insgesamt 60 Kontrollen durchgeführt werden, dabei sind in 56 Betrieben Auffälligkeiten im Bereich Tierschutz festgestellt worden. Problemfelder lagen beispielsweise im Umgang mit den Tieren, im Zustand der Betäubungsgeräte, bei der Durchführung von Eigenkontrollen und der Ausarbeitung von Standardarbeitsanweisungen. „Viele der beobachteten Mängel sind offensichtlich fehlender Sachkunde geschuldet. Diese Wissenslücken müssen geschlossen werden; das sollte oberste Priorität für alle Beteiligten haben“, meint Prof. Dr. Sabine Petermann, Leiterin des Tierschutzdienstes im LAVES.

Das Spektrum der Tagung ist breit gefächert. Weitere Vorträge befassen sich mit Tierschutzindikatoren in der betrieblichen Eigenkontrolle. Bei Nutzgeflügel wird bereits eine automatisierte Erfassung erprobt und am Schlachtband teilweise auch schon umgesetzt. Im Turniersport sind tierschutzrelevante Probleme in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus der Überwachung gerückt. Darüber wird im Vortrag „Praktische Erfahrungen bei der amtsärztlichen Kontrolle von Pferdesportveranstaltungen“ berichtet. Woran erkennt man ob ein Pferd gestresst und verängstigt ist oder gar Schmerzen hat? Pferde kommunizieren hauptsächlich über ihr optisches Ausdrucksverhalten. Zum „Erkennen von Befindlichkeiten bei Pferden im Rahmen ihrer Nutzung“, referiert eine Fachtierärztin für Verhaltenskunde.

Darüber hinaus geht es um Aspekte der Qualzucht bei Hunden und die tierschutzgerechte Haltung von Amphibien. Zudem wird zu Management und Haltung von Eulen berichtet, deren dämmerungs- und nachtaktive Lebensweise besondere Anforderungen stellt. Der Abschlussvortrag „Tierhaltungsverbote – Wie geht es weiter?“ zeigt, dass die Arbeit der Überwachungsbehörden in vielen Fällen auch dann noch nicht endet, wenn bereits ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen wurde.

Das Tierschutzsymposium dient insbesondere Amtstierärzten und Amtstierärztinnen, aber auch Vertretern aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Tierschutzorganisationen als Fortbildungsveranstaltung und Erfahrungsaustausch. Programm und Tagungsband zum Symposium sind unter www.laves.niedersachsen.de zu finden.

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Artikel-Informationen

erstellt am:
12.03.2020

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