Abschlussbilanz der Seehund-Zählflüge im UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer zwischen Ems und Elbe – mehr Jungtiere
Vitaler und hoher Seehundbestand in Niedersachsen: Insgesamt 8.443 (2024: 8.557) Tiere sind in diesem Sommer während der zehn Flüge im Wattengebiet zwischen Ems und Elbe gezählt worden. Der Nachwuchsbestand mit 2.335 Tieren hat sich um 316 Jungtiere zum Vorjahr erhöht (2024: 2.019). Das ist das Ergebnis des diesjährigen Seehundmonitorings des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES).
Die Seehunde machen einen guten und mobilen Eindruck. Die Untersuchungen im Lebensmittel- und Veterinärinstitut (LVI) Oldenburg des LAVES haben gezeigt, dass es keine Hinweise auf mögliche Viruserkrankungen, wie beispielsweise Seehundstaupe oder Vogelgrippe (Influenza H5N1), gibt. Seehunde, die tot an der Küste angespült werden, sichtbar erkrankt sind und eingeschläfert werden müssen, werden im LAVES untersucht. Der Seehund gehört zu den marinen Top-Prädatoren und ist damit ein wichtiger Bioindikator für den einzigartigen Lebensraum Wattenmeer. Anzahl und Gesundheitszustand lassen Rückschlüsse auf den Fischbestand, auf die Wasserqualität und auf das empfindliche Lebensmittel Fisch zu.
Meeressäuger leiden häufig an Infektionskrankheiten und werden auch deshalb intensiv beobachtet. Im LVI Oldenburg wurden Tiere (Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale) untersucht. Regelmäßig werden insbesondere in der Lunge und auch im Darm verschiedene Parasitenarten nachgewiesen. Dies ist bei Wildtieren zunächst nichts Ungewöhnliches, muss aber weiter beobachtet werden. Eine mögliche Ursache könnte die Beeinträchtigung der Immunsysteme der Tiere durch Umwelteinflüsse und Schadstoffbeeinflussung sein. Durchschnittlich stranden jährlich etwa 160 Seehunde an der niedersächsischen Küste.
Das LAVES beabsichtigt, in Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung die Untersuchungen der Meeressäuger weiter auszuweiten, um noch mehr über den Gesundheitszustand des Wattenmeeres zu erfahren.
Rückblick: 1988 und 2002 zog die Seuche „Seehundstaupe“ durch die Population. 1988: Der geringe Seehundbestand an der Niedersächsischen Küste von knapp 2.500 Tieren reduzierte sich auf 1.400.
2002: 3.851 Seehunde wurden tot aufgefunden – der Bestand von rund 6.500 Tieren reduzierte sich um weit mehr als die Hälfte. Im jeweiligen Folgejahr wurden lediglich 229 (1989) beziehungsweise 799 Jungtiere (2003) gezählt.
Insgesamt zehn Flüge an fünf Terminen: Die beste Zeit für die Zählung ist bei Niedrigwasser zwischen Juni und August. Die Seehunde ruhen auf den Sandbänken und können so vom Flugzeug aus gut gezählt werden. In den Sommermonaten ziehen die Seehunde ihren Nachwuchs auf, sonnen sich und wechseln ihr Fell.
Für die Zählung wird das niedersächsische Küstengebiet in etwa zwei gleich große Abschnitte unterteilt. Die beiden Kleinflugzeuge starten gleichzeitig, eines übernimmt den westlichen und das andere den östlichen Küstenabschnitt. Es ging am 16. Juni los, die letzten Flüge starteten am 18. August. An den Zählungen waren auch in diesem Jahr niedersächsische Jäger ehrenamtlich beteiligt, die von Wissenschaftlern des LAVES begleitet wurden. Sie verschafften sich auch einen Gesamteindruck über den Gesundheitszustand der Meeresbewohner.
Das Wetter war für die Zählflüge gut, auch wenn es nicht nur durchweg blauen Himmel und Sonne gab, aber stürmische Winde waren die Ausnahme. Seehunde mögen es sonnig und ruhig, dann kommen sie an Land. Sensibel reagieren sie auf Wetteränderungen und auf Störungen durch den Menschen, dann ziehen sie sich ins offene Meer zurück.
Das jährliche Seehundmonitoring wird vom LAVES seit 2005 für Niedersachsen organisiert und koordiniert. Schon seit 1958 wird der Seehundbestand in Niedersachsen systematisch erfasst: Bis 1972 wurde von Schiffen aus gezählt und seither aus der Luft aus Flugzeugen. Grundlage für die Zählung ist seit 1990 das Internationale Seehundschutzabkommen zwischen Deutschland (Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein), Dänemark und den Niederlanden. Gemeinsames Ziel ist die Erhaltung eines dem Ökosystem angepassten vitalen Seehundbestandes. Im Rahmen dieses Abkommens starten die Zählungen dieser Länder zeitgleich, um Doppelzählungen der sehr mobilen Seehunde zu vermeiden.
Die Trilaterale Seehundexpertengruppe führt im Herbst alle Ergebnisse aus den Ländern zusammen und bewertet die Daten für den gesamten Seehundbestand im UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer zwischen Den Helder, Emden, Husum und Esbjerg. Das LAVES vertritt Niedersachsen in dieser internationalen Expertengruppe.
Artikel-Informationen
erstellt am:
29.08.2025
Ansprechpartner/in:
Hiltrud Schrandt