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Der Seehundbestand erholt sich wieder: mehr als 4.800 Tiere aus der Luft gezählt

Presseinformation Nr. 50 vom 17.08.2005


Nach dem Seuchenzug vor drei Jahren hat sich der Seehundbestand wieder deutlich erholt: In diesem Jahr wurden bei den Zählflügen vor der niedersächsischen Küste 4.837 Seehunde gezählt, darunter 1.176 Jungtiere. Das sind wieder knapp 900 Seehunde mehr als noch im vergangenen Jahr. Das Seehund-Monitoring ist nach Auflösung der Bezirksregierungen auf das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) übertragen worden.

Im Jahr 2002 - kurz vor dem Seuchenzug - tummelten sich noch rund 6.500 Seehunde im niedersächsischen Wattenmeer. Im Zuge des Seehundsterbens vor drei Jahren wurden an der Küste insgesamt 3.851 Seehunde tot gefunden – sie waren das Opfer der Seehundstaupe. 2004 konnten etwa 4.000 Tiere gezählt werden, darunter 1.000 Jungtiere. Damit erholten sich die Meeressäuger 2004 ganz langsam mit nur knapp 500 Seehunden.

Die Seehundzählflüge finden im Rahmen des internationalen Seehundschutzabkommens zeitgleich mit Niedersachsen in Schleswig-Holstein, Dänemark und den Niederlanden statt. In Niedersachsen wird bereits seit 1972 vom Flugzeug aus gezählt.

Das niedersächsische Küstengebiet ist in drei Bereiche eingeteilt, drei Kleinflugzeuge starten daher gleichzeitig. Geflogen wird bei Niedrigwasser jeweils ab Norddeich, Mariensiel und Luneplate. Zu dieser Zeit liegen viele Seehunde auf den Sandbänken. Auch in diesem Jahr haben mehrere niedersächsische Jäger das Zählen ehrenamtlich übernommen. Wie in den Jahren zuvor wurden fünf Flugtermine angesetzt, Start war am 17. Juni 2005. Die letzten Zählflüge fanden am 16. August statt.

Die neuen Zahlen zeigen, dass sich der Bestand der Seehunde an Niedersachsens Küste wieder erholt und dass sich der Gesundheitszustand wieder stabilisiert hat", stellt Dr. Michael Stede fest, Meeressäuger-Experte vom Institut für Fischkunde des LAVES in Cuxhaven. "Der Winter war unauffällig und die Tiere mussten nicht unter schweren Stürme oder extremen Temperaturen leiden. Das war wichtig für den Bestand", so Stede weiter. Die Entwicklung des Seehundbestandes in diesem Sommer verläuft besonders günstig. Die Zahl aufgefundener mutterloser Jungtiere hat sich fast halbiert und die Zahl der verendeten Tiere ist unauffällig und fällt geringer aus als in den Vorjahren.

"Bereits Mitte Juni haben die meisten Muttertiere ihre Jungen an den Sandbänken gesetzt; in den Wattengebieten vor den Landkreisen Wesermarsch und Cuxhaven waren das sogar mehr als 90%", erläutert Stede. Damit wird die seit mehr als zehn Jahren zu beobachtende Tendenz der Vorverlagerung der Geburtsperiode bestätigt. Vor dem Seuchenzug im Jahr 1988 wurden die Heuler in der Regel Ende Juni geboren.

Eine eingehende Analyse der Daten für den gesamten Seehundbestand im Wattenmeer zwischen Texel und Esbjerg erfolgt im Herbst durch die Trilaterale Seehundexpertengruppe. Stede ist niedersächsischer Vertreter in der Trilaterale Seal Expert Group (TSEG) des trilateralen Seehundschutzabkommens zwischen Holland, Deutschland und Dänemark. Er gehört hier zu den führenden Seehundexperten.

junger Seehund Bildrechte: LAVES
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