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Nickelabgabe bei verchromten Grillartikeln

Zu dünn aufgetragen



Eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in Deutschland ist das Grillen. In den Großstädten schießen Grillläden wie Pilze aus dem Boden und das Sortiment an Grillzubehör vergrößert sich ständig. Grillzange & Co. sind nicht nur als hochwertige und in der Regel teure Edelstahlprodukte, sondern auch als preisgünstige verchromte Gegenstände im Handel erhältlich – geringere Materialkosten machen es möglich. Was viele Verbraucher nicht wissen: Bei chrombeschichteten Materialien kann es zu einer erhöhten Abgabe von Nickel kommen. Auf diesen Stoff reagieren jedoch viele Menschen allergisch. Deshalb wurden im Jahr 2012 wieder verschiedene Grillartikel im Institut für Bedarfsgegenstände Lüneburg des LAVES auf den Prüfstand gestellt.

Nickel ist ein silbrig-weißes Metall und gegenüber Luft, Wasser und verdünnten Säuren sehr widerstandsfähig. Es wird oftmals in Legierungen eingesetzt, um die Eigenschaften der verwendeten Materialien positiv zu beeinflussen. Je nach Umgebungsbedingungen und Zusammensetzung kann das Nickel jedoch wieder freigesetzt werden.

Problematisch sind vor allem verchromte Gegenstände. Diese werden mit einer relativ dicken Nickelschicht überzogen, die vor Korrosion schützt. Anders als im Edelstahl ist das Nickel bei verchromten Gegenständen jedoch nicht fest in das Material eingebunden. Wird die abschließende Chromschicht nur sehr dünn oder ungleichmäßig aufgetragen, kann es beim Kontakt mit Lebensmitteln zur Migration von Nickel in das Lebensmittel kommen. Nickel ist als Kontaktallergen bekannt. Etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung sind gegenüber Nickel sensibilisiert. Eine allergische Reaktion kann durch direkten Hautkontakt (Kontaktallergie), aber auch durch den Verzehr nickelhaltiger Kost (Lebensmittelallergie) erfolgen. In hohen Konzentrationen reizt Nickel bei nahezu jedem Menschen die Haut, bei Nickelallergikern reicht schon eine geringe Menge, um entzündliche Reaktionen auszulösen.

  • Stichwort Migration:
    Als Migration wird der Übergang von Inhaltsstoffen des Lebensmittelkontaktmaterials auf das Lebensmittel bezeichnet. Die Höhe der Nickelabgabe bei verchromten Gegenständen wird durch Umgebungsbedingungen wie Feuchtigkeit, Kontaktzeit, Temperatur und Säuregehalt des Lebensmittels enorm beeinflusst. Generell ist zu beachten, dass hohe Temperaturen, lange Kontaktzeiten und hohe Säuregehalte den Übergang von Stoffen auf Lebensmittel begünstigen.


Vorsicht bei Grillfischhaltern

Eine Beurteilung betroffener Produkte ist schwer, da es keine gesetzlich festgelegten Grenzwerte für die Migration von Nickel aus Lebensmittelbedarfsgegenständen gibt.

Von den insgesamt 62 im Institut für Bedarfsgegenstände Lüneburg untersuchten Grillartikeln waren 27 aus Edelstahl, 21 aus verchromten Materialien und der Rest war aus Aluminium. Bei fast der Hälfte (48 Prozent) der verchromten Gegenstände konnte eine geringe, bei weiteren 33 Prozent eine erhöhte Migration von Nickel festgestellt werden. Bei den Produkten aus Edelstahl hingegen war nur bei einer Probe eine Abgabe von Nickel zu verzeichnen. Auffällig viel Nickel gaben vor allem sogenannte Grillfischhalter ab. Hier ist die Gefahr einer Kontamination des Lebensmittels durch Nickel besonders hoch, da das Herauslösen von Metallen durch saure Marinaden – beispielsweise durch den Zusatz von Zitrone – begünstigt wird.

In vielen Nahrungsmitteln wie Getreide, Nüssen oder Kakaoprodukten ist natürlicherweise Nickel enthalten. Als Konsequenz der Untersuchungen sollten Verbraucher beim Grillen vorzugsweise hochwertige rostfreie Edelstähle verwenden, um eine zusätzliche Nickelbelastung durch Lebensmittelbedarfsgegenstände möglichst gering zu halten.


Tipps für ein unbeschwertes Grillvergnügen:

  • Benutzen Sie vorzugsweise hochwertige Grills und Grillzubehör aus Edelstahl
  • Grill nur auf feuerfesten Unterlagen betreiben
  • Für einen sicheren und festen Stand des Grills sorgen
  • Brennbare und leicht entzündliche Gegenstände oder Substanzen vom Grill fernhalten, niemals in die Glut gießen (Verpuffungsgefahr)
  • Grillen Sie nur an dafür geeigneten Orten (Verbote beachten)
  • Grillen in Wäldern ist in der Regel verboten (Waldbrandgefahr)
  • Kinder und Haustiere vom Grill fernhalten (Verbrennungsgefahr)
  • Grill nie unbeaufsichtigt lassen
  • Kohle und Briketts gut durchglühen lassen
  • Verwendung von Grillschalen vermindert die Bildung von Schadstoffen
  • Gepökelte Lebensmittel sollten nicht gegrillt werden (Bildung von Nitrosaminen)

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