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Kräutertee ist gesund! Oder doch nicht?

Pyrrolizidinalkaloide in Tee



Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die in über 6000 Pflanzenspezies vorkommen. Insgesamt sind mehr als 500 verschiedene PA und ihre N-Oxide bekannt. Die Aufnahme von hohen Mengen an PA können zu Leberfunktionsstörungen führen. Des Weiteren haben sich bestimmte PA im Tierversuch als genotoxische Kanzerogene herausgestellt (1).

Im Jahr 2013 führte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ein Forschungsprojekt zur Bestimmung von PA in Teeproben durch. Dabei wurden zum Teil sehr hohe PA-Gehalte festgestellt (2). Eigene Untersuchungen aus den Jahren 2014 und 2015 konnten diese Ergebnisse nicht bestätigen. In der nachfolgenden Tabelle sind einige Ergebnisse gegenübergestellt.


Tabelle 1: PA-Gehalte in Tees

Teesorten

Anzahl Proben

Mittelwert in µg/kg

Maximum in µg/kg


LVI BS/H
2014/2015

BfR 2013

LVI BS/H
2014/2015

BfR 2013

LVI BS/H
2014/2015

BfR 2013

Kamillenblütentee

22

31

154

484

643

3.435

Kräutertee

7

42

43,2

199

155

1.530

Pfefferminztee

29

13

193

676

925

827

Tee für Säuglinge
und Kleinkinder

32

9
(Fenchel)

79

116

297 (1.404)

159

*Mittelwert aus den angegebenen lower, medium und upper bound Berechnungsansätzen


PA wird nicht in der Teepflanze gebildet

Die vom LVI Braunschweig in Kräutertees quantifizierten Gehalte lagen deutlich unter den vom BfR publizierten Werte. Einzig die Maximalwerte für Pfefferminztees und Tees für Säuglinge sind vergleichbar. Ein Tee für Säuglinge fiel durch seinen besonders hohen PA-Gehalt von 1404 μg/kg auf.

Teepflanzen

Bildrechte: © fotolesnik - Fotolia.com


Aus den Ergebnissen lässt sich deutlich ablesen, dass der PA-Gehalt vom Erntejahr und auch der Probe selbst abhängt. PA werden nicht in der Teepflanze gebildet, sondern gelangen durch mitgeerntete Beikräuter in das Lebensmittel. Durch maschinelles Ernten werden PA-haltige Pflanzen unbeabsichtigt miterfasst und können die Ernte eines ganzen Feldes verunreinigen. So können z.B. 6 PA-Pflanzen auf einem Hektar Anbaufläche mit ca. 60000 Kulturpflanzen analytisch über den PAGehalt im getrockneten Kräutertee nachgewiesen werden (3).

Da die Unkräuter nicht regelmäßig verteilt auf dem Feld wachsen, spricht man auch von einer „Spotkontamination". Es kann daher durchaus vorkommen, dass die Ernte eines Feldes, aufgeteilt in drei Chargen, zwei PA-haltige und eine PA-freie Charge liefert. Daraus lässt sich auch ersehen wie schwierig die Qualitätsüberwachung des getrockneten Teekrautes ist. Als Vorsorgemaßnahme ist daher im Wesentlichen die mechanische Entfernung der Unkräuter auf dem Feld oder am Feldrand geboten, wenn man keine Pestizide einsetzen möchte.

Im Gegensatz zu Kamille oder Pfefferminze ist Rooibostee ein Ginsterartiger Strauch, der ausschließlich in einer kleinen Region Südafrikas wächst und auch heute noch hauptsächlich per Hand geerntet wird. Umso erstaunlicher ist es, dass in allen untersuchten Rooibostees PA nachgewiesen wurden. Die Ergebnisse in Tabelle 2 zeigen, dass die PA-Gehalte sehr schwanken, so wurde 2013 vom BfR ein maximaler Gehalt von 452 μg/kg nachgewiesen, das LVI Braunschweig fand 2014 einen maximalten Gehalt von 631 μg/kg und 2015 einen maximalen Gehalt von 1862 μg/kg, also einen deutlichen Anstieg.


Tabelle 2: PA-Gehalte in Rooibostee

Anzahl Proben Mittelwert in µg/kg Maximum in µg/kg
LVI BS/H BfR* 2013 LVI BS/H BfR* 2013 LVI BS/H BfR* 2013
2014: 16
2015: 16
7 2014: 137
2015: 869
255 2014: 631
2015: 1.862
452

*Mittelwert aus den angegebenen lower, medium und upper bound Berechnungsansätzen


Ist Kräutertee doch nicht gesund?

Nach Ansicht des BfR ist eine akute Gesundheitsschädigung bei kurzfristiger Aufnahme der hoch belasteten Tees unwahrscheinlich. Bei längerfristigem Verzehr von Produkten mit hohen PA-Gehalten besteht jedoch das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung.

getrocknete Teeblätter

Bildrechte: © monticellllo - Fotolia.com


Eine Studie zur Beurteilung der leberschädigenden Wirkung der PA führte zu einem gesundheitsbezogenen Richtwert (HBGV - Health Based Guidance Value) von 0,1 μg/kg KG/Tag. Das bedeutet, dass bei einer täglichen Aufnahme von unter 0,1 μg pro kg Körpergewicht keine Schädigung zu erwarten ist. Für die Beurteilung eines Krebsrisikos wird der MoE-Wert (Margin of Exposure) berechnet. Ergibt sich ein Wert über 10.000, so ist die Menge der PA unkritisch zu sehen. Für die PA-Aufnahme führte dies zu einer tolerierbaren täglichen Aufnahme von 0,007 μg PA pro kg Körpergewicht (4,5).


Minimierungskonzepte werden umgesetzt

Um den Verbraucher vor einer unannehmbaren Belastung zu schützen sollten auf allen Handelsstufen Anstrengungen unternommen werden, den PA-Gehalt in Tees zu senken. Hierzu fand eine Bund-Länder-Besprechung mit der Teewirtschaft am 28. September 2015 statt.

Im Dezember 2015 wurden die betroffenen Wirtschaftskreise darüber informiert, dass für bestimmte Teesorten im Rahmen eines Minimierungskonzeptes Eingriffswerte für PA-Gehalte festgelegt wurden (s. Tab.). Ergeben sich bei der Kontrolle durch die Lebensmittelüberwachung auffällige Proben wird u.a. der Abfüller/Händler darauf hingewiesen seine Eigenkontrolle zu überprüfen. Die Wirtschaftsbeteiligten haben allerdings schon Maßnahmen ergriffen, um die PA-Gehalte zu senken (3), z.B. durch Schulung der Landwirte in den Anbauländern.

Wie schnell sich die Problematik der hohen PA-Gehalte in Tees lösen lässt, kann zurzeit nicht beurteilt werden. Zukünftige Kontrollen werden diesbezüglich Aufschluss geben. Das potenzielle Risiko für den Verbraucher lässt sich verringern, wenn bei der Auswahl der Lebensmittel die generelle Empfehlung zur Abwechslung und Vielfalt berücksichtigt wird (2). Dies gilt natürlich auch für Tee.


Tabelle 3: Eingriffswerte für PA-Gehalte in Tee

Teesorte Eingriffswerte in µg/kg
Roibostee 350
Grüner/Schwarzer Tee 310
Kamille 270
Kräutertee 160
Pfefferminztee 120
Fenchel 110
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