LAVES klar

LAVES untersucht Wildpilze: radioaktive Werte liegen weiterhin deutlich unterhalb des Grenzwertes

Geringe radioaktive Belastung von Wildpilzen: Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover des LAVES liegen für die Jahre 2014 und 2015 die Messergebnisse des Gehaltes an Cäsium-137 (Cs-137) von niedersächsischen 64 Pilzproben vor. Das Ergebnis: Es gab keine Grenzwertüberschreitungen. Der EU-Grenzwert für das Radionuklid Cäsium-137 liegt bei 600 Bequerel/kg. Untersucht wurden mit Zuchtchampginons und Pfifferlingen sowohl Pilze, die auch im Handel zu finden sind, als auch ausschließliche Wildpilze wie Maronen und Steinpilze. Die aktuellen Ergebnisse bestätigen weiterhin den insgesamt rückläufigen Trend.


Die Pilze, die jährlich aus niedersächsischen Forstämtern angefordert werden, gelten als verlässliche Bioindikatoren für Umweltbelastungen.

Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover werden seit 1986 jährlich essbare Wildpilze auf ihre radioaktive Belastung untersucht. Soweit möglich wurden die Pilze im küchenfertigen Zustand gemessen. Die Untersuchungen sind Teil des landesweiten „Sonderprogramms Wildpilze", welches das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Folge des Reaktorunfalls von Tschernobyl eingerichtet hat.

Die radioaktive Belastung der essbaren Wildpilze kann regional stark variieren, da sie von den Bodenverhältnissen und der dem Boden zugeführten Menge des radioaktiven Fallout/Washout, der Art des Bodens und der darauf wachsenden Pilzart abhängt.

Eine Überschreitung des gesetzlichen Grenzwertes von 600 Becquerel je Kilogramm (Bq/kg) ist seit einigen Jahren für Niedersachsen nicht mehr festgestellt worden. Die Spanne reicht von knapp 3 Bq/kg Cs-137 im nordwestlichen bis ca. 200 Bq/kg im südöstlichen Niedersachsen. Wildpilze sind stärker belastet als Ackerpflanzen, in denen Cs-137 allenfalls im Bereich der Nachweisgrenze von 0,2 Bq/kg Cs-137 gemessen wird. Die Ursache liegt in der Mobilität des Cäsiums im humusreichen Waldboden, dem die Tonminerale fehlen. Tonminerale, wie sie auf Ackerflächen reichlich vorhanden sind, binden das Cäsium und unterbrechen damit den Belastungskreislauf. Im Gegensatz zu Ackerflächen wird der Waldboden nicht bearbeitet. Dadurch fehlt die Verdünnung der Aktivitäten wegen fehlender Tiefenverlagerung und Durchmischung. Flachwurzelnde Pflanzen des Waldes wie Pilze und Gräser sind daher höher belastet. Zum anderen sammelt ein Pilz mit seinem in der Fläche weit verzweigten Mycel die Schadstoffe des sauren Waldbodens in seinem Fruchtkörper. Die radioaktive Belastung der essbaren Wildpilze kann regional stark variieren, da sie von den Bodenverhältnissen und der dem Boden zugeführten Menge des radioaktiven Fallout/Washout, der Art des Bodens und der darauf wachsenden Pilzart abhängt. Die bodenspezifischen Wachstumsvoraussetzungen ergeben daher ein für jede Pilzart sortenspezifisches Belastungsprofil.

Mittelwerte der Gesamtcäsiumaktivität in eßbaren Wildpilzen aus Niedersachsen  

Die Schwankungen innerhalb des graphischen Betrachtungszeitraumes können mit der in schlechten Pilzjahren Witterung bedingt geringen Probenzahl erklärt werden. Die heterogene Belastung in Niedersachsen führt bei niedriger Probenzahl zu starken Schwankungen der Einzelwerte gegenüber dem Vorjahr, wenn durch die Witterungseinflüsse die Probenahme aus stark belasteten Gebieten oder anderenfalls wenig belasteten Gebieten überrepräsentiert ist.

Im LAVES wurden zuletzt im Jahre 2009 stichprobenweise osteuropäische Pilze (Pfifferlinge) aus dem Handel untersucht. Bei keiner dieser sechs Proben wurde eine Überschreitung des Grenzwertes für den Gesamtcäsiumgehalt von 600 Bq/kg festgestellt. Hier wirkt sich die Anwendung der strengen EU-Vorschriften für Pilzimporte positiv für den Verbraucher aus. Das bestätigt auch das Ausbleiben von EU-Schnellwarnungen über Pilzimporte. Mit der Einrichtung von Schwerpunktlaboren wurde diese Aufgabe in 2010 aus dem LAVES herausgelöst.

Probenart

Herkunft

Cs-137

Pfifferlinge

Belarus

52

Pfifferlinge

Russland

4,8

Pfifferlinge

Polen

33

Pfifferlinge

Belarus

33

Pfifferlinge

Russland

24

Pfifferlinge

Polen

12

Importkontrollen erfolgen in Zuständigkeit der entsprechenden Bundesländer an den nach EU-Verordnung zugelassenen Grenzeinlassstellen. Die für den Import bestimmten Pilze werden im Exportland vorab gemessen, da der Ware ein Zertifikat mit Angabe des gemessenen Radionuklidgehaltes beiliegen muss.

Bei Zuchtchampignons wurden nicht nur zuletzt in 2014 Cs-137-Messwerte in der Nähe der Nachweisgrenze ermittelt. Eine wesentliche Belastung mit Cs-137 ist bei Zuchtchampignons nicht zu erwarten. Im Vergleich mit Maronenröhrlingen reichern Champignons keine bedeutenden Mengen des Radionuklids Cs-137 im Fruchtkörper an.


Weitere Informationen zum Strahlenschutz sind im Internet beim Bundesamt für Strahlenschutz unter http://www.bfs.de abrufbar.

Weitere Messergebnisse zur radioaktiven Belastung:

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